12. September 2016.

Tag der offenen Tür: im Auftrag der Bildung

von Jens-Ekkehard Bernerth

Anlässlich des bevorstehenden 200. Geburtstages der Polytechnischen Gesellschaft e. V., lud der Verein, der 2005 die Stiftung Polytechnische Gesellschaft gründete,  zum Tag der offenen Tür. An die 500 Gäste kamen bei schönstem Sommerwetter ins Casino der Goethe-Universität und erlebten ein buntes Programmpotpourri mit Wortforen, Musik und jeder Menge Mitmachgelegenheiten.

Der Tag der offenen Tür der Polytechnischen Gesellschaft bot spektakuläre Einblicke (Foto: Dominik Buschardt).


Zischend und mit Nebelschwaden unterlegt schwappte der minus 200 Grad kalte Flüssigstickstoff auf die lila-violette Joghurt-Beerenmischung. Mit dicken Schutzhandschuhen versehen rührte Erhan Cetiner, Stipendiat des MainCampus-Programms der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die Masse cremig, während seine Kollegin Julia Schweizer weiter den Stickstoff beimischte. "Man muss sich keine Sorge um die Gesundheit machen", erklärte sie dabei, "unsere Luft besteht zu 70 Prozent aus Stickstoff. Das Stickstoff-Eis ist für den Körper also nicht schädlich." Dafür sehr lecker.

Doch wurden beim Tag der offenen Tür den Anwesenden nicht nur Gaumenfreuden geboten. Nach der Eröffnungsrede von Polytechniker-Präsident Walther von Wietzlow, einem Willkommensgruß des Vizepräsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, und der Überreichung der Skulptur 'Grande Madame' als Geburtstagsgeschenk der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte ging es im ersten Stock des altehrwürdigen Gebäudes richtig los.

Die Töchter stellten sich vor

Dort stellten sich die sieben Töchter des Vereins vor: Die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte präsentierte beispielsweise Kommunikationshilfsmittel, die selbst ausprobiert werden konnten, und lud im Speckstein-Freiluftatelier auf der Terrasse zum munteren Klopfen und Gestalten ein. Das Institut für Bienenkunde lotste die Besucher  in einen begehbaren Bienenstock, in dem mit Filmbeiträgen und Erläuterungen das Leben in den Bienenbehausungen vermittelt wurde. Wer wollte, konnte außerdem am Stand nebenan Bienen füttern und die für die Nutztiere gefährlichen Varroa-Milben durch das Mikroskop begutachten.

DNA-Extraktion mit Haushaltsmitteln

Gegenüber stellten die Jungen Forscher und die Junior-Ingenieure der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Pralinen her, machten DNA aus der Mundschleimhaut mit einer Mischung aus Wasser, Kochsalz, Ethanol, Wasch- und Spülmittel sichtbar und zeigten anhand eines 1,20 mal 1,60 Meter großen elektrischen Modells aus Lego den Aufbau des Teilchenbeschleunigers FAIR in Darmstadt.

"Traditionell ist bei der Polytechnischen Gesellschaft der Bereich Bildung immer im Zentrum der Strategie", hob Präsident von Wietzlow in seiner Eröffnungsrede hervor. Dementsprechend drehte sich das Programm der Wortforen um Information, Bildung und Vermittlung von interessanten Einblicken, was auch bei den Gästen gut ankam. Es ging um Kunsthandwerk, den Campus-Architekten Hans Poelzig und die Bildungslandschaft von morgen: "Mir hat die Podiumsdiskussion 'Was wir morgen wissen müssen' sehr gefallen", lobte Gesellschaftsmitglied Hulisi Bayam das erste Wortforum, bei dem unter anderem IBM-Arbeitsdirektor Norbert Janzen und die Direktorin der Frankfurter Wöhlerschule, Renate Bleise, auf dem Podium saßen. "Verschiedene Generationen mit unterschiedlichen Perspektiven kamen zu Wort, was mir besondere Erkenntnisse beschert hat."

Vorträge und Diskussionsrunden als Publikumsmagnete

Für Psychologie-Doktorandin Magdalena Kuhn waren die Vorträge und Diskussionsrunden der MainCampus-Stipendiaten der Höhepunkt der Veranstaltung: "Ich fand das Thema 'Ob man aus der Geschichte lernen kann' sehr inspirierend, da ich selbst aufgrund meines Studiums einen persönlichen Bezug zu Historischem habe. Sehr schön fand ich außerdem die Campus-Führung. Ich studiere schon länger hier und fand es super, etwas über die Historie der Gebäude zu erfahren."

Generell trafen die Vorträge und Diskussionen auf gute Resonanz bei den zahlreichen Besuchern. So auch die Vorträge mit der Überschrift "Von blauen Minis, Flügeln und Kamelen", in denen Mütter aus dem Leitprojekt Diesterweg-Stipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft von ihren vielfältigen Wegen nach Deutschland und ihrem persönlichen Ankommen sprachen.

Themenvielfalt für alle Geschmäcker

Auch Ines Birkner wusste die Themenvielfalt zu schätzen: "Ich finde es super, dass das Programm so vielfältig ist und einem so viel geboten wird. Die Inhalte werden gut dargestellt, und besonders schön fand ich, dass bei der Präsentation des DeutschSommers nicht nur über die Kinder geredet wurde, die an dem Sprachförderprogramm teilgenommen hatten, sondern dass die kleinen Teilnehmer auch in den Vortrag mit einbezogen wurden. Außerdem war das Essen sehr lecker. Gehört ja auch dazu."

Robert Volhard stimmte in das Loblied mit ein: "Hervorragendes Wetter, erfrischende Getränke, erfrischende Geister. Ich wünsche der Polytechnischen Gesellschaft weiter Strahlkraft, die polytechnischen Gedanken an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben und dafür zu sorgen, dass unser Fleckchen Erde weiter lebenswert bleibt."

Hier finden Sie Impressionen vom Tag der offenen Tür der Polytechnischen Gesellschaft.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Bilder: Dominik Buschardt)