01. November 2018

Themen und Talente: Wie tickt die junge Generation?

von Jens-Ekkehard Bernerth

Die Generation Z war das Kernthema von Themen und Talente - Aus dem Herzen der Stiftung, das am Mittwochabend unter dem Aufmacher "Jung sein 2018" zum ersten Mal in der Beletage des Polytechniker-Hauses stattfand. Vertreter der Generation Z gelten als Digital Natives und sollen in Symbiose mit ihrem Smartphone leben. Doch ist das überhaupt wahr? Und wie halten die jungen Leute es mit der Familie? Haben sie Sorgen? Und was gibt es noch über diese Generation herauszufinden?

Foto: Dominik Buschardt


"Jung sein 2018" widmete sich dementsprechend diesem spannenden, facettenreichen Thema. Schließlich wird viel über die jungen Leute von heute geforscht und noch mehr geschrieben. Freilich, vier Personen stehen weder für alle Angehörigen ihrer Generation, noch kann an einem Abend alles gesagt werden, was es vielleicht zu sagen gäbe. Und doch bot diese Veranstaltung die Möglichkeit, wenigstens durch ein kleines Guckloch in die Gedankenwelt junger Leute einzutauchen und so einen Eindruck zu erhalten, wie sie heutzutage ticken.

Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Themen und Talente - Aus dem Herzen der Stiftung von dem 16-jährigen Mats K., einem Stipendiaten des Kollegs für junge Talente. Ihm zur Seite saßen Leonie S., eine 18-jährige Stadtteil-Botschafterin, die frisch ihr Abitur gemacht hat; Jakob M., 21, Tischlermeister, der am Programm der Samstagsschule für begabte Handwerker teilgenommen hat, sowie Amani H., 19 Jahre, die digitale Medien und Marketing studiert und vor zehn Jahren der ersten Generation des Diesterweg-Stipendiums angehörte.

Generell lässt sich bei den drei jungen Menschen eine große Familien- und Heimatverbundenheit feststellen. Das Verhältnis zur seiner Familie bezeichnet Jakob etwa als "top", er wohnt wie seine beiden Mitdiskutantinnen noch zuhause bei den Eltern - wenn allerdings auch situationsgeschuldet, wie Amani später erläutert: "Das Wohnen in Frankfurt ist einfach unfassbar teuer. Das kann man sich als Studentin nur schwer leisten, weshalb ich gezwungen bin, erstmal daheim wohnen zu bleiben." Allerdings hat Amani schon einen Plan, sie möchte Flugbegleiterin werden, um zum einen die Welt zu sehen, zum anderen ein Zubrot für die eigene Unabhängigkeit zu verdienen.

Große Verbundenheit zu Frankfurt

Dennoch ist bei allen eine große Verbundenheit zu Frankfurt festzustellen. Jakob liebt den Taunus und das Rhein-Main-Gebiet, und auch Leonie möchte nicht wegziehen. Generell sind den Dreien materielle Werte nicht so wichtig. Sie möchten aber finanzielle Sorgen vermeiden, ihnen ist es wichtig, gut abgesichert zu sein. Leonie hält Spenden für das Wohl der Gesellschaft wichtiger als das Horten von Reichtümern – und flexible Arbeitszeiten. „Für mich nimmt derzeit die Arbeit einen viel zu großen Teil in der Gesellschaft ein“, erklärt sie. „Ich möchte später lieber nur 60 bis 80 Prozent unter der Woche arbeiten, denn die soziale Komponente wie Freunde treffen oder Sport treiben sind für mich mindestens genauso wichtig wie arbeiten.“ Auch für Amani und Jakob sind Flexibilität und Zeit für die Familie, Freunde und Hobbys wichtig.

Sorgen scheinen die jungen Leute derzeit nicht allzu sehr zu belasten: "Ich bin ein fröhlicher Optimist", konstatiert Jakob, "ich sehe vieles entspannter, möchte frei in die Welt gehen, ohne mich einzuschränken. Trotzdem spreche ich viel mit meinen Eltern, beispielsweise zum Thema Altersvorsorge, damit ich auch später mir keine Sorgen machen muss." Amani: "Solange man aufgeklärt ist, gibt es keinen Grund zur Sorge." Leonie sieht das Thema differenzierter: "Für meine persönliche Zukunft bin ich optimistisch, jedoch nicht, was die Welt angeht. Ich mache mir Sorgen um die Umwelt, die Ressourcen werden knapper. Dabei ist es wirklich schwierig, einen ökologischen Fußabdruck von 1 zu schaffen. Hier muss die Politik aktiver werden, selbst wenn vielen gerade die egal ist."

Ehrenamt und Politik

Politik scheint generell ein Interessensgebiet von Leonie zu sein. Die ehemalige Schülersprecherin kann es sich gut vorstellen, später einmal selbst in die Bildungspolitik zu gehen, um das vorhandene Schulwesen - "das einige Probleme hat", wie sie empfindet - zu modernisieren und zu verbessern. Amani und Jakob sind ehrenamtlich aktiv, sie engagieren sich unter anderem in Sportvereinen als Übungsleiter.

Beim Thema Smartphone zeigen sich die vier schuldig. Mit einem Lächeln räumt Amani ein: "Es ist dumm, sich von einem kleinen Ding abhängig zu fühlen." Auch Leonie kennt das Gefühl, durch einen Handy-Verlust große Auswirkungen zu fühlen. Sie kritisiert jedoch, dass manche nur Momente erleben, um sie zu posten, anstelle den Moment des Moments wegen zu genießen. Sie verordnet sich deshalb im Urlaub auch einmal einen Digital Detox und lässt das Handy einfach aus.

Trotzdem sind die Smartphones und Messenger-Apps gut für den Familien-Zusammenhalt, betonen die jungen Leute zum Abschluss. Denn damit können sie mit ihren Verwandten in stetem Kontakt bleiben, was dem kleinen Gerät nun doch den Hauch des Nützlichen verleiht. 

Die Bilder zur Veranstaltung finden Sie in der Galerie.

Über Themen und Talente - Aus dem Herzen der Stiftung

So vielfältig wie die Stiftung selbst sind auch die Menschen aus ihren Reihen: Talente und Vorbilder, die sich mit interessanten Ideen und Projekten in der Frankfurter Stadtgesellschaft engagieren. Mit dem Veranstaltungsformat "Themen und Talente – Aus dem Herzen der Stiftung" bietet die Stiftung Menschen aus ihrem näheren Umfeld eine Präsentationsplattform und lädt in die neue Beletage des Polytechniker-Hauses ein, um über aktuelle Themen ins Gespräch zu kommen.