18. Juli 2017

Zehn Jahre Sommerstipendien: Sommer, Austausch, Partnerschaft

von Jens-Ekkehard Bernerth

Seit zehn Jahren kommen die Sommerstipendiaten im Rahmen des gleichnamigen Programms nach Frankfurt am Main. Die Teilnehmer stammen aus den 17 Partnerstädten der Mainmetropole, und fördern mit ihrem Besuch den interkulturellen Austausch und sorgen gleichzeitig bei allen Beteiligten für große Freude.

Die Sommerstipendiaten des Jahres 2017. (Foto: Marlene Weck)


"Die Stadt ist sehr schön", schwärmt Mariam Themafani, "es ist hier völlig anders als in Kairo, mit all dieser Natur, den Wäldern drumherum, auch in puncto Sauberkeit unterscheiden sich die beiden Städte total." Die 16-jährige Ägypterin, die seit dem Kindergarten Deutsch lernt und nahezu akzentfrei Deutsch spricht, ist eine der 16 Sommerstipendiaten, die 2017 für drei Wochen nach Frankfurt gekommen sind. Vormittags pauken die Schülerinnen und Schüler Deutsch am Goethe-Institut, nach dem gemeinsamen Mittagessen stehen Exkursionen und Projektarbeiten an.

Stefanie Fischer, eine der beiden Lehrerinnen der Sommerstipendiaten, schätzt die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen: "Die jungen Leute sind sehr aufgeschlossen, es macht großen Spaß, ihnen in meiner Rolle als Lehrerin nicht nur die Sprache nahezubringen, sondern auch die deutsche Kultur im Allgemeinen", betont sie. "Der kulturelle Austausch zwischen den Jugendlichen ist ebenfalls faszinierend. Sie sind zwar in Deutschland, reflektieren das aber immer wieder mit ihrem Heimatland, und das ist natürlich sehr spannend."

Großer Gewinn für alle Beteiligten

Der interkulturelle Austausch ist jedoch nicht nur für die Stipendiaten selbst, sondern auch für die Gastfamilien ein großer Gewinn: "Anfangs ist es neu und aufregend, jemanden mit am Tisch sitzen zu haben", berichtet die 13-jährige Philippa über ihre Erfahrungen mit ihrem afghanischen Gastbruder Ali, der aus Frankfurts Partnerstadt Leipzig kommt, "aber es ist immer sehr schön und manchmal auch lustig, was er da von seiner Heimat erzählt. So habe ich schon etwas über seine Kultur gelernt, und wir haben uns zusammen Filme über Afghanistan angesehen." Ali selbst fühlt sich auch sehr wohl in Frankfurt: "Es gefällt mir sehr gut hier, die Leute sind nett und helfen uns, sie sprechen einfach mit uns."

Philippas Eltern Sidonia Kolster und Peter von Hamm haben sich recht spontan entschieden, als Gasteltern für den Sommerstipendiaten zu fungieren: "Wir haben vor zwei Wochen eine Mail von Freunden bekommen, in der stand, dass noch Gasteltern gesucht werden, die jemanden aufnehmen. Wir kannten das Programm gar nicht."

"Eine super Sache"

Grazyna Remmert ist hingegen das fünfte Mal Gastmutter, dieses Mal von Noémi aus Budapest. Auf das Programm aufmerksam geworden ist sie über ihren Sohn, der das Heinrich-von-Gagern-Gymnasium besucht: "Das ist eine super Sache," freut sich die Mutter, "wir hatten sehr viele schöne Erlebnisse mit den Sommerstipendiaten und stehen bis heute noch Kontakt mit manchen." Für Grazyna steckt hinter der Teilnahme noch eine persönliche Motivation: "Ich bin Polin, als ich damals Deutsch gelernt habe, habe ich viel Hilfe bekommen von flüchtigen Bekannten, die heute meine Freunde sind. Ich habe gedacht, das möchte ich zurückgeben, weshalb wir uns entschieden haben, bei dem Programm mitzumachen."

Hanno Börsch-Supan, Mariams Gastvater, ergänzt: "Es ist eine sehr nette und wunderbare Erfahrung. Selbst wenn es platzmäßig eher eng ist bei uns, muss ich sagen, dass vor allem die Kinder sich klasse arrangieren, die Gastschülerin integriert sich super bei uns, wir lernen viel dazu."

Deutsch als Zukunft

Am meisten dürften jedoch die Sommerstipendiaten von dem Austausch und den Erlebnissen profitieren; viele von ihnen können sich vorstellen, nach dem Schulabschluss in Deutschland zu studieren. So auch die 16-jährige Rachel aus dem französischen Lyon: "Ich möchte in Deutschland Recht und Politikwissenschaften studieren ", erklärt sie. Mariam hingegen möchte Naturwissenschaften studieren und auch in Deutschland arbeiten. Der 17-jährige Adam Hewitt aus dem britischen Birmingham möchte hierzulande später einmal Deutsch studieren. Er lernt die Sprache seit fünf Jahren und genießt die abwechslungsreiche gemeinsame Zeit mit den übrigen Stipendiaten, in deren Verlauf unter anderem die Commerzbank-Arena, der Flughafen, das Filmmuseum oder das EUNIC-Musikfestival besucht wurden und eine Skylight-Bootsfahrt auf dem Main unternommen wurde.

In einer Sache sind sich die Stipendiaten einig, wie Stefanie Fischer zu berichten weiß: "In der Vorbereitung auf die Begrüßung im Römer habe ich ein Zitat von Mark Twain gebracht: 'Man benötigt 30 Stunden, um Englisch zu lernen, 30 Tage für Französisch, und 30 Jahre für Deutsch'. Und da haben alle gesagt: 'Das ist ja Quatsch!' Am Ende waren sich alle einig, dass Deutsch trotz des immensen Wortschatzes von fünf Millionen Wörtern doch gar nicht so schwer zu lernen sei - es sei zwar keine leichte Sprache, aber auch kein Ding der Unmöglichkeit."

Über das Sommerstipendium

Die Frankfurter Sommerstipendien für die besten Deutschschüler aus Frankfurts Partnerstädten sind ein gemeinsames Projekt des Goethe Instituts Frankfurt am Main und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die gemeinnützige Hertie Stiftung und die Albert und Barbara von Metzler-Stiftung fördern das Programm. Für die Auswahl mussten die Teilnehmer einen Text über Frankfurt schreiben, die besten Arbeiten waren das Ticket nach Frankfurt.