Die Stiftung auf einen Blick

Eine "Werkbank" für die Frankfurter Stadtgesellschaft – das ist die Stiftung Polytechnische Gesellschaft. 2005 wurde sie mit einem Kapital von 397 Millionen Euro von der Polytechnischen Gesellschaft e. V. errichtet.

Durch Zustiftungen und andere Kapitalzuführungen erhöhte sich ihr Vermögen bis zum Jahr 2019 auf 442 Millionen Euro.


Einsatz für das, was eine moderne Stadtgesellschaft stark macht

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft arbeitet operativ und fördernd als Mehrspartenstiftung. Den inhaltlichen Kern ihrer Tätigkeit bilden 18 sogenannte Leitprojekte, die sich auf fünf Arbeitsschwerpunkte verteilen:

1) Familienbildung
2) Sprachbildung
3) kulturelle Bildung
4) Hinführung zu Naturwissenschaft und Technik
5) Förderung des Bürgerengagements.

Immer geht es dabei um Bildung und Verantwortung im umfassenden Sinne, immer stehen dabei die Schulung der vielfältigen Fähigkeiten des Menschen und die Förderung seiner fachlichen und persönlichen Bildung zum Nutzen des Gemeinwesens im Mittelpunkt – genau wie es der Begriff "polytechnisch" seit dem Zeitalter der Aufklärung ausdrückt.


Projekte aus Frankfurt als Vorbilder für Deutschland

Mehrere Stiftungsprojekte sind von öffentlichen und privaten Trägern in anderen deutschen Städten und Gemeinden übernommen worden, darunter der Deutschsommer, dasDiesterweg-Stipendiumund dieStadtteil-Historiker. Die Stiftung bezeichnet diese Facette ihrer Arbeit als Projekttransfer.

Domizil mit Geschichte: das Polytechniker-Haus

Seit 2011 ist die Stiftung Polytechnische Gesellschaft im heutigen Polytechniker-Haus in der Untermainanlage 5 und damit mitten im Herzen Frankfurts ansässig – gemeinsam mit der Polytechnischen Gesellschaft e. V., dem Kuratorium Kulturelles Frankfurt e. V. und der Wöhler-Stiftung.

Am Ostrand des Bahnhofsviertels in unmittelbarer Nähe des Mainufers, der Städtischen Bühnen und des Jüdischen Museums gelegen, wurde das Polytechniker-Haus Mitte der 1870er-Jahre nach spätklassizistischem Vorbild erbaut. Auftraggeber des vierstöckigen Eckhauses, mit dessen Bau 1874 begonnen wurde, war der Frankfurter Architekt und Bauunternehmer Wilhelm Benkard.

Vielfältig wie die Stiftung – das Haus und seine Bewohner 

Bereits im Jahr 1878 wechselte das Anwesen in den Besitz des Malers und Juristen Peter Burnitz, der die Immobilie weitervermietete. Zu den Mietern in der Untermainanlage 5 zählten im Laufe der Zeit der als Freskenmaler berühmt gewordene Eduard von Steinle, Kapellmeister und Korrepetitoren der Frankfurter Oper, der Tuchhändler Bossong, Anwälte, Notare, Handelsgesellschaften und Agenturen – aber auch ein Friseursalon, eine Gesellschaft für Zeitarbeit und die italienische Notenbank.

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft erwarb das Geschäftshaus Untermainanlage 5 zu Anfang des Jahres 2010. Es war eine der ersten Aufgaben, das durch lange Mischnutzung geprägte Haus, das von seiner eigentlichen Anlage her ein Wohnhaus war, außen und innen an die Bedürfnisse der Stiftung anzupassen. Es geschah mit der heute üblichen und gewollten Rücksicht und Achtsamkeit auf die Belange des Denkmalschutzes und das öffentliche Interesse. Das Haus sollte modernen Ansprüchen an ein Büro so weit wie möglich genügen, und es sollte allen Nutzern eine Anlaufstätte und eine temporäre Heimat bieten können – der ausländischen Familie, die sich über ein Diesterweg-Stipendium besprechen möchte, ebenso wie den Mitarbeitern, den Gremien und allen Gästen.

Das zur Zeit der Übernahme überwiegend leerstehende Haus bot der Stiftung als Selbstnutzer die Gelegenheit zu einem umfassenden und werthaltigen Ausbau, der nach einem Wettbewerb um die besten Ideen gemeinsam mit dem Architekturbüro Rosen aus Frankfurt am Main ins Werk gesetzt wurde. Die neu gestaltete Außenanlage und die in elegantem Ton gestrichene Fassade fallen schon von Weitem auf. Innen wurde der ursprüngliche Charakter weitestgehend wieder hergestellt, das historische Parkett im Erdgeschoss und 99 Treppenstufen behutsam aufgearbeitet.

Von 2017 bis 2018 fanden weitere Umbaumaßnahmen im ersten Stock sowie im Untergeschoss des Polytechniker-Hauses statt – in der Beletage sowie einer Lounge bieten seitdem moderne und lichtdurchflutete Räume ideale Bedingungen für Workshops, Wissensaustausch, Weiterbildungen und vieles mehr. Die Stiftung, die Polytechnische Gesellschaft und das Kuratorium Kulturelles Frankfurt verfügen im Polytechniker-Haus über rund 1.200 qm moderne Bürofläche; alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben Tageslicht und Aussicht auf den Main oder die Innenstadt.

Das ist vielleicht das wichtigste Ergebnis des Umzuges an die Untermainanlage: die Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist unübersehbar in der Mitte der Stadt beheimatet. So wie die Untermainlage in einer entscheidenden Phase der Stadtgeschichte als Teil einer neuen, größeren Innenstadt entstand, so sollen nun von dort, vom Polytechniker-Haus, andauernde Impulse für die gesamte Stadt Frankfurt am Main ausgehen.

Die polytechnische Familie

Die Polytechnische Gesellschaft

Mit dem Ziel der Förderung der Stadtgesellschaft wurde die Polytechnische Gesellschaft am 24. November 1816 von engagierten Frankfurter Bürgern gegründet – als "Polytechnischer Verein". Zu den Gründungsmitgliedern zählten der Bankier Simon Moritz von Bethmann, der Mathematiker, Physiker und Maschinenbauer Johann Heinrich Moritz von Poppe sowie der Pädagoge Adolph Diesterweg, nach dem heute das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern benannt ist. Im Kreis der Ehrenmitglieder finden sich Johann Wolfgang von Goethe, Justus von Liebig sowie August Anton und Friedrich Wöhler.

Bürgerschaftliches Engagement zugunsten von Frankfurt am Main

Auf die Polytechnische Gesellschaft gehen Initiativen zurück wie die Gründung der Frankfurter Sparkasse von 1822, die erste Sonntagsschule für Handwerksgesellen, eine Gewerbeschule, Schulspeisungen für Arbeiterkinder und Fortbildungsangebote für Frauen.

Für die Errichtung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main stellte die traditionsreiche Vereinigung mit 397 Millionen Euro den größten Teil der Erlöse zur Verfügung, die ihr anno 2005 aus dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) zuflossen.

Durch ihre Zustimmung zu diesem Verkauf sind die Mitglieder der Gesellschaft, die "Polytechniker", selbst zu Stiftern geworden – ein Engagement, das im Jahr 2016 mit dem Deutschen Stifterpreis des Bundesverbands Deutscher Stiftungen gewürdigt wurde.

In den vergangenen 200 Jahren hat die Polytechnische Gesellschaft 50 Tochterinstitute gegründet. Die Anlässe waren immer aktuell. Verantwortungsvoll und mit dem Wunsch zu gestalten und zu verbessern, nahmen sich die Polytechniker verschiedener Themen an. Einige Tochterinstitute gingen in städtische Trägerschaft über, andere wurden verkauft oder lösten sich wieder auf, um Platz für neue Initiativen zu schaffen. Heute gehören sieben Tochterinstitute zur polytechnischen Familie, die sich - von der Mutter finanziell gefördert - für Kultur, Kunst, Wissenschaft, Bildung und Soziales einsetzen.

Die Tochterinstitute

Neben der Stiftung Polytechnische Gesellschaft engagieren sich die Wöhler-Stiftung, das Kuratorium Kulturelles Frankfurt e. V., der Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker e. V.  und der Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main für Bildung, Kunst und Kultur und bereichern mit vielen eigenen Veranstaltungen die Frankfurter Kulturszene. Am Institut für Bienenkunde in Oberursel arbeiten Wissenschaftler und Imker gemeinsam daran, das Überleben der Bienen zu sichern. Und das älteste, heute noch aktive Tochterinstitut ist die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, das sich dafür einsetzt, dass Blinde und sehbehinderte Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.