Anlässlich des 100. Geburtstages von Rosl Arnsberg am 2. Juni 2008 stiftete die Stiftung Polytechnische Gesellschaft den Rosl und Paul Arnsberg-Preis. Er wird alle drei Jahre ausgeschrieben, seit 2016 wird zudem der Arno Lustiger Förderpreis im Rahmen des Rosl und Paul Arnsberg-Preises verliehen.

Die jüdischen Bürger Frankfurts haben traditionell eine herausragende Rolle bei der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in der Stadt gespielt. Sie haben in hohem Maße die mäzenatische Tradition Frankfurts geprägt und aus der Mitte der Bürgerschaft heraus zahlreiche wegweisende Einrichtungen auf den Weg gebracht, die der Stadt Frankfurt in ihrer Gesamtheit von hohem Nutzen waren und den Fortschritt der Stadtgesellschaft gefördert haben.

Unermüdliche Historiker

Rosl und Paul Arnsberg stehen als jüdische Bürger Frankfurts für ein Lebenswerk im Dienste der Aufarbeitung und Bewusstmachung des historischen Erbes der jüdischen Bürger Frankfurts. Unermüdlich hat Paul Arnsberg (1899 – 1978) in der Nachkriegszeit historische Forschungen über die Rolle der Juden in Frankfurt und Hessen angestellt und dazu Standardwerke von hohem wissenschaftlichem Rang verfasst. Seine Frau Rosl Arnsberg (1908 – 2010) hat ihn dabei nachhaltig unterstützt.

Der Historiker und Publizist Prof. Dr. Arno Lustiger hat ebenfalls maßgeblich zur Erforschung jüdischen Lebens, insbesondere des jüdischen Widerstandes, beigetragen. Seiner Initiative war die Stiftung desRosl und Paul Arnsberg-Preises mit zu verdanken, er übernahm auch den Ehrenvorsitz der ersten Preisvergaben. Sein besonderes Augenmerk galt dabei den Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlern. Im Andenken an Prof. Dr. Arno Lustiger (1924 – 2012) ergänzt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft daher seit 2016 den Rosl und Paul Arnsberg-Preis um den Arno Lustiger-Förderpreis. Dieser wird im Unterschied zum Rosl und Paul Arnsberg-Preis für eine Dissertation bzw. ein Dissertationsvorhaben vergeben.

Der Förderpreis 

Im Andenken an Prof. Dr. Arno Lustiger (1924 – 2012) ergänzt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft daher seit 2016 denRosl und Paul Arnsberg-Preis um den Arno Lustiger-Förderpreis im Rahmen des Rosl und Paul Arnsberg-Preises. Dieser wird im Unterschied zumRosl und Paul Arnsberg-Preis für eine Dissertation bzw. ein Dissertationsvorhaben vergeben. 

Die Preise werden vergeben für herausragende Arbeiten zur Geschichte der jüdischen Bürger Frankfurts. Ausgezeichnet werden können sowohl bereits vorliegende Publikationen als auch Vorhaben in diesem Bereich. Die eingereichten Arbeiten oder Vorhaben müssen von besonderer wissenschaftlicher Exzellenz sein.

Die Arbeiten sollen neue Erkenntnisse über die Geschichte der Frankfurter Juden enthalten oder die Gewinnung entsprechender neuer Erkenntnisse erwarten lassen. Kandidaten können sich mit bereits verfassten Arbeiten oder mit einem geeigneten Vorhaben selbst um den Preis bewerben.

Dreijähriger Turnus

Beide Preise werden alle drei Jahre in einem gemeinsamen Verfahren ausgeschrieben. Für die Bewerbung gelten dieselben Fristen, die Beschlussfassung über die Preisträger findet in einer gemeinsamen Jurysitzung statt, und auch die Preisvergabe erfolgt in einer gemeinsamen Veranstaltung.

Der Rosl und Paul Arnsberg-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Arno Lustiger Förderpreis im Rahmen des Rosl und Paul Arnsberg-Preises mit 3.000 Euro. Beide werden in einem öffentlichen Festakt vergeben.

Die Auswahl unter den Bewerbern trifft eine Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Mirjam Wenzel (Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Vorsitz). Weitere Jury-Angehörige sind Dr. Gad Arnsberg (Historiker), Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft), Franziska Kiermeier (Leitung der Abteilungs Zeitgeschichte und Gedenken im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main) in Vertretung für Dr. Evelyn Brockhoff (Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main) sowie Dr. Birgit Sander (stellv. Präsidentin der Polytechnischen Gesellschaft e. V.).

Die bisherigen Preisträger

2016

Rosl und Paul Arnsberg-Preis:

  • Dr. Alexandra Klei: "Jüdisches Bauen in Nachkriegsdeutschland: Der Architekt Hermann Zvi Guttmann“

Arno Lustiger-Förderpreis:

  • Dr. David Schnur: "Geschichte der Juden in Frankfurt am Main und der Wetterau von den Anfängen bis um 1400"

2014

Zwei Hauptpreise:

  • Prof. Dr. Edward Fram (Ben Gurion Universität des Negev, Beer-Sheva): "A Window on their World: The Court Diaries of Rabbi Hayyim Gundersheim Frankfurt am Main, 1773-1794"
  • Dr. habil. Stefan Litt (Israelische Nationalbibliothek Jerusalem): "Jüdische Gemeindestatuten aus dem aschkenasischen Kulturraum 1650-1850"

2012

  • Dr. Verena Kasper-Marienberg (Karl-Franzens-Universität Graz): "‘vor Euer Kayserlichen Mayestät Justiz-Thron’: Die Frankfurter jüdische Gemeinde am Reichshofrat in josephinischer Zeit (1765-1790)"

2010

Hauptpreis

  • Prof. Dr. Andreas Gotzmann (Universität Erfurt): "Jüdische Autonomie in der Frühen Neuzeit: Recht und Gemeinschaft im deutschen Judentum"

Förderpreis 

  • Benno Nietzel (Universität zu Köln): "Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main 1924-1964: Ausgrenzung, Selbstbehauptung, Vernichtung, Bewältigung"

2008 (Verleihung 2009)

Hauptpreis

  • Helga Krohn: "Juden in Frankfurt am Main 1945 bis in die Gegenwart"

Förderpreis

  • Andre Griemert: "‘Bürgerliche Verbesserung der Juden‘ durch Schule und Bildung? Das Frankfurter Philantropin in der Kontroverse um die jüdische Emanzipation bis 1816"