Frankreich und Europa in der Diskussion

Die Franzosen haben gewählt, Marine Le Pen und Emmanuel Macron gehen in die Stichwahl. Was das für die deutsch-französischen Beziehungen bedeutet, war eines der Themen beim europapolitischen Abend der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sein Titel: "Ein Blick nach Westen – Frankreich vor dem entscheidenden Wahlgang, Perspektiven für Deutschland und Europa".

Prof. Dr. Pierre Monnet, Historiker und Leiter des Instituts français d'histoire en Allemagne in Frankfurt, und  Prof. Dr. Sandra Eckert, Juniorprofessorin für Politik im Europäischen Mehrebenensystem an der Goethe-Universität, diskutierten am Abend des 6. April 2017 mit rund 30 Gästen über die Wahl, die einmal mehr entscheidende Bedeutung für die Zukunft der Europäischen Union hat. Moderiert wurde der Abend vom Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt.

Die Ausgangslage ist bekannt: Marine Le Pen will im Falle des Wahlsiegs Europa den Rücken kehren, der parteilose Sozialliberale Emmanuel Macron hingegen mit Frankreich im Staatenverbund verbleiben.

Grundsätzlich sei es ein Novum, dass sich überhaupt zwei Außenseiter und nicht Vertreter der großen Volksparteien auf der Zielgeraden  befänden, betonte Monnet, der die Wahl aus der Perspektive des Historikers betrachtete. Dies habe es in der Geschichte bisher so nicht gegeben.

Hollandes Rückzug ist einzigartig

Auch der Rückzug des amtierenden Präsidenten François Hollande sei ein einzigartiges Geschehen in der demokratischen Historie des Landes, bisher habe jeder Präsident mindestens eine zweite Amtsperiode angestrebt.  Unabhängig davon, wer die Stichwahl gewinnt: Die aktuelle Situation birgt nach Ansicht der Experten viele Unwägbarkeiten für die Zukunft Frankreichs, noch nie war die Situation so unvorhersehbar für das Land.

In der gemeinsamen Analyse der Situation wurde noch einmal betont: Die Programme auffallend vieler Präsidentschaftskandidaten hatten Pläne für Systemveränderungen enthalten, was ein Spiegelbild für den Wunsch der Franzosen nach Neuerungen sei. Beide Experten waren sich einig, dass die Stichwahl für Macron – der bereits als Sieger gesehen wird - eng ausgehen könnte.

Prof. Dr. Sandra Eckert ging auf die kulturellen Ursachen für die aktuelle Situation in Frankreich ein: Die französische Gesellschaft sei im Vergleich zur deutschen weniger konsensorientiert. Intermediäre Institutionen, die in der Lage sind, zwischen den Lagern zu vermitteln und Kompromisse auszuhandeln, seien jenseits des Rheins schwächer.

Frankreich unter Druck

Doch nicht nur die Wahl, auch Europa und die Rollen von Deutschland und Frankreich waren ein zentrales Thema des Abends. Deutschland werde von vielen Franzosen als Musterschüler Europas  gesehen. Doch die immer stärker werdende Stellung Deutschlands in Europa löse in Frankreich auch Ängste vor einer zunehmenden Bedeutungslosigkeit des eigenen Landes aus, und dies unter dem Druck einer als großartig empfundenen eigenen Geschichte.

Dementsprechend hätten auch viele Franzosen ein eher negatives Bild von ihrem Land, wie auch eine aktuelle, in der FAZ veröffentlichte Umfrage, belegt: Während die Deutschen positiv und optimistisch in die Zukunft sähen, gehe in Frankreich der Pessimismus bezüglich der wirtschaftlichen Zukunft des Landes mit einem zunehmenden Vertrauensverlust in die politischen Institutionen einher.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Foto: Daphne Lipp)

Prof. Dr. Pierre Monnet, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt und Prof. Dr. Sandra Eckert beim Europaabend in der Stiftung (v.l.n.r.). Foto: Daphne Lipp.


Repair Café: Wegwerfen schwer gemacht

Kaputte Sachen wegwerfen? Nicht im Repair Café in Frankfurt-Sachsenhausen! Seit eineinhalb Jahren reparieren Dominik Peper, ehemaliger StadtteilBotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, und sein Team  Gegenstände aller Art und wirken so dem Wegwerf-Kult entgegen.

Auf den Tischen stehen Werkzeugkästen und Messgeräte, ein Fahrrad ist auf einem Montageständer angebracht und in einer Ecke brummt die Nähmaschine. Ein Motorengeräusch erklingt, es klappert und leise Gespräche sind zu vernehmen. Blaue, runde Boxen mit der Aufschrift "Wir freuen uns über Ihre Spende" sind im ganzen Raum verteilt.

Dominik Peper steht im Untergeschoss des Gemeindehauses der Gemeinde Sankt Wendel in Sachsenhausen und befestigt, an einem Handkarren mit Kabelbindern ein Gitter, das sich gelöst hatte. Dazu verbindet er mehrere Kabelbinder miteinander, sodass eine Kette entsteht, die lang genug ist, um den Abstand zwischen Gitter und Wagenstangen zu überbrücken. Dann knippst er die überstehenden Enden ab und prüft, ob das Gitter nun auch wirklich hält.

Den kaputten Wagen hatte Lennart Elsäßer mitgebracht – wissend, dass an jedem ersten Dienstag im Monat das Untergeschoss des Gemeindehauses zum Repair Café wird. Dominik hat es vor zwei Jahren als StadtteilBotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft aufgebaut.

Inzwischen ist er zwar nicht mehr Stipendiat der Stiftung, das Repair Café will er deshalb aber nicht aufgeben, und hat von der Stiftung noch einmal 3.000 Euro für die Weiterführung eingeworben. Außerdem hat Dominik die BUNDjugend  als Förderer und rechtlichen Träger des Cafés gewinnen können – und obendrein unterstützen ihn mit der ehemaligen BürgerAkademikerin Danielle Wendel-Baumert und StadtteilHistoriker Dr. Peter Oehler zwei weitere Mitglieder der "polytechnischen Familie".

Experten, Helfer und Gäste zusammenbringen

In das Repair Café kann jeder kommen, der etwas zu reparieren hat. "Die Gäste müssen Ersatzteile selbst besorgen, aber wir stellen hier Werkzeug und Experten mit dem technischen Know-How entgeltfrei zur Verfügung", erklärt Dominik das Prinzip. Der mitgebrachte Gegenstand und sein Defekt müssen beim Ankommen auf einem Formular – natürlich aus Recycling-Material – benannt und klassifiziert werden: Elektro, Computer, Textil, Fahrrad oder Sonstiges.

Lennarts Handkarren war als Sonstiges eingetragen. Dieses Dokument wird dann an eine Wand gehängt und mit einer Zahl versehen, so dass die Reihenfolge klar ist, nach der die Reparaturen abgearbeitet werden. Wer nicht sofort dran kommt, kann sich im Nebenraum etwas zu Essen und  Kaffee holen. Auch hier gibt es keine festen Preise, jeder bezahlt so viel  wie er will, und Spenden sind erwünscht.

Um Geld zu sparen und dem Wegwerfen auch hier vorzubeugen, besorgen Dominik und sein Team auch immer wieder Lebensmittel beim sogenannten Food-Sharing, das heißt, andere Menschen, die ihr Essen sonst wegwerfen würden, stellen es Interessierten kostenfrei zur Verfügung.

Dass Dominik im Repair Café selbst Hand anlegt, kommt eher selten vor. Zwar hat er Maschinenbau studiert, sagt aber von sich selbst, dass er eher in Theorie als in der Praxis begabt sei. "Das Handwerkliche überlasse ich lieber den Profis. Ich bin eher dafür zuständig, zu organisieren und Leute zusammenzubringen, die es wirklich können", so Dominik. Er kümmert sich um die Pressearbeit und darum, dass Menschen mit dem entsprechenden Wissen als Reparateure ehrenamtlich im Café arbeiten. Zudem ist er die Schnittstelle zwischen Gästen, Café und Helfern.

Im Repair Café selbst arbeitet er dort, wo jemand gebraucht wird. Mal ist er am Empfang, mal schmiert er Brote, mal überprüft er, ob alle Dokumente richtig ausgefüllt wurden, mal repariert er. Für die Gäste aber steht er immer als Ansprechpartner zur Verfügung.

Freude an der Arbeit

Dominik führt das Repair Café weiter, weil es ihm Freude bereitet. Auch seine ehrenamtlichen Helfer arbeiten gerne dort. "Es macht viel Spaß und man lernt ganz schön viel allein vom Zuschauen", sagt Carolin Lotter, die sich in der BUNDjugend engagiert. "Man lernt hier viele unterschiedliche und spannende Menschen kennen, die man sonst wahrscheinlich nie getroffen hätte", ergänzt Corinna Mailänder, die oft am Empfang arbeitet.

Als der Wagen, den Lennart mitgebracht hatte, fertig repariert ist, muss Dominik das Reparaturprotokoll ausfüllen. Er kreuzt das Feld hinter "Gelungen" an. Reparaturen klappen aber nicht immer, daher stehen auf dem Protokoll auch die Möglichkeiten "Fehler gefunden", "Vertagt" und "Nicht möglich" zur Verfügung. Manchmal kommt es auch vor, dass eine Reparatur abgebrochen wird und ein Sicherheitsrisiko zurückbleibt. "In einem solchen Fall muss der Gast auf dem Protokoll unterschreiben, dass er das Gerät nicht mehr verwendet", sagt Dominik, dem die Sicherheit im Repair Café sehr wichtig ist.

Wie viele Reparaturen erfolgreich waren, wird dokumentiert. In den ersten acht Monaten konnten 39 Prozent aller kaputten Gegenstände wieder in Stand gesetzt werden. Mehr als zwei Drittel der gebrachten Geräte gehörten in die Kategorie Elektro.

Inzwischen ist Dominik Peper nicht mehr so stark in die Leitung des Cafés involviert wie zu Beginn, da ihn andere Aktivitäten zeitlich einschränken. Dennoch ist er jedes Mal dabei, wenn es seine Türen öffnet. "Ich werde im Repair Café mithelfen, solange ich in Frankfurt bin", sagt er.

Weitere Eindrücke aus dem Repair Café finden Sie in der Galerie

(Text: Astrid Heindel, Foto: Dominik Buschardt)

Im Repair Café wird eifrig repariert (Foto: Dominik Buschardt).


Stipendiaten gesucht

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft sucht erneut herausragende Studierende und Doktoranden zur Förderung in ihrem MainCampus-Stipendiatenwerk. Es locken eine finanzielle Unterstützung, ein umfangreiches Seminarangebot und die spätere Aufnahme in das Alumni-Netzwerk der Stiftung.

Gesucht werden junge Menschen, die am Hochschulstandort Frankfurt am Main tätig sind, eine außergewöhnliche wissenschaftliche oder künstlerische Begabung besitzen und sich durch hohe Leistungsbereitschaft, Kreativität, Weltoffenheit und Gemeinsinn auszeichnen.

Ausgeschrieben sind Plätze in drei Programmen:

MainCampus-doctus wendet sich an Doktoranden der Natur-, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften, der Geschichte und Psychologie, der Musikwissenschaft und -pädagogik. Das Stipendium beträgt monatlich 1.400 Euro, zusätzlich können karrierefördernde Maßnahmen wie Praktika oder Tagungsreisen unterstützt werden. Das Promotionsthema muss bei der Bewerbung feststehen, die Förderung beträgt maximal drei Jahre. Die Stipendien werden an der Goethe-Universität und der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) vergeben. Bewerbungen sind vom 15. April bis 1. Juli 2017 möglich.

MainCampus-educator fördert promovierte Naturwissenschaftler und Mediziner in Erziehungsverantwortung, die sich aktuell habilitieren oder auf einem vergleichbaren Qualifikationsweg befinden. Als Stipendiaten erhalten sie zwei Jahre lang monatlich 400 Euro für eine zusätzliche Kinderbetreuung oder eine Unterstützung im Haushalt. Ferner wird ihnen ein anspruchsvolles Trainings- und Qualifizierungsprogramm geboten, das sie auf eine Führungsposition in der Wissenschaft vorbereitet. Die Stipendien werden an der Goethe-Universität vergeben, Bewerbungen sind auch hier vom 15. April bis 1. Juli 2017 möglich.

Ebenfalls ausgeschrieben sind Plätze im Programm MainCampus-academicus. Es richtet sich an Studierende im Master- oder Hauptstudium, die MINT-Fächer, Musik oder Musikpädagogik, Freie Bildende und Darstellende Kunst, Geschichte, Erziehungswissenschaften oder Architektur studieren. Maximal zwei Jahre lang werden sie mit 720 Euro monatlich gefördert. Die Stipendien werden an der Goethe-Universität, der Frankfurt University of Applied Sciences, der HfMDK, der Provadis Hochschule und der Städelschule vergeben. Kandidaten können nur von ihren Fachbereichen vorgeschlagen werden.

Alle Details zum Programm erfahren Sie auf der MainCampus-Projektseite.

(Text: Stephan M. Hübner, Foto: Vier für Texas/Fabian Schwan-Brandt)


Frankfurt hilft! geht in die Verlängerung

Die Initiatoren von Frankfurt hilft! – Engagement für Flüchtlinge, Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, blicken auf die ersten zwei erfolgreichen Projektjahre zurück und geben die Entscheidung der Förderer bekannt, die Anlauf- und Koordinierungsstelle ein weiteres Jahr zu finanzieren.

"Die Begegnung mit ehrenamtlich Engagierten ist für die Flüchtlinge eine Bereicherung", sagt Birkenfeld. Viele würden ohne diesen organisierten Kontakt gar nicht mit der einheimischen Bevölkerung ins Gespräch kommen. Frankfurts Sozialdezernentin hält es deshalb für erforderlich, die ehrenamtlichen Strukturen weiter zu unterstützen und gezielt weitere Interessierte für das Engagement in der Flüchtlingshilfe zu gewinnen.

"Der Schlüssel zum Erfolg von Frankfurt hilft! ist die enge Kooperation von Stadt und Zivilgesellschaft", betont Kaehlbrandt. Gerade weil es sich um ein gemeinsames Projekt des Sozialdezernats und zehn Frankfurter Stiftungen handele, hätten sich Dilek Akkaya und Anita Heise seit dem Start im Juni 2015 viele Türen geöffnet. "Die beiden Projektleiterinnen genießen bei Ehrenamtsinitiativen, den Betreibern von Flüchtlingsunterkünften und Behörden gleichermaßen Glaubwürdigkeit und Vertrauen", so Kaehlbrandt.

Engagement ermöglichen und stärken

"Die Situation in der Flüchtlingshilfe ist heute eine ganz andere als noch 2015. Aber es gibt weiterhin viel zu tun", sagt Heise und freut sich mit ihrer Kollegin Akkaya, über die einjährige Verlängerung des Projekts. Frankfurt hilft! hat sich als Anlauf- und Koordinierungsstelle für ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingshilfe etabliert. Akkaya und Heise pflegen einen engen träger- und konfessionsübergreifenden Austausch mit haupt- und ehrenamtlichen Akteuren und machen vielfältige Angebote, die das Engagement fördern und stärken.

Die sehr gut angenommene Internet-Plattform wurde bis heute von 145.000 Interessierten besucht, inzwischen haben 50 Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen stattgefunden, in deren Rahmen rund 1400 Engagierte und Interessierte informiert und qualifiziert wurden. "Die Themen im Engagement verändern sich und wir reagieren darauf flexibel, indem wir tätigkeitsbegleitende Fortbildungsformate anbieten, die aktuell gefragt sind. Das ist auch eine Besonderheit von Frankfurt hilft!", sagt Akkaya.

Engagement ist weiterhin gefragt

Die Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitern bei Projekten und Organisationen unterstützt Frankfurt hilft! nach wie vor. Akkaya und Heise sind sich einig, dass die Engagement-Möglichkeiten heute vielfältiger sind als noch vor ein oder zwei Jahren. "Es war niemals einfacher sich in der Flüchtlingsarbeit einzubringen, vielerorts gibt es heute Strukturen die Engagement ermöglichen, auch für Personen mit wenig Zeitkapazitäten", unterstreicht Heise.  

Austausch und Wirksamkeit erhöhen

Im dritten Projektjahr spielt die Vernetzung der Engagierten eine besondere Rolle. Bereits im September 2016 wurde in Kooperation mit der städtischen Stabsstelle Flüchtlingsmanagement das Format Forum Flüchtlingshilfe Frankfurt ins Leben gerufen, um haupt- und ehrenamtlich Engagierten in der Flüchtlingsarbeit eine Plattform für Austausch und Begegnung zu ermöglichen. "In unseren Beratungsgesprächen und Arbeitskreisen haben wir immer wieder davon erfahren, wie sehr sich Ehrenamtliche den Austausch untereinander und mit Hauptamtlichen wünschen. Mit dem Forum haben wir ein sehr erfolgreiches Format dafür geschaffen", erläutert Akkaya.

Die zehn Frankfurter Stiftungen, die Frankfurt hilft! gemeinsam mit der Stadt unterstützen, sind: Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, Grunelius-Stiftung, Deutsche Bank Stiftung, BHF-Bank Stiftung, Albert und Barbara von Metzler-Stiftung, Linsenhoff-Stiftung, EKHN Stiftung, Union Investment Stiftung und Gemeinnützige Hertie-Stiftung.

Umgesetzt wird Frankfurt hilft! von der FRAP Agentur gGmbH. Zu erreichen ist die Anlauf- und Koordinierungsstelle werktags täglich von 9 bis 17 Uhr unter der Rufnummer 069-68097-350 und der E-Mail-Adresse: info@frankfurt-hilft.de.

(Foto: Stadt Frankfurt / Heike Lyding)


Kollegiaten im Zukunftsland

Der erste Jahrgang des Kollegs für junge Talente neigt sich dem Ende zu. Während ihrer Osterakademie auf Burg Fürsteneck überlegten sich die Kollegiatinnen und Kollegiaten unter dem Motto "Zukunftsland", wie sie sich die Gesellschaft der Zukunft vorstellen und diese mitgestalten können.

Leonie sitzt in der Werkstatt von Burg Fürsteneck und arbeitet an einer Zeichnung, die die Schule der Zukunft zeigt. Im Hintergrund läuft Musik. Auf dem Boden bastelt Isabelle mit buntem Tonpapier an einem Modell des Gebäudes, und Paul bereitet am Laptop eine Präsentation vor, mit der diese Schule später vorgestellt werden soll. In einem anderen Raum beschäftigen sich Kuno und Alessandro damit, wie das Wirtschaftssystem der Zukunft aussehen soll, und gegenüber recherchieren Jannis und Ishad umweltfreundliche und innovative Fortbewegungsmittel.

Leonie, Isabelle, Paul und die anderen sind Frankfurter Schülerinnen und Schüler, und seit Herbst 2016 gehören sie zum ersten Jahrgang des Kollegs für junge Talente. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft fördert mit diesem Projekt 20 besonders vielseitig interessierte und begabte 15- bis 17-jährige mit einem "Studium generale". Im vergangenen Jahr lernten sich die zehn Mädchen und zehn Jungenwährend einer Akademiewoche im Herbst kennen. Danach kamen sie zu fünf Seminar-Samstagen zusammen, bei denen sie sich mit Themen wie Philosophie, Mathematik und Kreativität auseinandersetzten. Vom 2. bis  6. April 2017 fuhren sie  in Begleitung von Projektleiter Konrad Dorenkamp, Projektkoordinatorin Johanna Roos und Trainerin Kerstin Zahrt zur Osterakademie auf  Burg Fürsteneck in Eiterfeld in der Nähe von Fulda, um sich vier Tage lang mit dem Thema "Zukunftsland" auseinanderzusetzen.

Impulse und Diskussionen

Täglich erhalten die Kollegiaten vormittags und nachmittags je einen etwa fünfzehnminütigen Impulsvortrag, aufgrund dessen sie sich Themen überlegen können, über die sie sprechen möchten. In Kleingruppen diskutieren sie, fertigen Skizzen an oder bauen Modelle. So ist auch die Gruppe zustandegekommen, die sich mit der Zukunftsschule beschäftigt. Nach zweieinhalb Tagen Arbeit wissen Leonie und ihre Mitkollegiaten schon ziemlich genau, wie ihre ideale Schule aussehen soll. „Es soll Trampoline und Bällebäder zur Entspannung  geben, jeder Schüler erhält seinen eigenen Schreibtisch mit Schließfach und das Lernen funktioniert mit einem Levelsystem, sodass jeder Schüler sich selbst aussuchen kann, in welcher Zeit er seinen Abschluss erreichen möchte“, meint Leonie.  Für sie sind diese Überlegungen nicht nur theoretisch: "Ich möchte später einmal eine Schule gründen oder in der Bildungspolitik tätig sein", sagt sie.

Eine andere Gruppe wägt währenddessen die Vor- und Nachteile von Sozialismus und Kapitalismus ab. Kuno und Alessandro werden dabei von Kai Hüwelmeyer unterstützt. Er ist ehemaliger MainCampus-academicus-Stipendiat und strebt nun eine Doktorarbeit in Philosophie an. Am Vortag hat er einen Impulsvortrag zum Thema "Staat und Philosophie" gehalten und unterstützt die Gruppen bei ihrer Arbeit. "Es macht richtig Spaß zu sehen, auf welche Ideen die Kollegiaten kommen", sagt er. Die Idee von Kuno und Alessandro ist es, die Wirtschaft der Zukunft nicht auf ein bestehendes System aufzubauen, sondern sich zuerst  zu überlegen, wie das ideale Wirtschaftssystem sein soll, um dann aus allen bestehenden Systemen die passenden Vorteile zusammenzubringen. Ein ganzes neues Wirtschaftssystem werden sie während der Osterakademie zwar nicht erarbeiten können - aber das ist auch gar nicht das Ziel.

"Es geht darum, Impulse zu erhalten, mit guten Fragen aus der Akademie zu gehen und im Anschluss weiter zu forschen und die Ideen weiter zu verfolgen", sagt Kerstin Zahrt. Sie ist Coach und Trainerin und begleitet die Jugendlichen während ihrer Stipendiatenzeit. Während der Osterakademie steht sie jedem Kollegiaten für zwei Einzelcoachings zur Verfügung, bei denen sie gemeinsam über persönliche Anliegen, Langeweile in der Schule oder Lerntechniken sprechen.

Besuch aus Frankfurt

Am vorletzten Tag der Akademie bekommen die Kollegiaten Besuch aus Frankfurt. Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, erzählt von der Stiftung und stellt einzelne Projekte vor. Außerdem bringt er den Schülern die über 200-jährige Geschichte der Polytechnischen Gesellschaft näher und erläutert den Begriff "polytechnisch, der  aus der Zeit der Französischen Revolution stammt und Vielseitigkeit, Nützlichkeit, Bildung, Verantwortung und die "Verbindung zwischen Hand und Kopf" in einem Terminus vereint. Zum  Akademiethema "Zukunftsland" fasst Professor Kaehlbrandt ein zentrales Anliegen des Philosophen Immanuel Kant zusammen: "Vernunft, Verstand und Wissen müssen die Grundlage für das Zusammenleben sein, nicht Gefühle und subjektive Wahrnehmungen."

Im Anschluss stellen die Kollegiaten Fragen und haben die Gelegenheit, von ihren bisherigen Erfahrungen als Kollegiaten zu berichten. "Es ist toll, mit Gleichaltrigen zusammen zu sein, die ähnlich denken wie man selbst", sagt Larissa. "Das Stärkentraining und die Teambuilding-Einheit bei der Herbstakademie waren toll und sollten für weitere Jahrgänge beibehalten werden", befindet Isabelle, die sich auch gut noch ausgedehntere Praxisteile und knackigere Vorträge vorstellen könnte. Solche Rückmeldungen fließen in die Planung für den kommenden Jahrgang des Kollegs für junge Talente ein. Die jetzigen Stipendiaten haben derweil noch zwei Akademie-Samstage vor sich, und werden dann im Juni feierlich verabschiedet.

 (Text: Astrid Heindel)

 

 

 


Samstagsschule: Die neunte Generation legt los

Eine neue Generation Samstagsschüler wurde am 29. März feierlich in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main aufgenommen. Es ist bereits der neunte Jahrgang des Kooperationsprojekts der Handwerkskammer und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Die sieben jungen Frauen und acht Männer - drei Maßschneiderinnen, zwei Raumausstatterinnen, zwei Anlagenmechaniker, ein Maler, eine Zahntechnikerin, eine Imkerin, ein Straßenbauer, ein Tischler, ein Kfz-Mechatroniker und ein Karosserie- und Fahrzeugmechaniker - werden in den kommenden Monaten in sechs ein- bis zweitägigen Seminaren erfahren, was es heißt, in einer Führungsposition zu arbeiten.

Ihnen werden kommunikative und rhetorische Fähigkeiten für den Umgang mit Kunden und Mitarbeitern sowie Kenntnisse der Betriebswirtschaftslehre vermittelt. Außerdem steht ein Praxisbesuch an, bei dem die Samstagsschüler einen Einblick in erfolgreiche Unternehmen in Frankfurt und der Region erhalten. Die Seminare sollen die jungen Handwerker motivieren, eine Führungsposition anzustreben, einen Meisterbrief zu erlangen oder selbst einen Betrieb zu gründen.

Vorbereitung auf die Selbstständigkeit

Das Ziel des eigenen Unternehmens verfolgt Stefanie Ludewig. Sie ist 23 Jahre alt und arbeitet als Tierwirtin mit Fachrichtung Bienenhaltung, kurz: Imkerin, am Institut für Bienenkunde in Oberursel, das, wie die Stiftung, eine Tochter der Polytechnischen Gesellschaft ist. Im kommenden Jahr möchte sie die Meisterausbildung beginnen und nach dem erfolgreichen Abschluss am Institut tätig sein. Langfristig plant sie, sich selbstständig zu machen. Von der Samstagsschule erhofft sie sich, betriebswirtschaftliche Grundlagen zu erwerben und ihre kommunikativen Fähigkeiten zu erweitern. "Im Institut habe ich kaum Kontakt zu den Kunden, aber wenn ich einen eigenen Betrieb gründe, muss ich mit den Kunden kommunizieren können und wissen, wie man für sich selbst Werbung macht", sagte sie.

Vermitteln von Führungsqualitäten

Der Anlagenmechaniker Christopher Brandt hat die Meisterprüfung bereits abgelegt. Dennoch freut er sich über die Möglichkeit, an der Samstagsschule teilzunehmen: "In der Berufsausbildung habe ich kaum etwas über Führungsqualitäten gelernt." Diese Wissenslücken möchte er nun in der Samstagsschule schließen. "Ich möchte mit meinen Kollegen und den Kunden richtig umgehen können."

"Die Qualität des deutschen Handwerks ist sehr hoch, dank der dualen Ausbildung. Das ist ein großes Plus für Deutschland", sagte Dr. Christof Riess, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. "In den vergangenen Jahrgängen konnten wir beobachten, dass aus schüchternen Menschen selbstbewusste und engagierte Handwerker geworden sind."

Zu den Ehemaligen gehört der Informationselektroniker Jan Arnold. "Das Umfeld von jungen und motivierten Leuten stärkt auch die eigene Entscheidung, den Schritt zum Meister zu machen", berichtete er. Bis zum Ende des Jahres werden die Samstagsschüler die Seminare besuchen. Ihre Fähigkeiten wenden sie in einem Abschlussprojekt dann praktisch an, bevor sie im Dezember feierlich aus der Förderung entlassen werden und ihre Zertifikate erhalten.

Mit der symbolischen Übergabe des Staffelstabs wurde die neunte Generation auf ihren Weg geschickt, an dessen Ende hoffentlich viel Wissen und Selbstsicherheit auf die 15 jungen Handwerkerinnen und Handwerker wartet.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Stefan Krutsch)

Foto: Stefan Krutsch


Musikwerkstatt: Ein Wochenende voller Musik

Bandarbeit, Tanz und Gesang – bei der Musikwerkstatt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft haben Alumni und aktuelle Stipendiaten ein Wochenende lang gemeinsam musiziert, Beats produziert, Texte geschrieben, gesungen und getanzt. Das Ergebnis hat die Teilnehmer begeistert.

Beat schallt durch den kleinen Raum der Frankfurter Musikschule in der Schirn, und erfüllt die vier Wände wie ein Herzschlag mit Leben. Florian Dostal sitzt vor einem Bildschirm und einem an ein Mischpult erinnerndes Gerät mit vielen unterschiedlich großen Knöpfen, Schaltern und Reglern. Daneben stehen eine Tastatur und zwei Lautsprecher. Aus der Mediathek des Computers sucht Florian Geräusche heraus und fügt sie in die Tonspuren ein, macht manches lauter, anderes leiser. Nach einem kurzen Probehören schüttelt er den Kopf. Er ist noch nicht zufrieden.

Der 28-jährige Florian ist ehemaliger Samstagsschüler. Er und 40 weitere ehemalige und aktive Stipendiaten der Stiftung Polytechnische Gesellschaft sind bei der Musikwerkstatt dabei, um in Workshops ihre musikalischen Fähigkeiten zu erproben und einzubringen, aber auch um mit anderen Teilnehmern ins Gespräch zu kommen und alte Freunde wiederzusehen.

Im Vorfeld konnte zwischen zwei Bands, dem Chor, Modern Dance und einem Beat-, Rap- und Poetry-Workshop wählen. Florian hat schon vorher ein wenig Erfahrung im Produzieren von Beats gesammelt. Für ihn war klar, dass er  sein Wissen an diesem Wochenende beim Beat-Workshop vertiefen möchte.

Seine Gruppe ist ganz unterschiedlich wie die Musikwerkstatt selbst: Florian ist Fahrzeugsattler, Michael Bloeck  freier Künstler und ehemaliger StadtteilHistoriker, und die erst kürzlich verabschiedete BürgerAkademikerin Beatrix Müller-Mamerow arbeitet als Notar-Fachgehilfin. Beide sind einige Jahre älter als Florian. Aber genau darum geht es bei der Musikwerkstatt: Unterschiedliche Stipendiaten aus verschiedenen Jahrgängen zusammenzubringen, Ältere und Jüngere, StadtteilHistoriker und Samstagsschüler, StadtteilBotschafter und Diesterweg-Stipendiaten, BürgerAkademiker und MainCampus-Stipendiaten, die dann gemeinsam etwas erschaffen.

Unterschiedliche Stipendiaten, unterschiedliche Workshops, ein Gemeinschaftsprojekt

Erin Sullivan leitet den Beat-Bereich des dreiteiligen Workshops. Auch er ist ein ehemaliger Stipendiat der Stiftung, der bereits jahrelange Erfahrung bei der Beat-Produktion hat. "Der Grund-Beat besteht in der Regel aus vier mal vier Schlägen", hat er Florian und den anderen Teilnehmern zu Beginn des Workshops erklärt. Jetzt gilt es, den Grund-Beat anzureichern.

Um die passenden Töne und Sounds einzufügen, müssen sich Florian und seine Mitstreiter erst einmal über die Texte informieren, die über den Beat gelegt werden sollen. Im Nebenraum ist der zweite Teil der Gruppe, die Poetry-Slammer, schon fleißig dabei, unter Anleitung von Dirk Hülstrunk Texte zu verfassen. Suzanne Cadiou schreibt über ein Mohnfeld, das einem Bett gleicht, und Hubert Gloss hat einen Text verfasst, der gegen die Autoindustrie wettert.

Florian ist sofort klar, dass die Beats unterschiedlich klingen müssen. Er sucht nach Sounds, die sich wie ein Motor oder ein scharfes Bremsen anhören, und fügt noch einen Schrei ein. Für Suzannes Text soll es etwas ruhiger zugehen. Auf einem angeschlossenen Gerät, das Controller heißt, aber eher einem extrem kurzen Keyboard gleicht, erzeugt Florian eine kurze Melodie, die den Beat und den Text untermalen soll. Es braucht ein paar Anläufe, dann ist die Tonfolge aufgenommen. Er hat sichtlich Spaß an der Arbeit. "Das macht richtig süchtig", sagt er.

Der Tanz tanzt an

Zwischendurch kommt die Tanzgruppe unter der Leitung von Jason Jacobs vorbei. Ziel ist es nämlich, dass die einzelnen Gruppen am Ende des Wochenendes nicht nur das vorstellen, was sie alleine erarbeitet haben, sondern sich mit den anderen Workshops austauschen und ein Gemeinschaftsprojekt daraus machen. Florian spielt den Tänzern vor, was das Team bereits erarbeitet hat. Bei der Präsentation wollen die Tänzer sich zu den Beats und den Texten bewegen.

Nach der Mittagspause kommen Texter und Beat-Produzenten zusammen, um ihre Arbeit zu verbinden. Hubert und Suzanne sind zufrieden mit den ausgewählten Beats. Suzanne trägt ihren Text vor. Es klappt nicht so richtig, Rhythmus und Sprechgeschwindigkeit passen nicht zusammen. Florian drosselt die Geschwindigkeit des Beats. Zweiter Versuch. Es funktioniert besser. Nach ein paar weiteren Durchläufen hört sich Suzannes Text schon fast aufführungsreif an. Dann stoppt Florian die Zeit, die Suzanne und Hubert zum Sprechen brauchen, um zu wissen, wie lange der Beat später bei der Vorführung der Ergebnisse laufen muss.

Am Ende des Tages treffen sich alle Teilnehmer zu einer kurzen Feedback-Runde: "Der Tag ist richtig schnell verflogen“, sagt Florian. "Es hat Spaß gemacht, an den Beats zu arbeiten." Auch die anderen sind zufrieden.

Geniales Gesamtergebnis

Am Sonntag geht es nach einem kleinen Frühstück mit der Arbeit weiter. Die Teilnehmer verteilen sich auf ihre Räume, letzte Proben finden statt. Florian hilft Erin beim Abmischen der fertigen Beats, die Texter kommen noch einmal für eine gemeinsame Generalprobe dazu.

Dann ist es soweit.

Alle Teilnehmer versammeln sich, um in einer kleinen Aufführung ihre Ergebnisse zu präsentieren. Der Chor unter Leitung von Lisa Ochsendorf motiviert alle Anwesenden zu einer kurzen gemeinsamen Body-Percussion, bei der auch Florian mit Freude mitmacht. Im Anschluss spielt eine der beiden Bands, dann sind die Slam-Poeten dran. Florian muss zwar selbst nicht auf die Bühne, aufgeregt ist er trotzdem. "Ich habe richtig mitgefiebert. Ich war sehr gespannt, wie das Publikum auf unsere Arbeit reagiert", sagt er. Die Beats ertönen, Suzanne betritt die Bühne, spricht ihren Text, die Tänzer bewegen sich dazu. Dann ist Hubert dran. Nach ein paar Minuten ist der Rap-Teil vorbei und das Publikum applaudiert. Florian kann aufatmen. Jetzt kann er sich zurücklehnen und zuhören, wie die zweite Band mit Saxophon und Akkordeon den Raum mit einem Stück erfüllt, das die Musiker während des Workshops gemeinsam entwickelt haben.

Zum Abschluss kommen die Chorsänger noch einmal auf die Bühne, beide Bands und die Bandleiter, Nina Hacker und Gernot Dechert, begleiten das Stück gemeinsam musikalisch. Jason Jacobs und seine Tänzerinnen performen ihre Choreographie dazu. Florian ist begeistert vom Gesamtergebnis: "Es ist toll, dass so viele verschiedene Stipendiaten zusammengekommen sind und gemeinsam etwas so Geniales erarbeitet haben."

Bei der nächsten Musikwerkstatt will er auch wieder dabei sein. Zwar möchte er dann wieder im Rap, Beat und Poetry Workshop teilnehmen, kann sich aber sehr gut vorstellen, sich dann statt als Beat-Produzent auch mal im Texte-Schreiben zu versuchen.

Impressionen finden Sie in der Mediathek.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Philip Eichler)

 

 

Bei der Musikwerkstatt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft wurde fleißig geprobt, programmiert und getextet. (Bild: Philip Eichler)


DeutschSommer: Rallye durch die Bibliothek

Eine fröhliche Gruppe von DeutschSommer-Kindern besuchte Ende März mit ihren Eltern und Geschwistern im Schlepptau die  "Zentrale Kinder- und Jugendbibliothek" in Bornheim für einen bewegten und interessanten Nachmittag.

Von 15 bis 18.30 Uhr war für die Familien die Bücherei lebhaft erfahrbar. Mittels einer Rallye in Kleingruppen lernten die DeutschSommer-Kinder die Bildungsinstitution spielend kennen. Natürlich durften sie nicht wild durch die Bibliothek rasen und dabei neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen, sondern mussten kleine Aufgaben lösen, etwa Signaturen der Bücher richtig zuordnen oder die Standorte von Themenfeldern finden.

Die Eltern erhielten eine Einführung in die Nutzung der Bibliothek und konnten sich direkt Bücher, DVDs oder CDs ausleihen, was dankbar angenommen wurde. Die Geschwisterkinder wurden parallel von Pädagogen betreut, Spielen und das Basteln von Lesezeichen waren angesagt.

Insgesamt zeigten sich die Familien von dem Termin begeistert. Viele wussten beispielsweise nicht, dass sie mit dem Stadtbücherei-Ausweis in allen 19 Frankfurter Stadtbüchereien Bücher ausleihen und zurückgeben können. Das dürfte in naher Zukunft so mancher Familie deutlich Weg ersparen, aber auch viele der Anwesenden künftig häufiger in die Büchereien bringen, um für sich und ihren Nachwuchs Bücher und Medien auszuleihen.

Der Besuch der Kinder- und Jugendbibliothek ist eines von mehreren Angeboten im DeutschSommer-Familienprogramm. Ein Jahr lang sind die Familien der DeutschSommer-Kinder zu unterschiedlichen Events eingeladen, z.B. der Besuch eines Kinderstücks im Schauspiel Frankfurt oder die Besichtigung eines Frankfurter Museums.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth)


Mathe für kleine Asse: knobeln und rätseln bei der Forscherstunde

Was tun, wenn Kinder im Mathematikunterricht unterfordert sind? Das Projekt Mathe für kleine Asse gibt darauf eine Antwort. Es fördert besonders mathematikbegabte und -interessierte Schülerinnen und Schüler und vermittelt ihnen Spaß an Zahlen, Formeln und problemlösendem Denken.

Im Februar 2016 war Mathe für kleine Asse eines von vier Projekten, die mit dem Polytechnik-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ausgezeichnet wurden. Ende Februar 2017 fiel nun der Startschuss, um das Projekt auch in Frankfurt anzubieten.

Seitdem treffen sich die teilnehmenden Kinder, Drittklässler verschiedener Frankfurter Schulen, zu gemeinsamen Forscherstunden, und ihre Eltern ließen sich im Institut für Didaktik der Mathematik der Frankfurter Goethe-Universität über das Projekt informieren.

"Schüler sollen Spaß an  Mathematik haben", sagt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Indem sie die Durchführung von Mathe für kleine Asse in Frankfurt ermöglicht, will die Stiftung dafür sorgen, dass sich mehr Kinder für Mathematik interessieren und sie in ihrer Vielseitigkeit kennenlernen. Denn: "Es sollte normal sein, in Mathe gut zu sein", so Prof. Dr. Matthias Ludwig, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Didaktik der Mathematik und der Informatik an der Goethe-Universität. Daher freut er sich, mit seinem Institut Mathe für kleine Asse zu unterstützen.

Projekttransfer aus Münster nach Frankfurt

Das Konzept dafür stammt von Friedhelm Käpnick, Professor für Mathematikdidaktik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Er war damit 2016 der Drittplatzierte beim Polytechnik-Preis für die Didaktik der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Den Projekttransfer nach Frankfurt ermöglichen neben der Stiftung und der Goethe-Universität das Hessische Kultusministerium und die Adolf Messer Stiftung.

Die 25 teilnehmenden Drittklässler besuchen im zweiwöchigen Takt sogenannte Forscherstunden, in denen sie 90 Minuten lang unter der Anleitung von Mathematikstudenten und einem Mathematiklehrer knobeln, tüfteln und sich auf die Spur mathematischer Geheimnisse begeben. Dabei wird kein Schulstoff vorweggenommen, sondern dieser vertieft oder praktisch angewendet.

Betreuung durch die Mathematiker von morgen

Studenten der Goethe-Universität, die Mathematik auf Lehramt belegen, bereiten die Forscherstunden vor und führen sie mit durch. Die Leitung hat Steffen Burk übernommen, Mathematiklehrer am Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Flörsheim. "Die ersten Sitzungen waren sehr erfolgreich und auch die Rückmeldung der Kinder war positiv", so Burk. "Wir als Team sind mehr als zufrieden."

Zum Team gehört die Lehramtsstudentin Franziska Beek. Sie arbeitet neben dem Studium als U-Plus-Kraft (Aushilfslehrerin) und weiß aus eigener Erfahrung, dass Unterricht sehr anstrengend sein kann. Daher freut sie sich, dass sie bei dem Projekt mitwirken kann. "Es macht sehr viel Spaß, mit Kindern zu arbeiten, die wirklich Lust auf Mathematik haben", sagte sie.

Außer den zweiwöchigen Treffen wird es einmal im Halbjahr eine mathematische Exkursion geben. Die Kinder erkunden dann, ausgestattet mit Smartphones des Instituts, den Campus Bockenheim auf mathematische Weise und lösen dabei mithilfe von GPS und einer App Schätz-, Überschlag- und Problemlöseaufgaben.

Infoabend für die Eltern

Die erste Aktivität der kleinen Mathe-Asse bestand übrigens im Bearbeiten von Knobelstationen, die beim Informationsabend auch ihre Eltern ausprobieren durften. Manche Eltern rätselten selbst, andere ließen sich von ihren Kindern helfen. Beim Schätzen, etwa der Aufgabe, bei der man angeben sollte, wie viele Wasserkästen wohl in den Veranstaltungsraum passen, taten sich Kinder und Eltern auf der Suche nach Lösungsstrategien zusammen.

Fiona wiederum, eine der Teilnehmerinnen, zeigte ihrem Vater die Lösung eines Problems mit ausgeschnittenen Papierhäuschen. Auf jedem der Häuschen stand ein Familienname. Ein Arbeitsblatt stellte die Aufgabe, die Häuschen aufgrund von nur drei Informationen, wie beispielsweise "Familie Meier wohnt genau zwischen den Familien Pohl und Schulze", in die richtige, unbekannte Reihenfolge zu bringen.

Fionas Vater ist froh, dass seine Tochter bei dem Projekt mitmacht. "Es ist toll, dass es etwas für Kinder gibt, die im Unterricht unterfordert sind. Fiona ist ganz scharf darauf, zu den Forscherstunden zu gehen", sagt er.

"'Mathematik macht glücklich'", zitiert Professor Kaehlbrandt den Gießener Mathematiker Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher und ergänzt: "Nicht jeden vielleicht, aber offensichtlich die Kinder."

(Text: Astrid Heindel, Foto: Friedhelm Käpnick)

Foto: Friedhelm Käpnick


Verabschiedung des fünften Jahrgangs der BürgerAkademie: Im Zeichen der Margerite

Ein bunt gemischtes Programm wurde den Gästen der Verabschiedung des fünften Jahrgangs der BürgerAkademie im Großen Lesesaal des Frankfurter Literaturhauses geboten. 

"Sagt mal, von wo kommt ihr denn her?", sang die Gruppe auf der Bühne zur Melodie des  Schlümpfe-Lieds. "Wir sind BürgerAkademiker!", erschallte die gesungene Antwort aus den hinteren Ecken des Großen Lesesaals im Frankfurter Literaturhaus.

So unterschiedlich die Sänger auch von Alter oder Beruf waren, eines hatten sie  gemeinsam: Sie engagieren sich mit herausragendem Elan ehrenamtlich in Frankfurt. Deshalb sind sie vor einem Jahr in den fünften Jahrgang der BürgerAkademie aufgenommen worden, die die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main 2009 in Kooperation mit 24 Frankfurter Ehrenamtsorganisationen ins Leben gerufen hat. Am 7. März 2017 endete ihr BürgerAkademie-Jahr, und die Teilnehmer wurden feierlich aus der Förderung verabschiedet.

Die Verabschiedung haben die BürgerAkademiker nicht nur mit ihrem Wechselgesang mitgestaltet. Monika Humpert, die für die katholische Stadtkirche aktiv ist, beschrieb die BürgerAkademie als eine Reise, auf der die Ehrenamtlichen an jeder Station einen Koffer mit hilfreichen Werkzeugen mitbekamen. Die Koffer sind  Symbole für die Seminare, die die BürgerAkademiker während ihrer Stipendiatenzeit besucht haben.

Ereignisreiches Jahr

Sie lernten Neues in den Bereichen Teambuilding und Rhetorik, kamen bei Kamingesprächen in Kontakt mit Frankfurter Persönlichkeiten wie Olaf Cunitz, dem ehemaligen Bürgermeister und Stadtplanungsdezernenten, dem Stadtforscher Christoph Siegl und Daniela Cappelluti, der Gründerin des Frankfurter Gartens. Außerdem befassten sie sich in einer Ideenwerkstadt mit Kreativtechniken und setzen ihre neu erlernten Fähigkeiten in einem sogenannten Mikro-Projekt um.

Das Ergebnis dieses Projekts ist ein QR-Code, der, sobald man ihn mit einem Smartphone oder einem Tablett abscannt, auf die Stiftungswebsite und dort auf eine Extraseite mit Einblicken in die Akademie und mit Erlebnissen des fünften Jahrgangs führt. Ihn konnten die Gäste unter anderem während des sogenannten "Marktplatzes" ausprobieren, einer fünfzehnminütigen Unterbrechung des Bühnenprogramms, die dazu einlud, sich mit den Stipendiaten über ihre Ehrenamts- und Akademieerfahrungen auszutauschen.

Die Margerite als Symbol der Jahrgangs

Die Bühne zierte auch ein Gesteck aus Margeriten. "Die Margerite gilt als Symbol für Natürlichkeit, Wahrheit, das Gute und das Glück, und sie wird daher gerne an hilfsbereite Personen verschenkt", sagte Silja Flach, die Projektreferentin für Bürgerengagement der Stiftung, die die Stipendiaten das Jahr hindurch begleitet hat.

Sie kaufte ein Exemplar für das erste Seminar, und die Symbolkraft gefiel der Gruppe so gut, dass die Margerite auf keinem folgenden Seminar fehlen durfte. Sie wurde für die BürgerAkademiker zu einem Zeichen für Beständigkeit, Verlässlichkeit und Zusammenhalt.

"Man fragt sich, was unser Land und unsere Stadt eigentlich machen würden, wenn es Sie nicht gäbe", lobte Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, das Engagement der Stipendiaten. "Die BürgerAkademiker in diesem Projekt der Qualifizierung, der Vernetzung und der Anerkennung zu unterstützen, heißt, die Ehrenamtsarbeit in ganz Frankfurt zu fördern."

Stephan Siegler, der Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Frankfurt am Main, stimmte ihm zu und fuhr fort: "Der Stiftung Polytechnische Gesellschaft wünsche ich viel Erfolg bei der Weiterführung des Programms, denn das ist auch der Erfolg Frankfurts – also unser aller Erfolg." Das Ehrenamt umschrieb er mit einem Zitat des römischen Philosophen Senecas: "Die Menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzen würde, würden die einzelnen Steine sich nicht gegenseitig stützen." Und die Ehrenamtler seien die Stützen der Gesellschaft. Deshalb dankte er den BürgerAkademikern auch im Namen der Frankfurter Bürger, des Stadtparlaments und des Magistrats.

Ein kleines Dankeschön

Nach der feierlichen Urkundenübergabe übernahm BürgerAkademikerin Jutta Einstein das Mikrophon. Denn die Stipendiaten hatten sich eine Überraschung überlegt: Im Namen aller BürgerAkademiker übergab Einstein als Dankeschön für das gemeinsame Jahr Urkunden an Silja Flach und deren studentische Mitarbeiterin Suzanne Cadiou, die ebenfalls das BürgerAkademie-Jahr mitgestaltet hatte, sowie an zwei der Trainer und Referenten des Programms, Claudia Bingel und Christian Berndt.

Bei einem Glas Wein und der Musik des Belleville Swing Clubs nutzten Gäste und BürgerAkademiker im Anschluss an das Programm noch ein zweites Mal die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Damit sind die Stipendiaten aus der Förderung entlassen worden. Die Nominierungen und das Auswahlverfahren für die nächste BürgerAkademie beginnen im Herbst diesen Jahres. Der sechste Jahrgang wird dann im März 2018 aufgenommen.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Stefanie Kösling)


"Pommes-frites-Reste" beim Frankfurt-Finale des großen Diktatwettbewerbs

Beim sechsten Frankfurt-Finale des großen Diktatwettbewerbs in der Schillerschule mussten Lehrer, Eltern und Schüler verschiedenste Tücken der deutschen Orthografie und Grammatik meistern. Nun stehen die Sieger fest.

Unter den Schülern war Matthias Tielmann von der Freien Christlichen Schule mit nur acht Fehlern der beste Teilnehmer. Nur die Elternsiegerin Tatjana Koch von der Schillerschule, die nebenberuflich als Lektorin arbeitet, konnte dieses Ergebnis mit sieben Fehlern noch toppen. Auch die beste Lehrerin kommt von der Schillerschule: Elke Willmann, die Deutsch unterrichtet, machte neun Fehler. Sie dürfen sich über den Titel  "Frankfurter Rechtschreibchampion 2017“ freuen.

Den zweiten Platz der Kategorie "Schüler" teilten sich mit jeweils zehn Fehlern Simon Sioulvegas (Musterschule) und Sarah Kono (Freie Christliche Schule), die auch in den letzten beiden Jahren zu den Siegern gehörte. Den dritten Platz bei den Schülern errang Cora Spiegelhauer (Gymnasium Riedberg) mit 13 Fehlern.

Zum Wettstreit in der Aula der Frankfurter Schillerschule waren 150 Personen gekommen, 13 Frankfurter Schulen waren vertreten. Das 222 Wörter lange Diktat, vorgelesen von Bianca Taubenheim von der Freiherr-vom-Stein-Schule, enthielt 63 orthographische Hürden, die es zu überwinden galt – fast jedes dritte Wort war besonders schwer.

WG-Besichtigung der komplizierten Art

Der Diktattext konfrontierte die Mitschreibenden mit einer WG-Besichtigung der komplizierten Art. Die richtige Schreibweise von Wörtern wie "peu à peu", "drum herumreden" und "Pommes-frites-Reste" brachte die Teilnehmer ins Schwitzen.

"Korrekte Rechtschreibung und die richtige Verwendung der Grammatik sind sehr wichtig in allen Bereichen des Lebens. Beim großen Diktatwettbewerb beweisen die Schüler, Eltern und Lehrer jedes Jahr aufs Neue, dass es Spaß macht, sich damit zu beschäftigen", so Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. "Die Schulteams haben sich seit Wochen in Rechtschreib-AGs, bei schulinternen Vorentscheiden, bei einem Trainingssamstag, mithilfe des Übungsmaterials sowie der neuen Homepage des Wettbewerbs vorbereitet. Das hat sich ausgezahlt."

Die besten Diktate wurden von der Jury, der unter anderem die Dudenredakteurin Melanie Kunkel, der Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Dr. Bernd Busch, Carine Kleine-Jänsch vom Staatlichen Schulamt für die Stadt Frankfurt am Main sowie frühere Gewinner aus den Kategorien "Eltern" und "Lehrer" angehörten, eingesammelt und kontrolliert.

Während die Teilnehmer auf die Ergebnisse warteten, unterhielt der Poetry-Slammer Samuel Kramer das Publikum mit mitreißenden Texten über Sprache, Erinnerungen und Selbstfindung.

Unterstützt wurden die Teilnehmer übrigens durch zwei prominente Mitschreiber: Universitäts-Ehrensenatorin Renate von Metzler und der Präsident der Polytechnischen Gesellschaft, Walther von Wietzlow, bewiesen am gestrigen Abend freudvoll ihre orthographischen Fähigkeiten.

Eltern schlagen Lehrer

Im Schnitt machten die Schüler 26,7, die Lehrer 15,9 und die Eltern 13,9 Fehler. Die gastgebende Schillerschule stellte mit drei erfolgreichen Diktatschreibern die meisten Preisträger, von der Freien Christlichen Schule und der Musterschule kamen je zwei Gewinner. Jeweils ein Sieger kam vom Gymnasium Riedberg, von der Ziehenschule, der Anna-Schmidt-Schule und der Liebigschule.

Bei der feierlichen Preisverleihung erhielten sie nicht nur ihre Urkunden und die Erstplatzierten einen Pokal, sondern auch Preise wie Karten für das Tigerpalast Varieté Theater und das hr-Sinfonieorchester, ein Halbjahresabo der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung oder eine MuseumsuferCard.

Qualifikation für den Mai

Außerdem qualifizierten sich die Sieger für den großen Diktatwettbewerb am 11. Mai 2017, bei dem sie gegen Teams aus anderen deutschen Städten und Gemeinden antreten werden. Die Konkurrenten aus Wiesbaden und Hamburg stehen bereits fest; bis Anfang April werden im Rhein-Pfalz-Kreis (21. März), in Münster (4. April) und in Osnabrück (5. April) die Vertreter für den überregionalen Wettbewerb ermittelt.

(Text: Stephan M. Hübner, Foto: Dominik Buschardt)


Erstes Werkstatt-Treffen der StadtteilHistoriker: Im Rausch der Quellen

Koreanische Krankenschwestern in Frankfurt, Grabbepflanzungen anno 1920 und die verlorenen Denkmäler Frankfurts – die sechste Generation der StadtteilHistoriker hat sich viele spannende, teils außergewöhnliche Themen aus Frankfurts Stadtteilgeschichte vorgenommen. Beim ersten Werkstatt-Treffen wurden sie in die Grundlagen des historischen Arbeitens eingeführt.

Angelika Schreiber möchte die Geschichte des Kinderzentrums Gutleutstraße erforschen. Aber wie geht man so ein historisches Projekt  am besten an? Wo findet man Quellen, und worauf muss beim Zitieren geachtet werden? Solche Fragen stellen sich alle 25 StadtteilHistoriker der neuen Generation. Einige Antworten darauf erhielten und erarbeiteten sie beim ersten Werkstatt-Treffen, das Mitte Februar im Social Impact Lab in Bockenheim stattfand.

 "Sich mit Geschichte zu befassen, befriedigt ein anthropologisches Bedürfnis", sagte Christoph Cornelißen, Professor für Neueste Geschichte an der Frankfurter Goethe-Universität. Im ersten Teil des Werkstatt-Treffens erläuterte er, was beim historischen Arbeiten zu beachten ist. Zunächst sprach Cornelißen über die drei Varianten, wie man sich nach Nietzsche mit Geschichte beschäftigen kann: Bei der monumentalistischen Variante stellen Menschen Denkmäler auf, um an Vergangenes zu erinnern. Sammler hingegen befassen sich auf antiquarische Weise mit Geschichte. Die StadtteilHistoriker wiederum setzen sich auf kritische Weise mit Geschichte auseinander, das heißt, sie stellen Fragen, auf die sie Antworten finden, die wiederum zu neuen Fragen führen. Das alles dokumentieren sie, untermauern ihre Antworten mit Quellen und stellen ihre Ergebnisse am Ende etwa in Form einer Ausstellung, eines Buches oder eines Kurzfilms vor.

Frankfurt im Fokus

Ganz allgemein ging es danach mit der Frage weiter, wann und warum Frankfurt zu einer Großstadt geworden ist. Die Teilnehmer fanden viele Gründe dafür: Die Industrialisierung und eine bequemere Lebensart durch gute Verkehrsnetze zogen die Menschen in die Stadt. Außerdem boten Freizeitangebote wie Theater und Sportvereine, Bildungsmöglichkeiten wie Hochschulen und Bibliotheken sowie die bessere Gesundheitsversorgung Anreize, vom Land in die Stadt zu ziehen. Die Teilnehmer hatten so viel zu sagen, dass Cornelißen sich beeilen musste, um genügend Zeit für die Einführung in die Quellenarbeit zu finden. Viele der StadtteilHistoriker wussten vor Beginn des Seminars nicht, wo sie am besten nach Quellen suchen können. Archive und Bibliotheken seien für die Recherche erste gute Anlaufstellen, sagte Cornelißen. Eine Beratung durch Archivare könne auch weiterhelfen. Cornelißen machte darauf aufmerksam, dass es nicht nur schriftliche Quellen gibt. Bilder, Karten und Audioquellen sowie die Befragung von Zeitzeugen gehören auch zu ihnen. Um etwas über den Familienstand einer bestimmten Person herauszufinden, eignen sich besonders Kirchenarchive.

Die Wichtigkeit der Quellenkritik

Zum Abschluss erklärte Cornelißen, was unter Quellenkritik zu verstehen ist. Bei der äußeren Quellenkritik fragt sich der Historiker, was er in der Hand hält. Von wann und von wem stammt der Text, an wen ist er adressiert und wo wurde er verfasst? Wenn kein Datum oder Empfänger angegeben ist, kann der Inhalt Hinweise darauf enthalten. Die innere Quellenkritik befasst sich dagegen mit der sprachlichen Aufschlüsselung eines Textes. Das beinhaltet beispielsweise die Übersetzung älterer Begriffe, die heute nicht mehr verwendet werden, in die moderne Sprache. Außerdem kann ein Text Anspielungen auf bestimmte Personen oder Ereignisse enthalten.

Nach der Mittagspause teilte sich die Gruppe auf, um in Workshops bei Privatdozent Dr. Michael Maaser, dem Leiter des Archivs der Goethe-Universität, und Robert Brandt, Dozent für Geschichtswissenschaften ebendort, über die einzelnen Projekte zu sprechen. Besonders wichtig war die Frage nach dem richtigen Zitieren. Ein Teilnehmer wollte wissen, ob er bei Aufzeichnungen eines Gerichtsprozesses volle Namen verwenden darf. Maaser erläuterte, dass dies gestattet sei, sofern der Genannte bereits vor mehr als zehn Jahren verstorben sei. Maaser empfahl den Teilnehmern, sich immer gleich aufzuschreiben, woher eine Quelle stamme, um späteres Suchen zu vermeiden. Eine Teilnehmerin erzählte, dass sie für ihr Projekt koreanische Krankenschwestern, die in Frankfurt gearbeitet haben, interviewen wolle. Bei der Suche nach Zeitzeugen sei es sinnvoll, sich Gesprächspartner mit unterschiedlichem Hintergrund zu suchen, damit ein möglichst differenziertes Bild entstehe, merkte Brandt dazu an.

Positive Resonanz

Die Resonanz der Teilnehmer auf das Seminar fiel positiv aus. "Die Informationen über die Quellenarbeit war sehr wichtig. Außerdem konnten wir uns sehr gut einbringen", sagte Angelika Schreiber. Auch die anderen StadtteilHistoriker hätten vieles gelernt, das ihnen bei der weiteren Planung und Durchführung ihrer Forschungsprojekte weiterhelfe, sagte sie.

Die sechste StadtteilHistoriker-Generation wurde von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft im Januar  aufgenommen. Das Projekt wurde 2007 ins Leben gerufen und findet in einer Medienpartnerschaft mit der Frankfurter Neuen Presse statt, die fortlaufend über die StadtteilHistoriker berichtet.

Die Teilnehmer forschen 18 Monate lang zu einem historischen Thema, das einen oder mehrere Frankfurter Stadtteile betrifft und das sie selbst wählen. Dabei werden sie  mit 1.500 Euro für Recherche- und Präsentationsausgaben unterstützt. Außerdem werden sie in Seminaren auf ihr Forschungsprojekt vorbereitet und während ihrer Zeit als StadtteilHistoriker bei der Arbeit begleitet.

Die Laienhistoriker sind Frankfurter Bürger aus allen Altersgruppen und verschiedenen Berufsfeldern.Das aktuelle Stipendium läuft noch bis März 2018. Dann wollen die StadtteilHistoriker die Ergebnisse ihrer Projekte vorstellen.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Rainer Rüffer/FNP)

Die Teilnehmer beim Workshop. Foto: Rainer Rüffer/FNP


Samstagsschule für begabte Handwerker startet in Darmstadt

Talentierte Handwerksgesellen in Darmstadt dürfen sich freuen. Denn die dortige Dotter-Stiftung hat die Samstagsschule für begabte Handwerker übernommen. Der Startschuss für die ersten zwölf Darmstädter Stipendiaten fiel am 21. Februar.

Die Samstagsschule für begabte Handwerker ist ein Spitzentrainingsprogramm für den Führungskräftenachwuchs im Handwerk, das die Stiftung Polytechnische Gesellschaft seit 2009 zusammen mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main in Frankfurt durchführt.

Bei der Auftaktveranstaltung am Dienstag in der Hauptverwaltung Darmstadt der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main wurden feierlich die ersten zwölf Stipendiaten aus der Region Darmstadt aufgenommen.

"Die Samstagsschule bereitet junge Handwerksgesellen in Wochenendseminaren darauf vor, den Meisterbrief zu erwerben, in ihrem Betrieb eine Führungsposition zu übernehmen oder selbst ein Unternehmen zu gründen", erklärt Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender des Ideengebers, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. "Wir freuen uns sehr, dass die Dotter-Stiftung das Projekt nun in der bewährten Kooperation mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main übernommen hat."

Berufsbegleitende Seminare und Netzwerken

Die Darmstädter Samstagsschüler, drei Frauen und neun Männer, stammen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, sind unter anderem Goldschmiede, Bäcker oder Kraftfahrzeugmechatroniker. In den kommenden Monaten werden sie in sechs ein- bis zweitägigen, berufsbegleitenden Seminaren in den Bereichen Rhetorik und Präsentation, Betriebswirtschaftslehre und Zukunft des Handwerks weitergebildet.

Außerdem erhalten sie beim "Praxisblick aus dem Handwerk" die Möglichkeit, mit einem erfolgreichen Handwerker ins Gespräch zu kommen, und sie besuchen zukunftsweisende Handwerksunternehmen in Darmstadt und der Region. In der Abschlusswerkstatt entwickeln sie ein fiktives Projekt, das sie vor einem Fachpublikum präsentieren. Im November findet die feierliche Verabschiedung im Darmstadtium statt.

"Hans Erich Dotter wusste um die Wichtigkeit des Handwerks, das gerade in Deutschland so stark und bedeutend ist, das ja nach dem Volksmund einen ,goldenen Boden‘ und einen oft unterschätzten Anteil an der deutschen Gesamtwirtschaft hat", so der Vorstandsvorsitzende der Dotter-Stiftung, Dr. Jürgen Frei. "Das Motto unserer Stiftung lautet ‚Kräfte vor Ort wecken und stärken‘. Und wie könnten wir dies besser realisieren als durch die Förderung junger Handwerker!"

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Dr. Christof Riess, stimmt ihm bei: "Handwerk ist zupackend und engagiert – es erfüllt die Aufgabe, junge, talentierte Menschen zu fördern und bietet tolle Zukunftsperspektiven."

Ursprung im Jahr 1817

Die Idee der Samstagsschule geht zurück ins Jahr 1817, als einer der Mitbegründer der Polytechnischen Gesellschaft e. V., der Mathematiker und Pädagoge Adolf Diesterweg, die Sonntagsschule für Handwerker entwickelte, um den nach Frankfurt zuwandernden Handwerksgesellen eine bessere Allgemeinbildung mit auf den Weg zu geben.

Im Jahr 2009 knüpfte die Stiftung Polytechnische Gesellschaft an diese Tradition an, machte den Sonntag zum Samstag und rief in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main die Samstagsschule für begabte Handwerker ins Leben.

Während die Darmstädter Samstagsschüler bereits ausgewählt und aufgenommen worden sind, läuft die Bewerbungsphase in Frankfurt noch bis Ende Februar. Die Aufnahme der Frankfurter Samstagsschüler erfolgt im März 2017.

Über die Dotter-Stiftung

Die Dotter-Stiftung geht auf das Stifterehepaar Hans Erich und Marie Elfriede Dotter zurück. Dotter hatte 1948 die auf Haarpflegeprodukte spezialisierte Firma Goldwell gegründet und diese 1989 verkauft. Nach Dotters Tod wurde mit seinem Vermögen die Stiftung gegründet. Seit 2014 setzt sie sich unter anderem in den Bereichen Bildung und Erziehung sowie soziale Anliegen in Darmstadt-Eberstadt ein.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Dotter-Stiftung/Stefan Krutsch)

Für die Darmstädter Samstagsschule verantwortlich: Dr. Jürgen Frei (links), Dr. Christof Riess (rechts).
Foto: Dotter-Stiftung/Stefan Krutsch


Meine Zeitung: Wissenshappen beim Zeitungsfrühstück

Viele gute Fragen hat die Klasse 8e der Bettinaschule im Westend Frankfurter-Allgemeine-Zeitung-Herausgeber Werner D'Inka und Stiftungs-Chef Professor Dr. Roland Kaehlbrandt beim Zeitungsfrühstück gestellt. Das Format ist fester Bestandteil des Projekts Meine Zeitung.

"Herzlich willkommen" prangt in großen Lettern auf der Tafel des lichtdurchfluteten Klassenzimmers im zweiten Stock der Bettinaschule. Unterhalb ist ein kleines Buffet mit belegten Brötchen, Saft und Wasser aufgebaut, für das sogar die guten Gläser aus dem Schrank geholt werden. Davor steht ein großer Sitzkreis, die Tische sind an die Seite geschoben. Es wartet schließlich besonderer Besuch in Person von Werner D'Inka und Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt auf die 27 Schülerinnen und Schüler, ihre Klassenlehrerin Frau Köhler und Schuldirektorin Elke Schinkel.

Das Zeitungsfrühstück ist die Chance der jugendlichen Nachwuchsjournalisten, den prominenten Gästen auf den Zahn zu fühlen, aber auch von ihren Recherchen für die persönliche Langzeitarbeit zu berichten und ihre Meinung zur Zeitung abzugeben. So erzählt Eintracht-Fan Jean, dass es in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.) zur Zeit viel über seinen Club zu lesen gäbe; Mariella wundert sich, dass sie wenig Promiklatsch findet, dafür aber viel über "Leute wie Herrn Winterkorn", weshalb ihr Recherche-Fokus nun auf dem Reisebereich läge.

Das sprachliche Niveau der Zeitungsartikel wird ebenfalls thematisiert. Der allgemeine Tenor: Es handele sich um eine sehr anspruchsvolle Zeitung mit vielen "nicht so einfachen Worten, dafür aber vielen Fremdwörtern", die oft im Wörterbuch nachgeschlagen werden müssten. Doch schrecken die langen Artikel nicht ab: "Wenn mich ein Text interessiert, ist es gut, wenn er lang ist. Wie bei einer schönen Geschichte", betont ein Schüler mit leuchtenden Augen.

Stärkung der Medien- und Lesekompetenz

"Uns ist es wichtig, dass ihr euch mit Sprache auf sehr hohem Niveau beschäftigt, guten Journalismus kennenlernt und ein Gefühl dafür entwickelt. Unsere demokratische Gesellschaft braucht informierte junge Leute", erläutert Kaehlbrandt den Schülern die Intention hinter dem Projekt, das seit zehn Jahren an Frankfurter Schulen durchgeführt wird. D'Inka fügt hinzu: "Das ist unser Beitrag zur Medienkunde. Ihr sollt wissen, welche Aufgaben und welchen Nutzen eine Zeitung hat."

Zu diesem Zweck erhalten teilnehmende Schüler während des Projektzeitraums die F.A.Z. täglich in die Schule geliefert, auch damit sie ihre selbst ausgesuchte Langzeitarbeit bearbeiten können. Die besten Arbeiten werden im Juni bei der feierlichen Zeitungsgala in der Alten Oper prämiert. Zudem schreibt jede Klasse eine gemeinschaftliche Arbeit. Die 8e hat sich für das Thema "Gender" entschieden, nachdem viele andere Schulen ebenfalls über Kriminalität berichten wollten. 

Fragerunde mit Liebe zum Detail

Geduldig und ausführlich gehen die beiden Herren nach der Frühstückspause auf die Fragen der Teenager ein. Die Schüler wollen unter anderem wissen, ob es noch Paparazzi gibt, wie viel ein Journalist im Monat verdient, ob sich der Verlag auch gut um die Auslandskorrespondenten kümmert und warum die Zeitung so charakteristisch riecht, was laut D‘Inka an den verwendeten Harzen und Ölen in der Farbe liegt. Ferner wird erläutert, was eine Stiftung ist und warum es ein Fehler war, dass Nachrichten und Geschichten anfangs kostenlos im Internet angeboten wurden. D'Inka: "Jetzt wird versucht, die Zahnpasta wieder zurück in die Tube zu drücken."

Zwei Stunden später sind die Fragen gestellt und alle Brötchen verputzt. Es wird spannend, wie sich die 8e im Vergleich mit den übrigen 34 Klassen schlägt. Doch egal wie es ausgeht, bei vielen bleibt hoffentlich ein großer Hunger aufs Zeitunglesen bestehen.

Impressionen zur Veranstaltung finden Sie in unserer Mediathek.

Über Meine Zeitung

Meine Zeitung ist ein Bildungsprogramm, mit dem die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und die F.A.Z. gemeinsam seit 2007 die Medien- und Lesekompetenz in den Klassen 6 bis 10 stärken möchten.  Im Schuljahr 2016/2017 nehmen 893 Schüler aus 35 Klassen von 16 Frankfurter Schulen teil, unterstützt von 32 Lehrkräften. 

(Text & Foto: Jens-Ekkehard Bernerth)

Freuen sich über die rege Beteiligung der Schüler: Projektleiterin Anne Bachmann, Schuldirektorin Elke Schinkel, Stiftungs-Chef Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka, Referendarin Frau Eckhard und Klassenlehrerin Frau Köhler (v. l. n. r.).


Gesucht: Zeitzeugen des Kinderzentrums Gutleutstraße

Die Geschichte des Kinderzentrums Gutleutstraße geht bis in die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Die neue StadtteilHistorikerin Angelika Schreiber erforscht in ihrem Projekt die Vergangenheit der Einrichtung und sucht dafür Zeitzeugen als Gesprächspartner.

Angelika Schreiber hat selbst von 2000 bis Anfang 2011 im Kinderzentrum Gutleutstraße als Integrationskraft gearbeitet. Nun macht sie sich auf die historischen Spuren der Tagesstätte. Der Architekt Adolf Meyer hatte das Haus Ende der 20er-Jahre als Erholungsstätte für Kinder, deren Väter im Krieg gefallen oder als vermisst gemeldet worden waren, entworfen. Im Jahr 1948 übernahm die Arbeiterwohlfahrt das Gebäude.

Einundzwanzig Jahre später ging das Haus an die Stadt Frankfurt über und wurde als Kindertagesstätte und Hort neu eröffnet. Schreibers Ziel ist es, die Ergebnisse ihrer Nachforschungen in einer Ausstellung mit dem Titel "Die Geschichte der Kindertagesstätte 82 – vom Kindergarten Sommerhofpark über die Kindererholungsstätte zum heutigen Kinderzentrum Gutleutstraße" zu präsentieren.

Dafür sucht sie nach Zeitzeugen, die selbst als Kinder die Tagesstätte beziehungsweise den Kindergarten oder die Erholungsstätte besucht haben, deren Eltern oder ehemalige Mitarbeiter. Wer Zeitzeugen kennt oder selbst mit der Geschichte des Kinderzentrums zu tun hatte, wird gebeten, sich bei Angelika Schreiber zu melden. Schreibers StadtteilHistoriker-Kollegin Deike Wichmann sucht ebenfalls nach Zeitzeugen für ihr Projekt, nämlich koreanische Krankenschwestern, die in den 60er- und 70er-Jahren aufgrund des Pflegekräftemangels nach Deutschland gekommen sind. Details finden Sie hier

StadtteilHistoriker beschäftigen sich als geschichtsinteressierte Laien 18 Monate lang mit der Geschichte vor der eigenen Frankfurter Haustür und werden dabei von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft finanziell und ideell unterstützt.

Einen Überblick über die frisch aufgenommene sechste StadtteilHistoriker-Generation finden Sie in der Galerie.

Ansprechpartnerin:

Angelika Schreiber, StadtteilHistorikerin

069 / 702116

asffm1@gmx.net 


Diesterweg-Stipendium: Projekttransfer nach Hanau

Das hessische Hanau ist die zehnte Stadt, in der das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern angeboten wird.

Hanaus große Söhne, Jacob und Wilhelm Grimm, konnten dank der besonderen Unterstützung von Verwandten, Freunden und Förderern ihre Begabungen vollends ausschöpfen und zu wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Ehren gelangen. Doch nicht jedem Kind in Hanau wird eine solche umfassende Förderung zuteil. "Aus diesem Grund ist es für die Stadtgesellschaft sehr wichtig, Schritte in diese Richtung anzubahnen und Kindern Chancen für die Entwicklung ihrer Potenziale zu ermöglichen", erläutert Oberbürgermeister Claus Kaminsky.

Kaminsky ist Schirmherr des Hanauer Diesterweg-Stipendiums, das in den Schuljahren 2017/2018 und 2018/2019 erstmals auch an sechs Hanauer Grundschulen durchgeführt wird und Platz für 15 Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien bildet. Konkret handelt es sich um Anne-Frank-, Brüder-Grimm-, Gebeschus-, Robinson-, Heinrich-Heine- und Pestalozzischule. An diesen Institutionen ist der Zuwandereranteil besonders hoch.

Mehr Geldgeber sollen kommen

Finanziert wird die Anfangsphase des Projekts durch die Ursula Berenbrok-Winterstein-Stiftung und die Linsenhoff-Stiftung, die langfristige Unterstützung durch Stiftungen und Unternehmen vor Ort ist angestrebt. Durchgeführt und organisiert wird das Diesterweg-Stipendium in Hanau durch die Sprungbrett Familien- und Jugendhilfe Hanau e. V.. 

Das Diesterweg-Stipendium ist eine Idee der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main. In seinem Rahmen erhalten einzelne Schülerinnen und Schüler mit gutem Leistungspotenzial vielfältige Förderung vor dem Übergang von der 4. Klasse zur weiterführenden Schule. Die Förderung setzt sich in der 5. Klasse fort.

Mögliche sprachliche, soziale, kulturelle oder familiäre Gründe sollen so keinen Hinderungsgrund mehr darstellen, dass die Kinder ihre Potenziale nicht entfalten können. Wissen und Kompetenzen der beteiligten Schülerinnen und Schüler sollen in besonderem Maße gefestigt und erweitert werden. Auch eine zusätzliche Unterstützung im Bereich von "Deutsch als Zweitsprache" ist vorgesehen.

Zudem werden die Eltern und Geschwister der Stipendiaten mit ihren unterschiedlichen Ressourcen und Potenzialen in ein breitgefächertes Bildungsprogramm eingebunden und in ihren Kompetenzen gestärkt. 

Seit 2008 wurden im Rahmen des Diesterweg-Stipendiums an bundesweit zehn Standorten 1.400 Personen aufgenommen, auch aus geflüchteten Familien. Alle weiteren Infos zum Stipendium erhalten Sie auf der Projektseite.

Unterzeichnen die Verträge: Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt (links) und Hanaus Stadtrat Axel Weiss-Thiel (rechts), verantwortlich für den Fachbereich Bildung, Soziale Dienste und Integration. Bild: Hanauer Anzeiger


Diesterweg-Schulwerkstatt: Brücken bauen beim Übergang

"Regeln. Routinen. Rituale – Classroom-Management als Brücke für den Schulübergang" lautete das Thema der Diesterweg-Schulwerkstatt am 8. Februar 2017 im Rahmen des Impulse-Fortbildungsprogramms. 

Rund 40 Lehrkräfte aller Schulformen sowie Vertreter des Staatlichen Schulamts und des Stadtschulamts hatten sich zum Vortrag von Dozent Frank Hielscher in der Aula des Frankfurter Goethe-Gymnasiums eingefunden. Das Thema ist derzeit hochaktuell im Bildungsbereich und wurde von vielen Impulse-Teilnehmern als Wunschfortbildung genannt.

Nach der Begrüßung durch den Leiter des Goethe-Gymnasiums, Claus Wirth, und einer Einführung durch Monika Bremer, Projektleiterin Bildung der Stiftung, übernahm Dozent Frank Hielscher das Zepter. Hielscher ist Trainer und Berater für Schulen und Stiftungen im Bildungsbereich und ein Experte in Schulentwicklungsfragen, insbesondere beim Thema Classroom-Management.

Laut Hielscher bedeutet Classroom-Management Klassenführung, sie ist das Fundament jedes Unterrichts. Lehrer seien Führungskräfte, die täglich bis zu 150 Schülerinnen und Schüler lenkten. Zuversicht sowie eine positive, wohlwollende Grundhaltung gegenüber den Schülern seien die wirksamsten Komponenten beim Unterrichten, so Hielscher. Allerdings, gab Hielscher zu bedenken, müsse es Führung von Anfang an geben.

Rituale mit Bedeutung

Auch Rituale in der Schule hätten eine immense Bedeutung und stärkten die Lehrer-Schüler-Beziehung, so Hielscher. So hätten etwa tägliches Begrüßen eines jeden Schülers vor Unterrichtsbeginn oder gemeinsam erarbeitete Regeln positive Auswirkungen; Rituale wie diese würden die Werte im Klassenverband stärken. Die Begrüßung an der Tür beispielsweise könne störendes Verhalten um bis zu 27 Prozent reduzieren.

Ideal sei es, wenn sich abgebende und aufnehmende Schulen über ihre jeweiligen Regeln, Routinen und Rituale austauschen würden, so Hielscher. Der Schulübergang der Kinder könne dann für alle Beteiligten reibungsloser und angenehmer laufen. Auch sollten in der jeweiligen Schule die Regeln und Konsequenzen klassen-, sogar jahrgangsübergreifend sein.

Der nächste, weiterführende Workshop zum Thema findet am 2. Mai 2017 von 14 bis 18 Uhr im Goethe-Gymnasium statt. Eine Anmeldung per Mail ist erforderlich. Die Teilnahme an den Impulse-Fortbildungen der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ist kostenlos.

Den Vortrag finden Sie unterhalb als PDF-Datei zum Download.


Diesterweg-Stipendium in Bonames: Ankommen und Hineinfinden

In Frankfurt-Bonames wendet sich das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern erstmals gezielt den Bedürfnissen geflüchteter Familien zu.

Seit Sommer 2016 leben Familien Geflüchteter in der neuen Unterkunft am Alten Flugplatz von Frankfurt-Bonames. Dort gibt es nicht nur ein Dach über dem Kopf und die Möglichkeit, im neuen Land anzukommen, sondern auch anregende Freizeit- und Bildungsangebote – wie das neue Diesterweg-Projekt für Flüchtlingsfamilien Frankfurt-Bonames. Mit ihm ist Deutschlands erstes Familienbildungsstipendium, das Diesterweg-Stipendium für Kinder und ihre Eltern, erstmals speziell an die Bedürfnisse Geflüchteter angepasst worden.

"Die Unterkunft in Bonames ist eine Familiensiedlung und damit ideal, um das Familienprojekt Diesterweg-Stipendium an die Bedürfnisse geflüchteter Familien anzupassen", sagt Pfarrer Dr. Michael Frase, der beim Evangelischen Regionalverband das für den Standort verantwortliche Diakonische Werk für Frankfurt am Main leitet. Deswegen ging er schon im Frühling 2016 auf die Stiftung Polytechnische Gesellschaft zu, die das Stipendium 2008 entwickelte, um Kindern bildungsferner Familien begabungsgerechte Chancen beim Wechsel in die fünfte Klasse zu eröffnen.

Gemeinsam beriet man, wie in Bonames Integration von Anfang geschehen könne. "Die Familien sollten gleich nach ihrer Ankunft erste Schritte in die deutsche Bildungslandschaft machen können", so Frase. "Das gelingt am besten, wenn man sie direkt anspricht, und das kann man in der Anlage hervorragend."

Starke Partner

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, holte die Linsenhoff-Stiftung ins Boot und gewann die Unterstützung einer Frankfurter Mäzenin, die ungenannt bleiben will. Für seine Stiftung, so Kaehlbrandt, liege die Förderung auf der Hand: "Wir sind in der Flüchtlingshilfe auch mit der Koordinierungsstelle Frankfurt hilft aktiv und haben 2016 in unserem Sprachferiencamp für Drittklässler, dem DeutschSommer, einen innerstädtischen Standort für Flüchtlingskinder etabliert. Da lag es nahe, auch mit dem Diesterweg-Stipendium in diese Richtung zu gehen, zumal wir mit der Diakonie schon in anderen Bereichen bestens zusammenarbeiten."

Bisher wurden im Frankfurter Diesterweg-Stipendium rund 640 Personen gefördert, bilanziert Gisela von Auer, die Beauftragte für Nachhaltigkeit und Transfer der Polytechnischen Stiftung. "Deutschlandweit haben inzwischen neun weitere Standorte das Programm übernommen, so dass bis heute 1.400 Personen aufgenommen wurden, auch aus geflüchteten Familien. Diese Erfahrungen sind für den Standort Bonames besonders wertvoll."

"Bildung kann nie genommen werden"

Wertvoll ist zudem die Unterstützung durch Ann Kathrin Linsenhoff, die Stifterin und Vorstandsvorsitzende der Linsenhoff-Stiftung. Sie stellt fest: "Gute Bildung hängt immer mehr vom sozialen Status ab. Umso wichtiger sind Projekte wie das Diesterweg-Stipendium. Die Beteiligten haben eine – vielleicht einmalige – Chance, ihren Bildungsweg und ihre soziale Teilhabe als gesamte Familie nachhaltig zu verbessern, und ich freue mich, dass es diese Chance nun auch für Flüchtlingsfamilien in Frankfurt gibt. Diese Familien haben schmerzhafte Verluste erlitten. Bildung aber kann einem nie genommen werden."

Im ersten Projektdurchlauf werden in Bonames zwölf Kinder aus elf Familien gefördert, berichtet Sylvie Berlit, die den Arbeitsbereich Flüchtlinge der  Diakonie Frankfurt leitet. "Insgesamt nehmen 60 Personen teil – die Stipendiatenkinder im Alter von zehn, elf Jahren, ihre Eltern und ihre Geschwister. Die Familien kommen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak, aus Pakistan und Eritrea. Sie haben alle eine unglaubliche Motivation, aktiv lernen und sich einbringen zu wollen, und schätzen das niedrigschwellige, abwechslungsreiche Angebot, das ihnen im noch unvertrauten Deutschland gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht."

Erstaunliche Integrations-, Entwicklungs- und Lernfortschritte

Ihre Kollegin, Projektkoordinatorin Laetitia ten Thije, begleitet die Familien im Alltag und hat seit deren Aufnahme im November 2016 schon erstaunliche Integrations-, Entwicklungs- und Lernfortschritte festgestellt: "Auffällig ist, wie sehr Bildung vereint: Unter den Kindern sind, herkunftsunabhängig, viele Freundschaften entstanden, die auf der gemeinsame Sprache Deutsch gründen. Wortschatz, Lese- und Ausdrucksfähigkeit haben sich deutlich verbessert – nicht zuletzt, weil das Stipendium vielfältige Sprachanlässe bietet: von kleinen Reden vor der Gruppe bis zu eigenen Bühnenauftritten. Viele Kinder sind auch sehr ehrgeizig und wollen zum Beispiel die Intensivklasse so schnell wie möglich verlassen, um in die Regelklasse zu kommen."

Die Eltern wiederum seien dankbar für jede Art der Unterstützung, sagt ten Thije, "denn sie sehen ihre Kinder als ihre Hoffnung." So entwickelten sie ein Interesse für die Situation anderer Familien, brächten eigene Themenvorschläge in das Stipendium ein und zeigten sich wissbegierig und interessiert. "Zu den Eltern ist mittlerweile ein intensives Vertrauensverhältnis entstanden."

Nicht zuletzt stelle das Stipendium ein Training in Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Verbindlichkeit dar. "Die Projektstruktur schafft einen verbindlichen Rahmen für alle Beteiligten und hilft ihnen, sich besser in der neuen Heimat zurechtfinden – auch und vor allem dann, wenn sich mit der Zeit der Schonraum der Unterkunft Stück für Stück auflöst und die Konfrontation mit dem Alltag greift."

Unterhalb des Texts finden Sie noch ein Faktenblatt zum Diesterweg-Stipendium in Bonames, die Galerie zur Veranstaltung wie immer in unserer Mediathek.

(Text: Stephan M. Hübner, Foto: Uwe Dettmar)

 

 


Auszeichnung für Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix

Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix, derzeitige Inhaberin der Alfred Grosser-Gastprofessur, wurde  mit dem Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg ausgezeichnet.

Die Jury lobte die Forschungsleistung von Miard-Delacroix und ihren Beitrag zur "histoire croisée". Zudem gehöre sie "mit ihren vielfältigen Aktivitäten auch in der weiteren Medienöffentlichkeit zu den aktuell wichtigsten Vermittlern zwischen den französischen und deutschen Wissenschaftskulturen", so die Jury weiter.

Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert, ferner beinhaltet er die Einladung zu einem Forschungsaufenthalt in München und zur Durchführung eines internationalen Kolloquiums am Historischen Kolleg.

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft gratuliert Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix herzlich.

Das internationale Programm Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main wird von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ermöglicht. Jährlich besucht ein prominenter Forscher oder eine prominente Forscherin die Goethe-Universität und vertieft aus sozialwissenschaftlicher Perspektive in Seminaren und Vorträgen Aspekte der Thematik.

Das Thema des Vortrags von Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix am 18. Januar im Casino am Campus Westend lautete "Getrennte Wege oder einig im Wandel? Deutschland und Frankreich vor den Herausforderungen der Demokratie". Einen Rückblick finden Sie hier.


Beschwingter Auftakt

Wenn am selben Abend eine Poetry-Slammerin, ein französischer Historiker und eine Stiftungsband auf der Bühne stehen, dann kann das nur bedeuten: Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft lädt zum Neujahrsempfang.

Rund 200 Gäste aus der Stadtgesellschaft fanden ihren Weg am 25. Januar ins Haus am Dom, um sich gemeinsam auf 2017 einzustimmen - unter ihnen auch zahlreiche Stipendiaten und Alumni aus verschiedenen Programmen der Stiftung, Integrationsstaatssekretär Jo Dreiseitel, Frankfurts Kulturdezernentin Ina Hartwig und manch Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft.

Nachdem im Foyer alle Gäste von den Stiftungsvorständen Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt und Johann-Peter Krommer begrüßt und ausgiebig Erinnerungsfotos gemacht worden waren, eröffnete die "Stiftungsband Plan-C" im großen Saal den Abend.

In seiner folgenden Ansprache (PDF) gewährte der Vorstandsvorsitzende, Prof. Kaehlbrandt, den Gästen einen Ausblick auf das, was 2017 kommen soll: Die "Klassiker", also die besonders erfolgreichen Projekte, sollten beibehalten werden, sagte er, und im Bereich der digitalen Bildung werde sich die Stiftung stärker engagieren. Denn gerade in turbulenten Zeiten seien gut (aus)gebildete, engagierte Menschen wichtig, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, so Prof. Kaehlbrandt.

Als Gastredner betrat in diesem Jahr Prof. Dr. Pierre Monnet die Bühne. Der französische Historiker leitet das Institut français d'histoire en Allemagne. In seiner "Stimme aus der Stadt" (PDF) ging er besonders auf die aktuelle politische Lage in Deutschland und Frankreich, die damit verbundenen Risiken und Chancen und auf die Konsequenzen und Herausforderungen für Frankfurt ein. 

Im dritten Beitrag des Abends wurde es poetisch: Die junge Poetry-Slammerin Anna Knechtel verzauberte das Publikum mit ihrem Text "Dankesreiter" (PDF) und regte pointiert wie persönlich zum Nachdenken über das Zeitgeschehen an. Im Anschluss sorgten Stiftungsband und Stiftungs-Chor für die richtige Stimmung zum Tanzen, und das Parkett füllte sich mit immer mehr Tanzbegeisterten - nach wie vor eine Besonderheit unter den Frankfurter Neujahrsempfängen. 

Vor dem Saal fand man sich indes zu angeregten Gesprächen bei Wein und leckeren Speisen zusammen und genoss ganz besonders die Kuchen und Petit Fours aus der preisgekrönten Backstube der Rödelheimer Polytechnikerin Regina Graff. Ein rundum gelungener Abend!

Eindrücke des Abends finden Sie in der Bildergalerie

(Text: Astrid Heindel, Bilder: Michelle Spillner)

Ein gut gelauntes Publikum schwang munter das Tanzbein.


Komplizierte Nachbarschaft

Frankreich und Deutschland erleben einen politischen Wandel. Wie ähnlich sind sich die beiden Länder noch und wie begegnen sie den Herausforderungen der Demokratie? Professorin Hélène Miard-Delacroix behandelte die Thematik in ihrem stadtöffentlichen Vortrag anlässlich der 8. Alfred-Grosser-Gastprofessur.

Wie standhaft ist die Demokratie in Frankreich? Und in Deutschland? Nach jüngsten Wahlerfolgen rechtspopulistischer Parteien wie der Alternative für Deutschland (AfD) oder dem französischen Front National drängen sich diese Fragen auf, besonders im Hinblick darauf, dass sowohl Franzosen als auch Deutsche 2017 eine neue Regierung wählen. Wie ähnlich sind sich die beiden Nachbarländer unter den Umständen des politischen Wandels noch? Die Professorin für deutsche Zeitgeschichte an der Universität Paris-Sorbonne, Hélène Miard-Delacroix, suchte in ihrem Vortrag „Getrennte Wege oder einig im Wandel?

Deutschland und Frankreich vor den Herausforderungen der Demokratie“ am Abend des 18. Januar 2017 nach Antworten. Der Vortrag im Metzler-Saal der Goethe-Universität fand im Rahmen der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung statt, die im Wintersemester 2016/2017 zum achten Mal von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ermöglicht wird. Angeregt wurde das internationale Programm von der Deutsch-Französischen Gesellschaft Frankfurt am Main e. V. Mit Miard-Delacroix konnte eine hervorragende Forscherin gewonnen werden, denn sie ist nicht nur Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Historischen Instituts Paris und Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Historikerkomitees, sondern auch Schülerin des Namensgebers Alfred Grosser.

Gleiche Herausforderungen

"Immer wieder wird behauptet, die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich seien so groß wie noch nie", begann Miard-Delacroix. Argumente dafür gebe es viele: Deutschland gelte als erfolgreiches, global angepasstes und weltoffenes Land, Frankreich sei dagegen reformscheu, verkrampft und terrorismusgeprägt. Die politischen Landschaften veränderten sich in beiden Ländern, doch obwohl die Regierungs- und Wahlsysteme unterschiedlich funktionierten, stünden Frankreich und Deutschland vor den gleichen Herausforderungen.

In Diagrammen stellte Miard-Delacroix die Entwicklung beider Länder in den letzten Jahren gegenüber und belegte damit eine Entwicklung in die gleiche Richtung. Der Front National ist seit den Wahlerfolgen bei den französischen Regionalwahlen 2015 mit 27 Prozent der Stimmen im Aufwind, und in Deutschland erreichte die rechtspopulistische AfD bei den Landtagswahlen 2016 in mehreren Bundesländern aus dem Stand zweistellige Ergebnisse. In drei zentralen Punkten fasste Miard-Delacroix die Ähnlichkeit der Entwicklungen zusammen: In beiden Ländern polarisiere sich die Parteienlandschaft, Rechtspopulismus sei eine Form der Ablehnung der aktuellen Regierung, und die Digitalisierung  stelle die Demokratie vor weitere Herausforderungen. "Die Digitalisierung verändert die Wahrnehmung des Individuums und der Umgebung. Damit wird ein Anreiz geschaffen, andere politische Richtungen auszuprobieren."

Sehnsucht nach einfachem Weltbild

Den Erfolg der rechtspopulistischen Parteien erklärt Miard-Delacroix auch damit, dass diese ein Weltbild anböten, das sich in gut und böse aufteilen ließe und damit leicht verständlich sei. In einer durch die Globalisierung immer komplizierter werdenden Welt sehnten sich die Menschen nach einfachen Standpunkten.

Trotz der ähnlichen Entwicklungen bleiben Unterschiede bestehen. Der Zwang, dass deutsche Regierungen Koalitionen bilden, fördert ein Konsensverhalten der Parteien, während die französische Verfassung eher die Konfrontation begünstigt. In Deutschland haben sich viele Parteien in den letzten Jahren immer mehr zur Mitte hinbewegt. In Frankreich dagegen sei die Mitte verhasst, so Miard-Delacroix. Dennoch sei auch hier eine Hinwendung zur Mitte bemerkbar: Eine gemäßigte Linke und eine gemäßigte Rechte steuerten seit 1983 immer mehr aufeinander zu. Rechtspopulismus sei die Ablehnung der aktuellen Regierung, der Regierung in der Mitte.

Die Antwort auf die Ausgangsfrage fiel Miard-Delacroix abschließend leicht: "In der Grundtendenz überwiegen die Ähnlichkeiten zwischen den Ländern." Doch auch wenn diese Ähnlichkeiten vor allem im Aufstieg rechtspopulistischer Parteien bestehen, so hat Miard-Delacroix Hoffnung für die Demokratie: "Sucht man nach Symptomen des Wandels, so übersieht man häufig die Faktoren der Stabilität." Sie setzt bei den anstehenden Wahlen auf die etablierten Parteien, die nach wie vor stark seien und die Demokratie stabilisieren könnten.

(Text: Astrid Heindel, Foto: Miriam Mandryk)


Gesucht: Koreanische Krankenschwestern für StadtteilHistoriker-Projekt

Die neue StadtteilHistorikerin Deike Wichmann sucht koreanische Krankenschwestern als Gesprächspartnerinnen für ihr Projekt. Entweder die koreanischen Krankenschwestern selbst oder deren Kolleginnen, die in Frankfurt gearbeitet haben.

In den 60er- und 70er-Jahren herrschte in Deutschland ein so großer Pflegenotstand, dass Krankenschwestern aus Südkorea angeworben wurden. Von ihnen sind viele in Deutschland geblieben, so auch in Frankfurt. Diese Frauen werden nun als Zeitzeugen für ein historisches Forschungsprojekt gesucht.
 
Die Interviews werden in eine Publikation einfließen, in der Deike Wichmann unter anderem den Fragen nachgeht, warum die Koreanerinnen nach Deutschland gekommen sind und wie die Einwanderung geglückt ist – oder warum dem gerade nicht der Fall war. Wer koreanische Krankenschwestern oder deren Kolleginnen, die in Frankfurt gearbeitet haben, kennt oder selbst als Krankenschwester aus Korea nach Deutschland kam und bereit ist, in einem Interview die persönliche Geschichte zu erzählen, wird gebeten, sich bei Deike Wichmann zu melden.

Einen Überblick über die frisch aufgenommene sechste StadtteilHistoriker-Generation finden Sie in der Galerie.

Ansprechpartnerin:

Deike Wichmann, StadtteilHistorikerin

0176-63156018

deike_wichmann@web.de


Jetzt noch StadtteilBotschafter werden

Stiftung Polytechnische Gesellschaft verlängert Bewerbungsfrist für das Stipendiatenprogramm StadtteilBotschafter bis zum 31. Januar 2017.

"Ich für meine Stadt!" – unter diesem Motto können sich junge Menschen mit Ideen für kreative, gemeinnützige Projekte mit Mehrwert für ihren Stadtteil auch weiterhin für das Ehrenamtsstipendium StadtteilBotschafter bewerben. Denn die Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat die Bewerbungsfrist für die sechste Stipendiatengeneration bis zum 31. Januar 2017 verlängert.

StadtteilBotschafter sind Stipendiaten im Alter von 17 bis 27 Jahren, die mit fachlicher Unterstützung und einer finanziellen Förderung von bis zu 3.000 Euro eine Projektidee in die Tat umsetzen und sich so ehrenamtlich in ihrem Stadtteil engagieren. Während des 18-monatigen Stipendiums, das im Bedarfsfall auf zehn Monate verkürzt werden kann, helfen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur anderen, sondern sie erhalten durch die Arbeit am eigenen Projekt auch die Chance, sich persönlich weiterzuentwickeln.

Vor zehn Jahren startete das Stipendienprogramm, und seitdem haben fünf Generationen von StadtteilBotschaftern über 100 Projekte umgesetzt. Im Mitmach-Garten im Günthersburgpark entdeck(t)en Kinder ihren grünen Daumen, während andere ihren Alltagsfrust beim Boxtraining in Riederwald gezielt und sinnvoll abbauten. Auf einem internationalen Jahrmarkt in Ginnheim brachte eine StadtteilBotschafterin die Vielfalt der Kulturen in ihrem Stadtteil zusammen.

StadtteilBotschafter haben in Frankfurt schon viel bewegt. Nun hat die sechste Generation die Möglichkeit, die Stadt vor der eigenen Haustür mitzugestalten.

Ansprechpartnerin

Silja Flach

069 - 789 889 - 37

flach@sptg.de


StadtteilHistoriker: Zehn Jahre Spurensuche in Frankfurts Geschichte

Der Startschuss fiel vor zehn Jahren: Im Deutschen Architekturmuseum erhielten damals die ersten 20 Frankfurter das StadtteilHistoriker-Stipendium für geschichtsinteressierte Bürger, die ehrenamtlich selbst gewählte lokalhistorische Themen aufarbeiten. Mit der feierlichen Aufnahme der 25 Angehörigen der nunmehr sechsten Stipendiatengeneration wurde der "kleine runde Geburtstag" am vergangenen Samstag im Saalbau Gallus gefeiert.

"Seit 2007 ist viel passiert", resümiert Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. Er ist der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die das Projekt einst gemeinsam mit dem Medienpartner Frankfurter Neue Presse (FNP) und mit anfänglicher Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung an den Start brachte.

"Bis heute konnten wir 145 StadtteilHistoriker aufnehmen, die 34 Frankfurter Stadtteile repräsentieren. Einige sind und waren auch stadtteilübergreifend aktiv. Ihre Gemeinschaft repräsentiert die bürgerschaftliche Vielfalt Frankfurts: Unsere StadtteilHistoriker waren Schüler und Studenten, Dreher und Gemeindesekretärinnen, Pädagogen und Chemielaboranten, 17 bis 81 Jahre alt – um nur einige Beispiele zu nennen."

Auch die Idee zum Projekt kam aus Frankfurts Bürgerschaft: Der Oberräder Ingenieur und Autor Horst Nopens regte es 2007 in einem Leserbrief an die FNP an. "Mittlerweile wird die Bezeichnung 'StadtteilHistoriker' als Ehrentitel verstanden, und die Stipendiaten haben nachhaltig Spuren hinterlassen", blickt Projektleiterin Dr. Katharina Uhsadel zurück.

So wurde etwa auf Betreiben von Anneliese Gad das "Museum an der Kreuzkirche" eröffnet, in dem Preungesheims Geschichte dargestellt wird. In Griesheim kreierte Uta Endress eine Ausstellung zur Geschichte der Alten Falterstraße, der Expositionen zu weiteren Themen folgten. Und die Arbeit von Kerstin Stoffels in Bockenheim trug zur Restaurierung eines historischen Kirchenteppichs in der Frauenfriedenskirche bei.

Erstmals in einer anderen Stadt

"Zudem ist das Projekt 2016 dank der Wiesbaden-Stiftung erstmals in eine andere Stadt übernommen worden", ergänzt Uhsadel. Die Ergebnisse der 100 Projekte, die zwischen 2008 und 2014 in Frankfurt bearbeitet wurden, sind derweil in zwei Büchern nachzulesen, die die Stiftung kostenlos anbietet.

Nicht zuletzt hat das Stipendienprogramm inzwischen viel positive Bestätigung aus Fachkreisen gefunden: "Das Projekt StadtteilHistoriker zählt hinsichtlich seiner Idee, seines fachlich-methodischen Begleitangebots und seiner Umsetzung zur Avantgarde auf dem Feld geschichtsbezogener Erwachsenenbildung", befanden etwa Prof. Dr. Wolfgang Meseth und Karola Cafantaris von der Universität Marburg nach ihrer Projektevaluation 2015.

Und dem Bielefelder Citizen-Science-Experte Prof. Dr. Peter Finke gefallen die StadtteilHistoriker deshalb so gut, „weil dort die Fehler vermieden werden, die man so oft bei anderen bürgerwissenschaftlichen Projekten findet: etwa das Nicht-ernst-Nehmen der Bürgerforscher oder die Verwechslung von Ehrenamtlichkeit mit Kostenlosigkeit. Gerade dass Letzteres nicht so ist, beeindruckt mich, denn es gibt ganz selbstverständlich eine angemessene Unkostenpauschale.“

1500 Euro als Projektunterstützung

Diese beträgt 1.500 Euro für anderthalb Jahre und ist für die Präsentation der Rechercheergebnisse und die Deckung von Unkosten gedacht. Gemeinsam mit einer fachlichen Begleitung und der regelmäßigen Berichterstattung durch die FNP gehört sie zu den Leistungen, auf die sich die Stipendiaten freuen dürfen.

FNP-Chefredakteur Joachim Braun wiederum freut sich auf die Aktivitäten der neuen Stipendiaten: "Jeder Schritt, das Werden und Wachsen der Stadtteile besser zu verstehen, festigt dort den sozialen Kitt. Zudem berichten wir gerne über die Überraschungen, die die Beschäftigung mit der Stadtgeschichte zu Tage fördert." Aus eigener Erfahrung wisse er, wie aufschlussreich und elektrisierend dieses Forschen vor der Haustür sei: Als Journalist habe er mit großem Interesse über die NS-Zeit im bayerischen Wolfratshausen gearbeitet.

Große Themenvielfalt

"Die neuen StadtteilHistoriker der sechsten Generation", fasst der Vorsitzende der Jury, Dr. Christoph Andreas, zusammen, "bearbeiten Themen wie Graffitis und Street Art in Bockenheim, die Geschichte der jüdischen Unternehmerfamilie Wronker und ihres Kaufhauses auf der Zeil oder das Wirken Arthur von Weinbergs als Präsident des Frankfurter Renn-Klubs." Sie sind Architekten, Restauratoren oder Buchhändlerinnen, Elektrotechniker, Übersetzerinnen oder Bahn-Beamte, 18 bis 80 Jahre alt und in 18 Stadtteilen, teils auch wieder stadtteilübergreifend, aktiv. Insgesamt waren 42 gut ausgearbeitete Bewerbungen eingegangen.

Eine Vorstellung der Hobby-Historiker und ihrer Projekte finden Sie hier, alternativ auch als PDF-Download.

(Text: Stephan M. Hübner)

Der Tag der Geschichte war nicht nur die Feier des zehnjährigen Jubiläums, sondern gleichzeitig auch die Verabschiedung der 5. Generation sowie die feierliche Aufnahme der 6. Generation. Workshops rundeten das Angebot ab.


Stiftungsband stimmt sich auf das Konzertjahr 2017 ein

Die Stiftungsband hat auch im neuen Jahr wieder einige Auftritte vor sich. Dementsprechend früh fand sich die Band in den Proberäumen der Musikschule Frankfurt ein, um am Repertoire zu feilen und die Stücke für den Neujahrsempfang zu proben.

Eine Sängerin ist dabei nicht genug, gleich drei Frontfrauen singen mit ihren ausdruckstarken Stimmen die mit tanzbaren Liedern ausgestattete Setlist oder übernehmen raffinierte Background-Stimmen.

Begleitet werden die jungen Damen dabei von Keyboards, Gitarre, Bass und Saxophon, das Schlagzeug blieb ausnahmsweise bei dieser Probe krankheitsbedingt unbesetzt.

Dem Drive hat das nicht geschadet, die Band präsentiert sich bereits bei dieser Probe tight und gut aufeinander eingespielt.

Besucher von Veranstaltungen der Stiftung Polytechnische Gesellschaft können sich dementsprechend freuen, wenn die Musik von der hauseigenen Band und nicht vom Band kommt.

Impressionen der Probe finden Sie in unserer Mediathek.

Die Band nach getaner Arbeit.


Bürgerengagement – gelebte Tradition in der Frankfurter Stadtgesellschaft

Bürgerengagement ist ein mehr als aktuelles Thema in Deutschland. BürgerAkademiker wie Georgia von Holtzapfel gehen mit gutem Beispiel voran. Ein Erfahrungsbericht.

Bereits während meines Studiums in Heidelberg – ich bereitete mich auf den Beruf als Simultandolmetscherin für Italienisch und Englisch vor - verspürte ich den Wunsch, mich eines Tages im Ehrenamt zu engagieren, fand aber nie den richtigen Moment oder die passende Aufgabe dafür.

Nach dem Diplom lebte ich vier Jahre in Genua in Norditalien und begann dort meinen Beruf als Dolmetscherin auszuüben. Obwohl ich Italien längst als zweite Heimat betrachtete und dort  viele gute Freunde kennengelernt hatte, führte mich das Schicksal 1998 nach Frankfurt, wo ich ein Jahr später meinen Mann André kennenlernte.

Anlässlich unserer anstehenden Hochzeit in Hamburg brauchte ich 2001 kirchliche Unterlagen und setzte zum ersten Mal Fuß in die St. Katharinenkirche an der Hauptwache. Dort führte ich ein sehr offenes Gespräch mit dem damaligen Stadtkirchenpfarrer, Herrn Dr. Stoodt. Auf meine Frage, in welchen Bereichen sich die Gemeinde sozial engagiere, wurde mir unter anderem die Obdachlosenarbeit genannt. Mein Interesse war sofort geweckt. Ich erfuhr, dass unsere Gemeinde seit 1986 vier Wochen im Januar und zusätzlich einen Sonntag im Monat eine Aktion für bedürftige und obdachlose Menschen in den Räumen der Kirche organisiert.

Unter ihnen sind wohnungslose Männer und Frauen, manche von ihnen leben in einer Notunterkunft oder können in Wohnheimen übernachten. Andere dagegen haben es geschafft, in den vergangenen Jahren ein Zimmer oder eine kleine Wohnung zu bekommen.

Die Rente reicht oft nicht

Die meisten leben von Hartz IV, wieder andere nur von dem, was sie sich täglich er­betteln. Leider kommen aber auch in den letzten Jahren immer mehr ältere Bürger zu uns, deren Rente nicht ausreicht, ein Leben in Würde zu führen.

Was mir sofort an den St.-Katharinen-Leitlinien gefiel, war die Tatsache, dass, wie unser damaliger Stadtkirchenpfarrer Werner Schneider-Quindeau erklärte "keiner nach seiner Herkunft gefragt, Bedürftigkeit nicht überprüft und wer am Tisch Platz nimmt bedient wird. Erwartet wird nur, dass die Gäste sich als solche verhalten und untereinander respektieren."

Wenn man wie ich das Glück hat, ein beschütztes Leben mit Familie, Freunden und einem starken sozialen Netz zu führen, kann man nur dankbar dafür sein, und endlich hatte ich die Gelegenheit gefunden ein wenig davon zurück zu geben. Im Team Frühstück oder Mittagessen für 250 bedürftige Menschen in der Katharinenkirche zu organisieren – mein kleiner Beitrag zwischen den Bänken in der großen Bankenmetropole.

Städtische Sozialpolitik kann nicht ersetzt werden

In meinen Jahren in der Obdachlosenarbeit habe ich gelernt, dass eine vierwöchige  Winterspeisung, so wichtig sie auch für eine gastfreundliche Kirche sein mag,  eine kontinuierliche städtische Sozialpolitik nicht ersetzen kann. In unserem heutigen Leitungsteam merken meine Kollegin Carolin Kilmer, unser Stadtkirchenpfarrer Dr. Olaf Lewerenz und ich immer wieder, wie schnell wir an unsere Grenzen stoßen.

Unsere Hilfe kann die grundsätzlichen Sorgen und Probleme unserer Gäste mit den Herausforderungen des Lebens nicht lösen, aber sie ist ein Beitrag zur Linderung und kann auch Mut machen. Die Wohnungslosen und Bedürftigen der Stadt brauchen jedoch eine verlässliche soziale Unterstützung.

Wie wichtig Ehrenamt in einer Metropole wie Frankfurt ist, habe ich in den 18 Jahren, die ich nun hier lebe immer wieder gespürt. Die Bereitschaft sich zu engagieren durchdringt viele Bereiche, ob nun Schule, Kirche oder Sportvereine.

Meine schönste Erfahrung in dieser Hinsicht war vor zwei Jahren, als ich das große Glück hatte, zur BürgerAkademie, einem einjährigen Kurs der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, eingeladen zu werden und einmal im Monat die Möglichkeit erhielt, mich mit weiteren 23 Ehrenamtlichen fortzubilden und weiter zu vernetzen. Unter der engagierten Führung von Konrad Dorenkamp und von Arnika Senft liebevoll organisiert, ist in einem Jahr BürgerAkademie eine Gemeinschaft entstanden, die auch nach dem Ende des Kurses spürbar fortbesteht und für mich eine wahre Bereicherung darstellt.

BürgerAkademiker mit großem Engagement

Ich habe in dieser Gruppe Menschen aus den verschiedensten Bereichen kennen und schätzen gelernt, ihr Einsatz war und ist für mich inspirierend. Danielle Wendel-Baumert zum Beispiel brachte im Rahmen ihrer Arbeit bei der Kirchengemeinde St. Bonifatius regelmäßig kleine Babys zu unseren Workshops mit, um deren Müttern eine Auszeit zu gönnen. Sie begleitet junge Frauen in ihrem Alltag, sei es bei der Wohnungssuche, beim Umzug oder dem Gang zu Ämtern.

Slata Isselstein, ehrenamtliche Hospizbegleiterin im familiären Umfeld, begleitet im Rahmen des ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes Frankfurt / Rhein-Main lebensverkürzend erkrankte Kinder und Jugendliche mit ihren Familien. Ihr Engagement erfüllt mich persönlich immer wieder mit Ehrfurcht, da ich nicht weiß, ob ich die Kraft hätte, eine solche Aufgabe zu übernehmen.

Silke Burkhart wiederum engagiert sich bei den Maltesern und bietet Workshops in Schulen an, um Jugendlichen beizubringen, umsichtig mit ihrem eigenen Geld umzugehen und der Gefahr einer frühen Überschuldung vorzubeugen.

Ehrenamt ist vielfältig und wertvoll

Diese wenigen Beispiele aus meinem Bürgerakademie-Jahrgang 2014/2015 zeigen, wie wertvoll und vielfältig Ehrenamt ist. Ich würde am liebsten alle Ehrenämter aufzählen, da jedes einzelne in seiner Art besonders ist.

Gerade eine Stadt wie Frankfurt am Main mit hohem Zuzug und starkem Migrationsanteil braucht das Ehrenamt auch künftig, damit die Integration und ein gutes Zusammenleben ganz unterschiedlicher Lebenssituationen und Perspektiven gelingen können.

Dieser Text stammt aus der Ausgabe 2/2016 der Polytechnik, dem Stiftungsmagazin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie finden Sie zum Download in unserer Mediathek. Ein kostenfreier Postversand der Druckausgabe ist ebenfalls möglich. Schreiben Sie uns dafür eine E-Mail an info@sptg.de mit Angabe Ihrer Anschrift.

Georgia von Holtzapfel.

Über die Autorin

Georgia von Holtzapfel arbeitet seit 2001 ehrenamtlich für die Obdachlosenspeisung und den monatlichen Brunch der St. Katharinenkirche. 2014 wurde sie in die IV. Generation der BürgerAkademie (2014/2015) aufgenommen.


Grüße des Vorstands zum Jahresausklang

Liebe Besucher,

ein gesellschaftspolitisch unruhiges Jahr geht zu Ende. Die Polytechnische Stiftung konnte gerade in unruhiger Zeit einige nützliche Beiträge zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten – ob es unsere StadtteilBotschafter waren, die in den Stadtteilen aktiv waren, oder unsere jungen Kollegiaten aus dem Kolleg für junge Talente, die einfach ansteckend wach und interessiert sind, oder auch unsere DeutschSommer-Kinder, die zeigen, wie viel Spaß man mit unserer deutschen Sprache haben kann. Nicht zu vergessen: 200 Jahre Polytechnische Gesellschaft, unsere große Stifterin!

Eines ist sicher: 2017 gibt es genug zu tun. Dazu brauchen wir Charakterfestigkeit, Verstand, Vernunft  und Kraft.

Allen Freunden und Partnern unserer Stiftung – frohe Weihnachten und einen guten Jahresausklang!

Ihr Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt und Johann-Peter Krommer


Vortrag von Prof. Dr. Hélène Miard-Delacroix im Rahmen der Alfred Grosser-Gastprofessur

Die französische Historikerin und Politikwissenschaftlerin Hélène Miard-Delacroix hält im Rahmen der Alfred Grosser-Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt einen Vortrag zum Thema "Getrennte Wege oder einig im Wandel? Deutschland und Frankreich vor den Herausforderungen der Demokratie".

Immer wieder wird behauptet, die Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich seien heute so groß wie nie zuvor. Es gibt dafür zahlreiche Argumente, etwa den sich vergrößernden wirtschaftlichen Abstand zwischen der "erfolgreichen, global angepassten und weltoffenen" Bundesrepublik und dem "reformscheuen, verkrampften und nun vom Terrorismus gebeutelten" Frankreich.

Der Aufstieg des radikalen Front National im Kontext der misslungenen Integration von Zugewanderten lässt Sorgen um die Stabilität der französischen Demokratie aufkommen.
Auf der anderen Seite sind Deutschland und Frankreich heute, trotz nationaler Unterschiede in der parlamentarischen Praxis und der politischen Kultur, als Demokratien mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert.

Sich auflösende politische Milieus und veränderte Formen der Partizipation begleiten ein gewandeltes Wählerverhalten, ein komplexitätsreduzierendes politisches Angebot und die Bildung neuer Fronten. Wie unterschiedlich also sind Deutschland und Frankreich tatsächlich?

Der Eintritt zum Vortrag ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

 

Die Alfred Grosser-Gastprofessur wird durch eine Förderung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ermöglicht.

Daten der Veranstaltung:

Datum: Mittwoch, 18. Januar 2017, 19 Uhr
Ort: Renate-von-Metzler-Saal, Cas 1.801, Casino-Gebäude Campus Westend,
Adresse: Nina-Rubinstein-Weg 1, 60323 Frankfurt am Main.
Eintritt: frei

(Foto: privat)

Foto: privat

Über Hélène Miard-Delacroix

Hélène Miard-Delacroix ist Universitätsprofessorin für deutsche Zeitgeschichte an der Université Paris-Sorbonne, Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Historikerkomitees sowie Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und des Ordre des Palmes Académiques. 

(Bild: Alain Mandel)


"Mr. X" beschenkt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft erneut mit einer Großspende

Alle Jahre wieder: Wie bereits in den letzten Jahren ist bei der Stiftung Polytechnische Gesellschaft pünktlich zu Weihnachten eine Großspende in Höhe von 350.000 Euro von "Mr. X" eingegangen.

Der Geber ist ein Bürger, der anonym bleiben möchte. Bereits seit 2007 ist er ein treuer Weggefährte der Stiftung. Bereits mehrfach hat er das Präventionsprojekt Willkommenstage in der frühen Elternzeit unterstützt, für das auch die diesjährige Spende überwiegend eingesetzt wird.

Die Willkommenstage sind ein innovatives Konzept der präventiven Familienbildung. Sie richten sich an Familien, die im ersten Lebensjahr ihres Kindes besonderen Unterstützungsbedarf haben, aber allein nicht den Weg in die Familienbildungsstätten finden. Erstmals durchgeführt wurden sie 2008: "Jedes Jahr werden an drei von vier Standorten der Frankfurter Familienbildungsstätten jeweils zwölf Familien in das Programm aufgenommen. Die Willkommenstage haben eine für Präventionsprojekte ungewöhnlich große Wirkung und sind in Fachkreisen anerkannt", bilanziert der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. Die teilnehmenden Familien werden von acht professionellen Familienbegleiterinnen und vier Väterpädagogen betreut.

Partner des Projekts sind die Katholische Familienbildung Frankfurt, das Internationale Familienzentrum e. V., das Zentrum Familie im Haus der Volksarbeit e. V., das FrauenGesundheitsZentrum e. V. als Träger der Familienbildung im KiFaz Fechenheim sowie die Stadt Frankfurt.

Ergänzt werden die Willkommenstage durch das Programm Babylotse, mit dessen Hilfe an drei Frankfurter Geburtskliniken eine systematische Früherkennung und -vermittlung sozial belasteter Familien erfolgt.

(Text: Miriam Mandryk)


Rosl und Paul Arnsberg-Preis und Arno Lustiger-Förderpreis: feierliche Verleihung

Dr. Alexandra Klei ist für ihre Arbeit zum Thema "Jüdisches Bauen in Nachkriegsdeutschland: Der Architekt Hermann Zvi Guttmann“ mit dem Rosl und Paul Arnsberg-Preis 2016 ausgezeichnet worden.  Dr. des. David Schnur wurde für seine Arbeit "Geschichte der Juden in Frankfurt am Main und der Wetterau von den Anfängen bis um 1400" mit dem erstmals vergebenen Arno Lustiger-Förderpreis prämiert.

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main ehrt herausragende Forschungen zur Geschichte des jüdischen Lebens in Frankfurt.

Dr. Alexandra Klei – seit 2014 assoziiertes Mitglied am Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg – beleuchtet mit ihrer Arbeit einen Zeitraum der jüdischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, der unter architekturhistorischen Aspekten bislang wenig erforscht worden ist.

Sie untersucht die Entstehung neuer Räume, die – so Klei – der Öffentlichkeit entzogen waren. In diesen Räumen kam nicht nur die Übergangssituation jüdischen Lebens im Nachkriegsdeutschland zum Ausdruck; sie entstanden auch in Reaktion auf die Schwierigkeiten der deutschen Öffentlichkeit im Umgang mit den jüdischen Überlebenden der Schoah.

Als einer der wenigen jüdischen Architekten, die in der Nachkriegszeit tätig waren, eröffnete Hermann Zvi Guttmann Anfang der 1950er-Jahre ein Architekturbüro in Frankfurt. Guttmann engagierte sich für die jüdische Gemeinde seiner Wahlheimat und verwirklichte eine Vielzahl an Bauprojekten sowohl in Frankfurt als auch in anderen deutschen Städten.

"Doppelter Beitrag zur Erforschung der jüdischen Geschichte Frankfurts"

"Frau Klei liefert mit ihrer Studie einen doppelten Beitrag zur Erforschung der jüdischen Geschichte Frankfurts. Neben den Bedingungen und Möglichkeiten, unter denen jüdische Architekten in der Bundesrepublik arbeiteten, beleuchtet sie am Beispiel des Wirkens von Guttmann die nach wie vor wenig erforschte Geschichte der jüdischen Gemeinde, die in Frankfurt nach der Schoah entstand“, so die Begründung der Jury unter Vorsitz von Dr. Mirjam Wenzel, der Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main.

Arno Lustiger-Förderpreis erstmals vergeben

Im Andenken an den Historiker und Publizisten Prof. Dr. Arno Lustiger, der ebenfalls maßgeblich zur Erforschung des jüdischen Lebens in Frankfurt beigetragen hat, ergänzt die Stiftung den Rosl und Paul Arnsberg-Preis im Jahr 2016 erstmals um den Arno Lustiger-Förderpreis.

Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung wird für eine Dissertation oder ein Dissertationsvorhaben vergeben und geht in ihrem ersten Jahr an Dr. des. David Schnur für seine Arbeit "Geschichte der Juden in Frankfurt am Main und der Wetterau von den Anfängen bis um 1400".

14.000 Quellen

Die Jury begründete ihre Entscheidung folgendermaßen: "Die Studie besticht durch die akribische Erschließung einer außergewöhnlich breiten Quellenlage zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte. Dr. des. Schnur hat in circa fünfzig bundesdeutschen und internationalen Archiven und Bibliotheken etwa 14.000 relevante Quellen ermittelt, die noch nicht in die bisherig Standardliteratur eingeflossen waren. Seine Arbeit ermöglicht weiterführende Einsichten in die Sozial-, Wirtschafts- und Alltagsgeschichte der Jüdischen Gemeinde als Teil der allgemeinen Geschichte der Reichs- und Messestadt Frankfurt am Main. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei der ausgezeichneten Arbeit um ein zukünftiges Standardwerk zur Geschichte des spätmittelalterlichen Judentums in Frankfurt handelt."

"Rosl und Paul Arnsberg, denen zu Ehren der Preis gestiftet wurde, stehen in vorbildlicher Weise für die Vergegenwärtigung des jüdischen Erbes Frankfurts", betonte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. Unermüdlich habe Paul Arnsberg (1899-1978) Forschungen über die Rolle der Juden in Frankfurt und Hessen angestellt und dazu Standardwerke verfasst. Seine Frau Rosl (1908-2010) unterstützte ihn dabei nachhaltig. "Jüdische Bürger haben traditionell eine herausragende Rolle bei der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in Frankfurt gespielt, das Mäzenatentum geprägt und den Fortschritt der Stadt gefördert", so Kaehlbrandt weiter. Das Bewusstsein dafür zu schärfen und die Kenntnis darüber zu mehren, sei der Zweck des Preises, der 2016 zum fünften Mal vergeben worden ist.

Auf Anregung von Prof. Dr. Arno Lustiger (1924-2012) wurde er anlässlich des 100. Geburtstags von Rosl Arnsberg 2008 gestiftet und seitdem alle zwei Jahre vergeben.

Die Jury im Jahr 2016:

  • Dr. Mirjam Wenzel (Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Vorsitz)
  • Dr. Gad Arnsberg (Historiker, Ramat Gan)
  • Dr. Evelyn Brockhoff (Leitende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)
  • Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt (Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft)
  • Walther von Wietzlow (Präsident der Polytechnischen Gesellschaft e. V.).

Die Galerie mit Bildern der Veranstaltung finden Sie in unserer Mediathek

Die Preisträger: Dr. Alexandra Klei, Dr. des. David Schnur.


Kommentar: Die Zumutung der Aufklärung

Von der Pflicht, selbst zu denken: Kai Hüwelmeyer, MainCampus-Stipendiat der 5. Generation, erläutert in seinem Kommentar, warum die Aufklärung keine einmalige Leistung ist. Hüwelmeyer ist diplomierter Physiker und macht derzeit seinen Magister in Philosophie.

Was ist Aufklärung? Nach wie vor ist sie vielen Europäern ein Bezugspunkt, jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Ein Beispiel: Während sie weiten Teilen des klassischen Bildungsbürgertums nach wie vor als Norden unseres moralisch-politischen Kompasses dient, wird sie von manchen Bürgern zur pauschalen Islamkritik zweckentfremdet, wenn ohne jegliche Differenzierung gefordert wird, der Islam solle zunächst seine eigene Aufklärung leisten.

Zu bedenken gebe ich hier zweierlei: Einerseits beteiligen sich arabische Intellektuelle an Debatten über den Status des Islam. Sie nehmen dafür Risiken für Leib, Leben und Familie in Kauf, "die kein westlicher Intellektueller sich vorstellen kann", um es mit den Worten Tahar Ben Jellouns zu sagen.

Zum anderen scheint vorausgesetzt, dass die Aufklärung eine vollendete Leistung der Europäer war. Aber kann man mit der Aufklärung überhaupt fertig sein? Ohne aufklärerische Errungenschaften in Frage stellen zu wollen, möchte ich mich hier mit der Idee auseinandersetzen, dass die Aufklärung primär eine Art des Denkens und nicht ihr Ergebnis ist.

Kant als Berater

In dieser Sache lasse ich mich von jemandem beraten, der für seine "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?" viel Zuspruch bekam: Immanuel Kant. "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit", heißt es im ersten Satz jenes Aufsatzes.

Die beklagte Unmündigkeit sei "Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen". Auch zu den Ursachen bietet Kant eine Diagnose, die zugleich Vorwurf und Aufforderung ist: "Faulheit und Feigheit" hätten die Menschen dazu gebracht, sich in ihrer Unmündigkeit bequem einzurichten. Der Appell gewinnt daher seinen Wortlaut: "sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!"

In diesem Imperativ steckt eine provokante Kernbotschaft. Sie ist denjenigen entgegenzuhalten, die meinen, wir hätten die Aufklärung bereits geschafft: Aufklärung ist keine einmalige Errungenschaft, sondern eine ständige Zumutung. Was bedeutet das?

Unübersichtliche Zeit

Bedingt durch rasante technologische Entwicklungen leben wir in einer unübersichtlichen Zeit. Distanzen schrumpfen und Trennungen verschwimmen: Informationen sind in einer Fülle und Geschwindigkeit zugänglich, die den Zeitgenossen der Aufklärung Schwindel bereitet hätte.

Darüber hinaus bewegt sich die Menschheit in einem Ausmaß über den Globus, das seinesgleichen sucht. Die Konsequenzen dieser Entwicklung, obwohl erfahrbar, sind noch nicht in ihrem vollen Umfang erfasst: Gesellschaften werden pluraler. Das betrifft sowohl die Überzeugungen ihrer einzelnen Mitglieder, als auch ihre kulturelle Zusammensetzung. In genau diesem ursprünglichen Wortsinne ist Multikulturalität nicht tot, sondern Tatsache.

Gerade in solchen unübersichtlichen und komplexen Zeiten sehnen die Menschen sich nach einfachen Antworten. Zusammenhänge zu untersuchen, in Debatten zu differenzieren und keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen, erfordert aber Geduld und ständige Anstrengung.

Mut zur Veränderung

Veränderungen in Kauf zu nehmen, sich von Dogmen zu lösen, dabei Grundgesetz und Rechtsstaatlichkeit für jeden zu verteidigen, die Ansprüche anderer anzuerkennen, das Fremde und Neue nicht zu fürchten, aufzustehen, einfachen Lösungen zu widersprechen, den öffentlichen Raum mitzugestalten, das erfordert Mut.

Genau das bedeutet es aber, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Der Faulheit die Anstrengung der Vernunft und der Feigheit den Mut entgegenzusetzen, darin besteht das speziell Unbequeme, darin besteht die Zumutung der Aufklärung.

Dieser Text stammt aus der Ausgabe 2/2016 der Polytechnik, dem Stiftungsmagazin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie finden Sie zum Download in unserer Mediathek. Ein kostenfreier Postversand der Druckausgabe ist ebenfalls möglich. Schreiben Sie uns dafür eine E-Mail an info@sptg.de mit Angabe Ihrer Anschrift.

(Bild: Uwe Dettmar)

Kai Hüwelmeyer.


200 Jahre Polytechnische Gesellschaft: Interview mit dem Präsidenten

StadtteilBotschafterin Michelle Schröder im Gespräch mit Walther von Wietzlow, dem Präsidenten der Polytechnischen Gesellschaft, und seiner Stellvertreterin Dr. Birgit Sander.

Die Polytechnische Gesellschaft wird 2016 zweihundert Jahre alt. Mit welchen Zielen wurde sie gegründet?

Walther von Wietzlow – Polytechnik bedeutet "Vielfalt der Fähigkeiten". Wesentliche Zielsetzungen der Polytechniker waren von Beginn an, Lebensumstände, Leistungsfähigkeit und technischen Fortschritt der Frankfurter durch mehr Bildung und starkes soziales Engagement zu verbessern – gerade auch der bildungsferneren Schichten – so würde man heute sagen.

Unsere Gründer waren Naturwissenschaftler, Handwerker, Mediziner – eine bunte Mischung in ihrer Zeit sehr modern denkender Leute. Hohe soziale Kompetenz und humane Grundeinstellungen waren ihre Triebfedern: Die Polytechniker wollten die frühliberalen Ideen, die von der Französischen Revolution ausgingen, hier in Frankfurt als Frankfurter Bürger umsetzen. Dieser liberale Lebensentwurf der Gründer zieht sich wie ein roter Faden durch unsere 200-jährige Geschichte.

Sind die polytechnischen Ziele und Werte heute noch dieselben wie damals?

Dr. Birgit Sander – Wir sind unseren Zielen und Werten treu geblieben, bewerten sie aber vor den aktuellen gesellschaftlichen Hintergründen. Spielte etwa früher die beginnende Industrialisierung eine wichtige Rolle, ist es heute die digitale Welt. Andererseits sind Themen wie Bildung, Soziales und Innovation ungebrochen von Interesse. Auch unsere Werte – wie Toleranz, Unterstützung der Schwachen und Würdigung der Leistungsträger – sind zeitlos. Auf dieser Ebene überlegen wir uns, was man für eine Stadtgesellschaft tun kann, die heute multikulturell und heterogen ist.

Walther von Wietzlow – Wichtig ist dabei die Offenheit für Neues, für Menschen und Entwicklungen. Diese Offenheit wollen wir "Polytechniker" nicht nur als Plakativ mit uns herumtragen, sondern leben. Wir verstehen uns als Kinder der Aufklärung. Und die Aufklärung ist ein Prozess, der immer noch nicht beendet ist. Die Regeln der Vernunft und der Toleranz entwickeln sich weiter, und deshalb ist die so verstandene Aufklärung heute noch genauso aktuell wie 1816.

Auf welche Weise setzt die Gesellschaft heute die polytechnischen Werte um?

Dr. Birgit Sander – Unsere sieben Tochterinstitute verkörpern sie auf ganz unterschiedlichen Gebieten: Das Kuratorium Kulturelles Frankfurt, der Kunstgewerbe- und der Kammermusikverein stehen für Kunst und Kultur, das Institut für Bienenkunde und die Wöhler-Stiftung für Wissenschaft und Technik und die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte für das Soziale.

Walther von Wietzlow – Und dann kommt natürlich die Stiftung Polytechnische Gesellschaft dazu, die die polytechnischen Ziele als Mehrspartenstiftung besonders effizient verfolgt. Mit den 397 Millionen Euro, mit denen sie 2005 nach dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse von 1822 gegründet wurde, hat sie in den zehn Jahren ihres Bestehens ihre Aufgabe als "Werkbank für die Stadtgesellschaft" bestens und kreativ gelöst und ist zum operativen Arm polytechnischer Aktivitäten in der Stadt geworden.

Was war der genaue Anlass der Stiftungsgründung?

Walther von Wietzlow – Es war der Wunsch, Kräfte zu bündeln, um in den klassischen polytechnischen Bereichen Bildung, Soziales, Kultur und Wissenschaft noch mehr für Frankfurt tun zu können. Dass mein Vorgänger, Professor Dr. Klaus Ring, dazu die Gründung einer neuen Stiftung wählte, war ausgesprochen weitsichtig. Heute ist sie aus dem bürgerschaftlichen Leben Frankfurts gar nicht mehr wegzudenken – denken Sie nur an die wichtigen Projekte der Kultur- und Sprachintegration von Kindern aus den unterschiedlichen Migrantenmilieus.

Dr. Birgit Sander – Wenn man ein solches Finanzvolumen zur Verfügung hat, muss man es in professionelle Hände geben. Und diese sind beim Stiftungsteam gegeben.

Ist das Verhältnis zwischen "Mutter" und "Tochter" heute sehr eng?

Walther von Wietzlow – Auf jeden Fall, denn in gewisser Weise sind wir die Stiftung: Die Polytechniker sind die Stifter, und es ist Geld der Polytechnischen Gesellschaft, das in die Gründung der Stiftung geflossen ist. Es gibt eine Stifterversammlung als höchstes Gremium, und alle Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft gehören ihr an. So entsteht ein ganz enges Band der Identifikation. Auch die Verzahnung zwischen den Ämtern ist eng und die Kommunikation zwischen den Gremien der Stiftung und der Polytechnischen Gesellschaft ist sehr intensiv und kollegial. Der Vorstand der Polytechnischen Gesellschaft ist über die Aktivitäten der Stiftung hervorragend informiert.

Dr. Birgit Sander – Außerdem profitiert die Stiftung in vielerlei Hinsicht von den Polytechnikern, weil sich viele von ihnen in der Stiftung ehrenamtlich engagieren.

Welchen Zukunftsaufgaben will sich die Polytechnische Gesellschaft stellen?

Dr. Birgit Sander – Wir wollen zunächst die Mitglieder der Gesellschaft noch stärker miteinbeziehen. Unter ihnen gibt es so viele kluge Leute und Experten auf unterschiedlichsten Gebieten – ihren Ideen und Gedanken würden wir gerne Raum geben.

Walther von Wietzlow – Die Polytechnische Gesellschaft, ihre Mitglieder und ihre sieben Tochterinstitute verstehen sich nach wie vor als Impulsgeber für Innovationen. Wir wollen Fortschritt fördern, gesellschaftliche Notwendigkeiten erkennen und entsprechend reagieren.

Wie kann die Stiftung Sie dabei unterstützen?

Dr. Birgit Sander – Ich kann mir die Stiftung sehr gut als Impulsgeber und in manchen Bereichen auch als Berater für die Polytechnische Gesellschaft vorstellen.

Walther von Wietzlow – Das ist immer ein Dialog und ein Miteinander. Die Stiftung hat mir ihren kreativen und professionellen Mitarbeitern weitergehende Möglichkeiten, Entwicklungen einzuleiten, als wir, die wir ausschließlich ehrenamtlich tätig sind. Gemeinsam wissen wir, dass gerade das 21. Jahrhundert ein starkes, vielfältiges Bürgertum benötigt.

Dieser Text stamm aus der Ausgabe 2/2016 der Polytechnik, dem Stiftungsmagazin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Sie finden Sie zum Download in unserer Mediathek. Ein kostenfreier Postversand der Druckausgabe ist ebenfalls möglich. Schreiben Sie uns dafür eine E-Mail an info@sptg.de mit Angabe Ihrer Anschrift.

(Bild: Philip Eichler)

Der Präsident und seine Stellvertreterin: Walther von Wietzlow, Dr. Birgit Sander.


Stiftungs-Stipendiaten und -Alumni ausgezeichnet

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung der Stadt Frankfurt wurden 50 herausragende Persönlichkeiten mit Migrationshintergrund ausgezeichnet. Darunter waren vier MainCampus-Stipendiaten und -Alumni sowie ein ehemaliger StadtteilBotschafter der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Voahanginirina Randriamboavonjy, Zuzana Slavkoská, Oleg Boguslawski und Carmen Moreno Mínguez sind aktive und ehemalige MainCampus-Stipendiaten, Tarek Tony Stadtteilbotschafter des Jahrgangs 2013/2014. Sie alle wurden für ihre herausragenden Leistungen in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Wirtschaft sowie für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Carmen Moreno Mínguez ist aktive MainCampus doctus-Stipendiatin. Sie promoviert zum Thema "Die Solidaritätsbewegung mit Lateinamerika in den 1970er und 1980er Jahren: Ein europäisches Phänomen?" an der Goethe-Universität. Neben ihren bemerkenswerten Leistungen an der Universität engagiert sich die Spanierin noch sozial, sie hat in Bockenheim ein Begegnungscafé für die Arbeit mit Flüchtlingen aufgebaut und organisiert eine Frauengruppe und Kinderbetreuung.

Oleg Boguslawski ist seit März 2016 MainCampus academicus-Stipendiat. Der Chemieingenieur und Vater zweier Kinder, der derzeit berufsbegleitend seinen Master in Chemie macht, engagiert sich vielfältig über Familie und Beruf hinaus: Er ist Schachgroßmeister und vermittelt sein Wissen gerne an Kinder des Schachvereins Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar e. V. weiter.

Zuzana Slavkovská war Stipendiatin im MainCampus academicus-Programm. Sie promoviert in der Physik und hat mit ihrem gemeinnützigen Projekt "Rätselhaftes Frankfurt" besondere Orte vorgestellt und Ausstellungsrundgänge an der Goethe-Universität organisiert. Zudem hat die Absolventin der Musikschule Poprad diverse Auszeichnungen bei Klavierwettbewerben gewonnen, etwa den ersten Platz beim slowakischen Klavier-Nationalwettbewerb Schneider Trnava in der Kategorie "Vierhändiges Klavierspiel" mit Eva Kukurová sowie den Preis für die beste Interpretation eines Klavierstückes (M.Novák: Blues).

Voahanginirina Randriamboavonjy stammt aus Madagaskar und gehörte 2008 zu den ersten fünf Stipendiaten im MainCampus educator-Programm. Die Physiologin hat im Rahmen des MainCampus-Stipendiums ein interdisziplinäres Kolloquium der Stipdendiaten angeregt und mit Anderen zusammen realisiert. Heute ist sie Privatdozentin und Mutter zweier Kinder.

Tarek Tony hat mit seinem Programm "Lass Dampf ab" im Rahmen des StadtteilBotschafter-Programms in den Schulferien Boxcamps für Mädchen und Jungen angeboten. Das Ziel der Camps war es, Kinder verschiedener Herkunft zu stärken und sie körperlich fit zu machen. Tony absolviert derzeit seinen Master-Abschluss in Business Administration.

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft freut sich über die Auszeichnung seiner Stipendiaten und Alumni und gratuliert herzlich.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth)

Freuen sich über die Auszeichnung: Der Vorsitzende der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnen Vertretung, Jumas Medoff, Dr. habil. Wolfgang Eimer, Bereichsleiter Wissenschaft und Technik, Zuzana Slavkoská, Carmen Moreno Mínguez, Tarek Tony, Voahanginirina Randriamboavonjy und Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, Stiftungsvorsitzender (v.l.n.r.). Es fehlt: Oleg Boguslawski.


Impulse für die Tüftler von morgen

Am Gymnasium Riedberg werden 17 Schüler zu Junior-Ingenieuren. Das Themenfeld ist dieses Mal die Orthopädietechnik.

Wie funktionieren Muskeln? Wie misst man die biophysikalisch-chemischen Prozesse, die ihre Aktivität ermöglichen? Wie lässt man sich von der Funktionsweise gesunder Muskulatur beim Bau von Prothesen inspirieren? Viel neues Wissen rund um diese Fragen erarbeiten sich künftig 17 Achtklässler, 6 Schülerinnen und 11 Schüler, des Frankfurter Gymnasiums Riedberg.

Zwei Jahre lang lernen sie im Wahlpflichtunterricht den Themenkomplex Orthopädietechnik und Prothetik kennen. Am Ende wollen die Junior-Ingenieure genau wissen, wie eine funktionsfähige Prothese gebaut wird – genauer gesagt eine sogenannte myoelektrische Prothese, die sogar die natürliche Funktionsweise der Muskulatur nachahmt.

Mit dem Start der Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) am Gymnasium Riedberg wächst das Frankfurter Netzwerk auf vier Gymnasien an. Jedes von ihnen hat seinen eigenen Themenschwerpunkt festgelegt. An der Ziehenschule sind es Robotik und Bionik, an der Wöhlerschule die regenerativen Energien und an der Elisabethenschule ist es die Lebensmitteltechnologie.

Mit vier Junior-Ingenieur-Akademien in einer Stadt nimmt Frankfurt einen Spitzenplatz in Deutschland ein. Auch das Ziel, Schüler vermehrt zur Wahl von MINT-Fächern zu motivieren, geht auf: An den drei Schulen mit langjähriger JIA-Erfahrung haben bislang im Verhältnis doppelt so viele Junior-Ingenieure Leistungskurse im MINT-Bereich gewählt wie ihre Mitschüler. Zudem sind rund 35 Prozent der Teilnehmer Mädchen.

"In Deutschland herrscht nach wie vor ein Fachkräftemangel in den technischen Berufen. Dem wollen wir begegnen", hält Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, fest. "Obwohl die Perspektiven in diesen Berufen groß sind, entscheiden sich viele junge Menschen für andere Karrieren. Ein Grund dafür sind oft fehlende Kenntnisse darüber, was sich hinter wissenschaftlichen oder technischen Berufsbildern verbirgt. Diese Lücke schließt die Junior-Ingenieur-Akademie, denn sie fördert sowohl die Berufsorientierung, als auch die technische Allgemeinbildung."

Die Akademie wurde 2005 von der Deutsche Telekom Stiftung ins Leben gerufen und findet aktuell an 79 Schulen in 13 Bundesländern statt. Ihre Durchführung in Frankfurt wird seit sieben Jahren gemeinsam von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Telekom-Stiftung ermöglicht.

"Die Inhalte der Ingenieursberufe erleben die Junior-Ingenieure ganz praxisnah: dank der Vernetzung von Schule, Wirtschaft und Wissenschaft", erklärt Tobias Ullrich, Projektleiter der Akademie. "Deshalb begegnen die Schüler dem Thema ‚Orthopädiemechanik‘ auch auf drei Ebenen: In der Schule findet der Theorieunterricht statt. An der Goethe-Universität erhalten sie einen zum Thema passenden Einblick in die Ausbildung von Ingenieuren, Technikern und Wissenschaftlern. Und bei Betriebsbesichtigungen, Workshops und Praktika in der Wirtschaft erhalten sie zusätzliche Möglichkeiten anschaulichen, praxisnahen Lernens."


Projekttransfer des Diesterweg-Stipendiums nach Berlin

Seit Beginn des aktuellen Schuljahres begleitet und fördert das Diesterweg-Stipendium erstmalig begabte Kinder und ihre Eltern auch in Berlin-Spandau.

Damit ist die Bundeshauptstadt der zehnte Projektstandort des von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main initiierten Familienbildungsstipendiums.

Die ersten acht Berliner Familien wurden Donnerstagabend in einer feierlichen Auftaktveranstaltung in das zweijährige Stipendium aufgenommen. "Der Ansatz des Stipendiums ist deutschlandweit relevant. Da wir mit unserer Arbeit auf Frankfurt fokussiert sind, freuen wir uns sehr über die Projektausweitung nach Berlin", sagt Professor Dr. Roland Kaehlbrandt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Getragen wird das Diesterweg-Stipendium in Berlin von der Arbeiterwohlfahrt Berlin-Spandau, die Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH unterstützt sie dabei. Schirmherr des Diesterweg-Stipendiums in Berlin ist der Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank, der den Stipendiaten-Familien ebenfalls gute Wünsche mit auf den Weg gibt: "Ich freue mich sehr über das Engagement der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hier in Spandau. Dadurch können an drei Spandauer Schulen Schülerinnen und Schüler mit ihren Familien gefördert werden. Ich wünsche den Stipendiaten alles Gute für ihre zukünftige Schullaufbahn."

Silke Andresen-Kienz, kaufmännische Geschäftsführerin der Berlinovo Immobilien Gesellschaft mbH, begründet das Engagement der Gesellschaft folgendermaßen: "Als großer Immobiliendienstleister in Berlin steht Berlinovo für Fairness, soziale Verantwortung und Standortkompetenz. Zum unternehmerischen Bekenntnis zu Berlin gehört neben der Bereitstellung von Wohnangeboten für Menschen mit besonderen sozialen Bedürfnissen auch das Engagement von sozialen Projekten in den Kiezen. Daher haben wir die Anregung der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, das Diesterweg-Stipendien-Programm in Spandau als Pilotprojekt für Berlin umzusetzen, gerne unterstützt."

Über das Diesterweg-Stipendium

Das Diesterweg-Stipendium ist das erste Bildungsstipendium für Familien in Deutschland. 2008 von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft initiiert und benannt nach dem Begründer der Volksschule und Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft e. V., Adolph Diesterweg (1790-1866), bietet es Viertklässlern gezielte Förderung beim Übergang in die weiterführende Schule und begleitet die Kinder und ihre Eltern mit einem breit gefächerten Bildungsprogramm. Berlin ist der neunte Standort, das Diesterweg-Stipendium wird bereits in Darmstadt, Offenbach, Dortmund, Duisburg, Hannover, Osnabrück und Hamburg durchgeführt.

Über Frankfurts Stadtgrenzen hinaus

Projekttransfer heißt diese Facette der polytechnischen Stiftungsarbeit, die aber nicht nur in der überregionalen Verbreitung von Projekten besteht. Der Transfer kann sich auch auf anderen Ebenen abspielen: Etwa innerhalb der Stadt Frankfurt, wenn eines der Stiftungsprojekte in die Hände eines neuen Trägers übergeben wird, oder aber wenn das Know-how, das sich Stipendiaten in den Fortbildungen der Stiftung erworben haben, in die Praxis von Vereinen oder anderen Institutionen einfließt. Alles weitere dazu finden Sie im dazugehörigen Artikel.

(Text: Miriam Mandryk)


Samstagsschule: Mit Verve, Charme und Überzeugungskraft

Sie kamen, um zu überzeugen: Die 15 Gesellen der Samstagsschule für begabte Handwerker haben am Dienstagabend in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer Frankfurt am Main mit viel Kreativität und Begeisterung ihre fünf Projektideen präsentiert.

Jedoch war es nicht das Ziel des Abends, Kapital zu sammeln und so die Finanzierung des Projekts zu stemmen. Vielmehr stand die Präsentation an sich im Vordergrund, das freie Reden der sieben jungen Damen und acht Herren vor Publikum und das glaubhafte Vermitteln der Details der Projekte - die allesamt fiktiv waren.

Trotzdem – oder gerade deswegen – haben sich die Nachwuchs-Entrepreneure, die im wahren Leben Sattler, Schreiner oder Konditoren sind, jedes kleine Detail genauestens überlegt: Angefangen von den Fertigungsstätten hin zu den Versorgungsketten bis zur Finanzierung wurde dem Publikum jedes kleine Detail offengelegt, Infobroschüren verteilt und auch kritische Fragen aus dem Plenum beantwortet, etwa ob das veranschlagte Investitionsvolumen realistisch sei oder ob es für das ein oder andere Produkt nicht auch andere mögliche Einsatzarten gäbe.

Tolle Ideen, die nie umgesetzt werden

Die Ideen selbst hätten allesamt durchaus Potenzial gehabt, echte Investoren zu überzeugen: Hinter dem hawaiianischen Namen "Waipuna" etwa verbirgt sich die Idee, Schulranzen durch ein besonderes Gas-Gemisch in einem umschnallbaren Kissen leichter zu machen und so den Rücken von kleinen Grundschülern zu entlasten.

Entlastung ist auch das zentrale Thema beim Liftbuddy 2.0, einem motorisierten Transportmodul. Er transportiert schwere Lasten automatisiert auf Baustellen und soll sogar Treppen steigen können. Im Gegensatz zum Liftbuddy würde es mit dem Visier "E.R.I.C.A" rasant zu Werke gehen: Das modulare Gerät soll nach Vorstellung der Erfinder Motorradfahrern Infos wie Geschwindigkeit, Wetterverhältnisse und die gewünschte Route direkt auf das Headsup-Display zaubern und so für mehr Sicherheit sorgen.

Sicherheit dank "FlexTex"

Sicherheit war ebenfalls ein Aspekt bei "FlexTex": In Stoff eingearbeitete LED bringen Licht in dunkle Arbeitsumgebungen, etwa auf dem Rollfeld oder bei Einsätzen auf der Autobahn. Auch ließen sich nach Vorstellungen der kreativen Köpfe schmucke Möbel für zuhause auf diese Art und Weise produzieren.

Die smarte Brille "Aurora" schließlich sollte gemäß der Vorstellung des Projektteams nicht nur Distanzen und Größen messen können, sondern auch Baupläne direkt vor das Auge des Trägers projizieren.

Keine Angst vor der Zukunft

Überzeugende Ideen, die mit Verve und vor allem Begeisterung präsentiert wurden. Die 15 Stipendiaten wurden dementsprechend mit viel Applaus belohnt. Und eins steht fest: Wenn es drauf ankommt, sind alle 15 Stipendiaten künftigen Herausforderungen wie Produktpräsentationen vor dem Chef und Kollegen und Pitches vor Investoren locker gewachsen.

Der Samstagsschule für begabte Handwerker sei Dank. 

Eine Bildergalerie der Veranstaltung finden Sie in der Mediathek.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Fotos: Dominik Buschardt)


Auftakt des Diesterweg-Stipendiums: Kinder, die in den Himmel wachsen sollen

Mit einer feierlichen Zeremonie wurde die 5. Generation des Diesterweg-Stipendiums im Saalbau Gallus aufgenommen. 32 Kinder und deren Familien sind für die kommenden zwei Jahre Stipendiaten des Familienprogramms.

Kinderlachen schallt durch den Saalbau Gallus. Wohin man sieht, überall wuseln große und kleine Kinder durch den Saal, während die Eltern an den langen Tischreihen sitzen und sich miteinander unterhalten.

Und auch ein wenig Anspannung ist zu spüren. Kein Wunder, schließlich handelt es sich bei der Veranstaltung im Gallus um die Aufnahme der 5. Generation des Diesterweg-Stipendiums, dem Bildungsstipendium für Familien der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Noten verbessern und Spaß haben

"Ich möchte meine Noten verbessern", erklärt Mahalet, "eine Zwei und Drei sollen künftig eine Eins sein." Doch erhoffen sich die kleinen Stipendiaten nicht nur eine Verbesserung ihrer Zensuren: "Ich freue mich sehr auf die Ausflüge zur Wegscheide, da ist es voll super, und dass ich neue Freunde kennen lerne", konstatiert die neunjährige Aster. Der zehnjährige Rodi möchte später mal Gehirnchirurg werden - und weiß, dass er dafür gute Noten braucht. Dass seine sechsjährige Schwester ebenfalls an dem Stipendium teilnehmen darf, freut ihn sehr.

Kein Nachhilfeangebot

Allerdings ist das Diesterweg-Stipendium kein Nachhilfekurs, die Erfüllungspflicht liegt nach wie vor bei den Kindern selbst und ihren Eltern. Aber: "Die Idee des Diesterweg-Stipendiums ist, die Familie als Ganzes für die Bildung zu stärken", erläutert Stiftungs-Chef Professor Dr. Roland Kaehlbrandt im Rahmen seiner Ansprache an die Stipendiatenfamilien, "wir unterstützen Sie, die Eltern und die Kinder dabei, im deutschen Bildungssystem erfolgreich zu sein. Wir zeigen Bildungsorte in Frankfurt: Bibliotheken, Volkshochschule, Museen, Schülerlabor an der Uni; wir zeigen die schöne Umgebung Frankfurts. Es gibt Ferienkurse in Deutsch, Englisch, Mathe. Und nach den zwei Jahren gibt es ein weiteres Familienprogramm für Sie." Mentoren und die Hausbesuche durch das Diesterwegteam vervollständigen die Betreuung.

Eine Chance für die Familien

Eine große Chance für alle Beteiligten, die von den Teilnehmern sehr geschätzt wird: "Wir sind aus Hamburg nach Frankfurt gekommen, und dank des Diesterweg-Stipendiums haben wir die Möglichkeit, viele wichtige Informationen über die Bildungsstätten der Stadt zu erfahren", berichtet Frau Sahan, Mama einer Diesterweg-Stipendiatin. Herr Bostanci ergänzt: "Auch für unseren Jüngsten ist das Diesterweg-Stipendium eine tolle Sache, da zum einen die ganze Familie von Mentoren betreut wird, zum anderen alle zu den Ausflügen und Kursen mitkommen können."

Auch im Saalbau Gallus sind die Schwestern und Brüder der Stipendiaten, die von ihren Lehrern für das Stipendium vorgeschlagen werden, vor Ort; sie lassen sich beim Kinderschminken aufwändig verzieren oder vom Spielpädagogen mit Gesellschaftsspielen oder Malen bestens unterhalten.

Später sitzen sie mit ihren Eltern auf ihren Plätzen, lauschen der Moderation von Projektleiterin Beate Moran, und haben sogar einen klitzekleinen Moment Ruhm, als sie mit ihrer Familie auf die Bühne geholt und dort vorgestellt werden.

32 stolze kleine Stipendiaten

Einen Diesterweg-Rucksack gibt es allerdings nur für die 32 Stipendiaten, die zum Abschluss des Bühnenprogramms mit einem pfiffigen Rap aus der Feder von Professor Ralph Abelein von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) die geladenen Gäste begeistern. Die Kinder sind sichtlich stolz darauf, Teil des Diesterweg-Stipendiums zu sein - eine besondere Ehrung, wie Professor Kaehlbrandt betont: "Stipendiat zu sein, mit neun oder zehn Jahren, das ist etwas ganz Besonderes. Das gibt es nur selten. Das ist also auch eine Ehrensache."

Gut möglich also, dass die Teilnehmer des Programms ganz nach Diesterwegs Wunsch gemäß ihren Begabungen in den Himmel wachsen werden.

Impressionen des Abends finden Sie in der Mediathek.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth; Foto: Dominik Buschardt)


BürgerAkademiker-Kamingespräch: Stadt gestalten anstatt nur zu träumen

Was bedeutet urbanes Leben in Frankfurt? Wie gestaltet es sich? Wie lässt es sich aktiv mitgestalten und was bedeutet es für die Entwicklung der Stadt, wenn Bürger öffentliche Räume erobern und sie sich mit kreativen Projekten zu eigen machen? Diesen Fragen gingen die BürgerAkademiker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft am Abend des 31. Oktober 2016 bei ihrem diesjährigen Kamingespräch auf den Grund.

Unter dem Titel "Stadt gestalten – sta(d)tt träumen? – Urbanes Leben in Frankfurt und die Bedeutung freiwilliger Mitgestaltung durch Bürger" lieferten der ehemalige Bürgermeister und Planungsdezernent der Stadt Frankfurt, Olaf Cunitz, Stadtforscher Christoph Siegl und Daniela Cappelluti, Gründerin des Urban Gardening-Projekts "Frankfurter Garten", drei verschiedene Blickwinkel auf diesen Themenkomplex.

Als Stadtforscher nähert sich Christoph Siegl der Stadtkultur mit phänomenorientiertem Blick. Er untersucht und beschreibt Phänomene im urbanen Raum, die den meisten Bürgern einer Stadt alltäglich erscheinen. Mit themenbezogenen Stadtrundgängen und Jahresschriften wie dem Sammelband "Narango" zeigen er und seine Kollegen vom Open Urban Institute urbane Phänomene in Frankfurt auf und beschreiben und erklären deren Zusammenhänge, Wirkungen und Folgen.

Zweiteilung der Stadtbevölkerung 

Die (Mit-)Gestaltung einer Stadt habe viel mit Verantwortungsgefühl zu tun, sagt Christoph Siegl. In puncto Bürgerengagement bei Mitgestaltung des öffentlichen Raumes und des urbanen Lebens in Frankfurt erkennt er eine Zweiteilung der Stadtgesellschaft: "Die eine Hälfte der Bürger ist sehr aktiv und daran interessiert, die Stadt und auch das Miteinander – zum Beispiel mit kreativen Projekten – aktiv mitzugestalten", erläutert er. Die andere Hälfte sei stark auf Konsum gepolt und habe kein Interesse daran, Zeit und Engagement für die Gemeinschaft zu investieren, so seine Beobachtung.

"Schön wäre", so Christoph Siegl, "wenn es eine zusammenführende Bewegung gäbe." Denn eine attraktive Grundgestaltung und der Raum für Mitgestaltungsmöglichkeiten seien wichtige Faktoren für die Entwicklung einer Stadt.

Skepsis gegenüber Veränderungen

Ein großer Teil des bürgerlichen Engagements in Sachen Stadtentwicklung speise sich vor allem aus der Skepsis vieler Bürger gegenüber Veränderungen in ihrem direkten Umfeld, erläutert Olaf Cunitz seine Beobachtungen aus seiner Zeit als Bürgermeister und Planungsdezernent der Stadt Frankfurt. "Aus den verschiedenen Ansichten darüber, was für die Entwicklung einer Stadt richtig und gut ist, ergeben sich immer Zielkonflikte, die häufig auch dazu führen, dass Stadtentwicklung verhindert wird", gibt Cunitz zu bedenken. Daher sei es wichtig, pflichtet Christoph Siegl bei, bei den Bürgern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass – Gutes wie auch Schlechtes – nicht für die Ewigkeit ist.

Eine, die dem Thema des Kamingesprächs alle Ehre gemacht und die Stadt aktiv gestaltet und nicht nur davon geträumt hat, ist Daniela Cappelluti. 2012 hat die Event- und Kulturmanagerin den Frankfurter Garten auf dem Danziger Platz ins Leben gerufen: Ein Mitmach-Projekt, mit dem sie mehr "Grün" in die Stadt holen wollte.

"Verrückte Idee", positives Ergebnis

Anfangs musste sich Daniela Cappelluti bis zur Umsetzung ihrer "verrückten Idee", wie sie selbst sagt, einigen bürokratischen Hürden stellen, da sich natürlich auch die aktivsten und kreativsten Bürger bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes an Regeln, Satzungen und Gesetze halten müssen.

Doch der Einsatz hat sich sowohl für den Platz als auch für die Frankfurter Bürger sichtlich gelohnt: Seit 2013 hat sich auf dem ehemals unwirtlichen Danziger Platz mit dem Frankfurter Garten nicht nur eine grüne Oase inmitten der Stadt, sondern auch ein generationenübergreifender Lernort etabliert, an dem Nachbarn und Besucher gemeinsam gärtnern, lernen und gestalten – das größte Urban Gardening-Projekt Hessens.

Und auch darüber hinaus hat Daniela Cappelluti nicht nur mit vielen Veranstaltungen, Workshops und Unterrichtseinheiten rund um verschiedene Garten-Themen für die Allgemeinheit und insbesondere für Urban Gardening-Fans gewirkt: Mittlerweile gibt es beim Grünflächenamt der Stadt Frankfurt eine eigene Stelle für Fragen rund um bürgerschaftliches Engagement im Bereich Urban Gardening – der beste Beweis dafür, dass man auch mit einer vermeintlich "verrückten Idee" urbane Räume und das Miteinander in der Stadt aktiv positiv gestalten kann.

(Text & Bild: Miriam Mandryk)

Die Gesprächsteilnehmer: Moderatorin Silja Flach, Olaf Cunitz, Daniela Cappelluti, Christoph Siegl (v.l.n.r.)


Startschuss für KEMIE!

An neun Samstagen will das Lehr- und Lernkonzept KEMIE Zehn- bis Dreizehnjährigen und ihren Eltern anhand alltagsnaher Experimente die Faszination der Chemie vermitteln. Das Konzept von Frau Prof. Sommer von der Ruhr-Universität wurde im Februar mit dem Polytechnik-Preis der Stiftung Polytechnische Gesellschaft ausgezeichnet. 

"'KEMIE' steht für 'Kinder erleben mit ihren Eltern Chemie'", erklärt Dr. Wolfgang Eimer, Leiter des Bereichs Wissenschaft und Technik der Stiftung, das Konzept. "Einmal monatlich bis Schuljahresende gehen 10- bis 13-Jährige mit ihren Eltern ins Labor, experimentieren in Zweierteams und lernen dabei naturwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen kennen. Dieses Angebot für gemeinsames Experimentieren ist einzigartig in Frankfurt."

Die alltagsnahen Experimente drehen sich dabei immer um Lebensmittel, ihre Inhaltsstoffe und Konservierung: Wie bestimmt man den Zuckergehalt von Limonade? Wie unterscheidet man Honigsorten? Und wieso konserviert Salz Lebensmittel, etwa beim Pökeln? Insgesamt gibt es im aktuellen ersten Projektdurchlauf von KEMIE 38 Tandem-Plätze – die so stark nachgefragt waren, dass "sogar dreimal so viele hätten vergeben werden können", so Dr. Eimer.

Professionelle Laborbegleitung

"Unterstützt und begleitet werden die Tandems von Studierenden, Wissenschaftlern, Auszubildenden und Ausbildern", erläutert Chemiedidaktiker Prof. Dr. Arnim Lühken von der Goethe-Universität, und ergänzt: "KEMIE fördert die naturwissenschaftliche Bildung in einer familienpädagogischen Dimension, die in Schulen nicht leistbar ist."

Seiner Einschätzung nach werden die zahlreichen außerschulischen naturwissenschaftlichen Bildungsangebote im Raum Frankfurt durch das Projekt im Bereich der Chemie wertvoll ergänzt.

Begeisterung bei den Nachwuchs-Chemikern

Und was sagen die Teilnehmer? "Der Tag hat viel Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf das Hausaufgabenexperiment, das ich mit meiner kleinen Schwester machen werde. Die kann dann beim nächsten Mal bei KEMIE auch mitmachen", meint Justus Stolze (10). Matteo Brack (11) und sein Vater Reinhard wiederum haben am eigenen Leib erfahren, dass man zum Experimentieren viel Geduld mitbringen muss, und "wie sehr man sich freut, wenn am Ende alles geklappt hat."

Mutter Iskin Güral wurde durch ihre Söhne auf KEMIE aufmerksam: "Unser älterer Sohn ist im Chemie-Leistungskurs. Daher ist Chemie zu einem großen Thema in der Familie geworden. Engiz, sein jüngerer Bruder, wollte deshalb an KEMIE teilnehmen. Und ich lerne gleichzeitig auch noch was von der Chemie kennen."

Ausgezeichnetes Konzept

Erfinderin von KEMIE ist Prof. Dr. Katrin Sommer von der Ruhr-Universität Bochum. Sie erhielt dafür den mit 50.000 Euro dotierten ersten der insgesamt vier in diesem Jahr vergebenen Polytechnik-Preise. Alle Preisträgerkonzepte sind in der Dokumentation zum Polytechnik-Preis beschrieben.

Die Wirksamkeit ihres Projekts konnte bereits durch eine systematische empirische Evaluation in Bochum bestätigt werden. Neben dem Goethe-Schülerlabor der Universität ermöglicht in Frankfurt Provadis GmbH, Partner für Bildung & Beratung, die Durchführung von KEMIE. Der Landesverband Hessen im Verband der Chemischen Industrie e. V. fördert maßgeblich die Realisierung von KEMIE.

(Text: Stephan M. Hübner, Bild: Jürgen Lecher)


Kolleg für junge Talente: Auftakt auf Schloss Buchenau

Für eine dreitägige Herbst-Akademie reiste die erste Generation des Kollegs für junge Talente nach Schloss Buchenau in der Rhön. Die Ziele: Einander kennenlernen, sich der eigenen Stärken bewusst werden und sich auf das Programm der nächsten zwölf Monate vorbereiten.

Dementsprechend stand die Auftaktveranstaltung ganz im Zeichen von Teambuilding und Stärkentraining. Die 14- bis 17-jährigen Teilnehmer, 20 an der Zahl, sind allesamt vielseitig interessierte und talentierte junge Menschen und wurden von ihren Schulen für das Programm der Stiftung Polytechnische Gesellschaft empfohlen.

Im Rahmen des Kollegs, das als Studium generale konzipiert ist, können die jungen Talente nun ihre Begabungen gezielt weiterentwickeln. Bis Juni 2017 werden sie in unterschiedlichsten Disziplinen, von Musik bis Philosophie und von Technik bis Poesie, gemeinsam verschiedenste Frage- und Problemstellungen bearbeiten.

Kochen auf dem Lagerfeuer

Deshalb stand in der Herbst-Akademie zuerst Teambuilding auf dem Programm. So ließ Erlebnispädagoge Lukas Heun die Kollegiaten etwa ein dreigängiges Menü über dem Lagerfeuer kochen. Es bestand aus Flädlesuppe als Vorspeise, Bratwurst im Brötchen, dazu Folienkartoffeln und Gemüse, und schließlich einem Obstsalat, der ausnahmsweise  neben dem Feuer entstand. Denn jeder weiß: Essen verbindet. Und einen Pfannkuchen in der freien Natur herzustellen, ist auf der einen Seite eine Herausforderung, gleichzeitig aber auch recht lustig.

Eine Murmelbahn für alle Bälle

Nicht minder kreativ ging es beim Bau einer Outdoor-Murmelbahn zu, die für einen Tennisball, eine Boule-Kugel sowie einen leichten Plastikball geeignet sein musste. Was sich einfach anhört, hatte seine Tücken. So mussten die Stipendiaten, die auf zwei Teams aufgeteilt wurden, eine 360-Grad-Kurve einbauen, die "Murmel" musste ein Glöckchen zum Klingen bringen und über eine kurze Strecke durch die Luft fliegen. Kreative Lösungen waren das Resultat – etwa, indem eine Baumwurzel als Sprungschanze genutzt wurde.

Die eigene Stärke erkennen

Stärkentrainer Frank Rebmann vermittelte in seinen Übungseinheiten Wege zum Erkennen und Nutzen der eigenen Stärken. Aufmerksamkeit für die Stärken der andern Gruppenmitglieder zu entwickeln, diese gezielt anzusprechen und einzubeziehen, war ein weiterer wichtiger Schritt im Training. Ferner wurde nach strengen Regeln debattiert, um die eigene Überzeugungsfähigkeit zu schulen und dabei gleichzeitig „Hormon-Nebel“ zu vermeiden, der durch Provokation entsteht und zu unsachlichen Reaktionen verleitet.

"Die drei Tage hatten das Ziel, dass die Teilnehmer ein handlungsfähiges, produktives Team werden", erklärt Projektleiter Konrad Dorenkamp. "Sich gemeinsam und unter Einsatz aller vorhandenen Stärken und Talente an die Lösung von Problemen zu machen, wie es hier vermittelt und geübt wurde, das ist polytechnisches Herangehen."

Eine Frage der Haltung

Dorenkamps Kollegin Silja Flach ergänzt: "Der Grundsatz der drei Tage war: Man kann soviel mehr erreichen, wenn man um die eigenen Stärken weiß. Allein schon mit einer optimistischen Haltung und einer positiven Wortwahl an eine Herausforderung heranzugehen, erhöht die Chance auf ein gutes Ergebnis entscheidend."

Die Teilnehmer selbst zeigten sich begeistert von der Auftaktveranstaltung des Kollegs für junge Talente. "Ich bin mir meiner Stärken bewusst geworden", steht auf einem gelben Zettel auf einem Flipchart. Daneben: "Ich habe ein höheres Selbstbewusstsein", begleitet von "Für das Debattieren habe ich Feuer gefangen." Den 20 Teenagern scheinen die vergangenen drei Tage richtig gut getan zu haben.

Verheißungsvoller Auftakt

Konrad Dorenkamp freut sich über das positive Feedback und erwartet sich einiges vom Programm: "In den kommenden Monaten werden wir hoffentlich 20 junge Menschen erleben, die sich mit Wonne in die verrücktesten Themen stürzen und am Ende gemeinsam ein Lied, eine Idee für ein neues Schulsystem oder ein momentan noch gar nicht absehbares Projekt entwickeln werden. Die Basis dafür ist, dass sie wissen, dass sie einander wertschätzen müssen und so ihre Stärken multiplizieren können."

Über das Kolleg für junge Talente

Im Geiste der polytechnischen Idee fördert das Kolleg für junge Talente talentierte und vielseitig interessierte Jugendliche im Rahmen eines Studium generale. Das Projekt der der Stiftung Polytechnische Gesellschaft unterstützen die DZ Bank Stiftung, die Linsenhoff-Stiftung und eine private Mäzenin, die ungenannt bleiben will.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Bild: Philip Eichler)


Die StadtteilBotschafter sagen "Tschüs"

Die fünfte StadtteilBotschafter-Generation verabschiedet sich nach 18 intensiven und abwechslungsreichen Monaten. Wir blicken auf eine Zeit voller Höhepunkte zurück.

"Es ist ganz beachtlich: Insgesamt haben unsere 24 StadtteilBotschafter 65 Veranstaltungen in 14 Stadtteilen auf die Beine gestellt ", freut sich Projektleiter Konrad Dorenkamp von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und ergänzt: "Als Projektleiter erlebe ich ja in erster Linie die Menschen in ihren Projekten und die Begeisterung aller Beteiligten. Dieses Jahr war einmal mehr sehr abwechslungsreich."

Egal ob ein Repaircafé in Sachsenhausen, eine Capoeira-Werkstatt für Flüchtlinge in der Innenstadt, eine Radio-Sendung auf hr2-Kultur über das Glück oder die Idee eines Jugendforums für Goldstein – der aufmerksame Blick der jungen Frankfurter für die Belange ihrer Stadtteile ist vorbildlich.

Stadtteile profitierten von den Aktionen

Auch in den jeweiligen Stadtteilen kamen die Aktionen gut an. Etwa in Ginnheim, wo Hanin Al-Humeidi einen internationalen Jahrmarkt veranstaltete. Mit ihrem Projekt wollte die Ginnheimerin kulinarische Eindrücke und Aktivitäten aus aller Welt vermitteln und so den Blick für andere Kulturen schärfen. Ein Erfolg, wie Konrad Dorenkamp erzählt: "Menschen, die etabliert in diesem Stadtteil sind, haben sich von der jugendlichen Leidenschaft für eine Idee  mitreißen lassen."

An Jugendliche richtete sich das Sossenheimer Angebot "Wieviel Courage?!" von Hossein Nasseri. Das Projekt hatte zum Ziel, Jugendlichen Wege zu zeigen, wie sie in Gewaltsituationen mutig und konstruktiv einschreiten und sich selbst dabei schützen können. In mehreren Workshops, etwa im Schultheaterstudio Frankfurt oder in der B-Ebene des Hauptbahnhofs, wurden die Jugendlichen für das Thema sensibilisiert.

StadtteilBotschafter für alle Generationen

"Stark durch den Alltag – Ein Stadtteil bewegt sich" lautete das Motto auf dem Frankfurter Berg, bei dem StadtteilBotschafter Issam Mahria sein ganzes Potenzial zeigte: "Er ist ein starker Ansprechpartner für alle Generationen", berichtet Konrad Dorenkamp, "Issam ist ein Bindeglied im Stadtteil und hat dadurch die Harmonie zwischen den Generationen verbessert. Zudem hat er Selbstverteidigungs- und Kraftsportangebote etabliert."

Soziales und Kulturelles waren im Nordend die Leitmotive. Auf kreative Art und Weise warfen Lucas Kottmeier und Sofie Luckhardt mit "dasda.hinter" einen Blick hinter die Kulissen ihres Stadtteils, um Wege zur gemeinschaftlichen Nutzung des sozialen und kulturellen Potenzials von nichtöffentlichen Räumen und Orten zu finden. Konrad Dorenkamp freut sich über den Ausgang des Projekts: "Die Beiden haben es geschafft, dass sogar Alteingesessene verborgene oder versteckte Orte im Stadtteil für gemeinsame Kulturerlebnisse entdeckt haben."

Standesgemäß wurden die StadtteilBotschafter der 5. Generation in einer feierlichen Veranstaltung verabschiedet. Mit kleinen, jeweils 100 Sekunden langen Reden und Beitragen wurde auf die vergangenen 18 Monate zurückgeblickt. Bilder des Abends finden Sie in der Mediathek

Kleine Auswahl der großen Vielfalt

Die vier genannten Projekte sind nur ein Auszug der vielseitigen Ideen der fünften StadtteilBotschafter-Generation. Eine komplette Übersicht finden Sie auf der Website der StadtteilBotschafter.

Das Projekt StadtteilBotschafter indes geht in eine neue Runde. Derzeit läuft die Bewerbungsphase für die sechste Generation, Bewerbungsschluss ist der 13. Januar.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth)


DeutschSommer mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache geehrt

Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hat am Samstag, dem 8. Oktober 2016, den Kulturpreis Deutsche Sprache 2016 erhalten. Er wurde ihr für das Sprachförderprojekt DeutschSommer in der Kategorie "Institutionen" zuerkannt.

"Der DeutschSommer hat das Ziel, die Sprachkompetenz von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund während der Sommerferien zu verbessern, da der Deutschunterricht in den Schulen oft nicht ausreicht. Die positiven Auswirkungen auf Wortschatz und Grammatik, aber auch auf schulische Leistungen und Selbstbewusstsein sind beeindruckend“, begründete Jury-Sprecher Prof. Dr. Helmut Glück die Entscheidung.  Zu den weiteren Preisträgern 2016 zählen die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach (Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache) und das Internationale Mundartarchiv "Ludwig Soumagne" (Initiativpreis).

Für die positiven Auswirkungen des Projekts stehen unter anderem die Ergebnisse einer Umfrage, welche die Stiftung Polytechnische Gesellschaft kürzlich unter allen Teilnehmern der Jahre 2007 bis 2013 durchführte, so dass auch längerfristige Wirkungen des Projekts berücksichtigt werden konnten. 

Demnach animierte der DeutschSommer 78 Prozent der befragten Kinder zu besseren Leistungen in der Schule. Stolze 91 Prozent verbesserten sich nachweislich sprachlich, 78 Prozent schafften dank der "Ferien, die schlau machen" sogar den Sprung zu einer Zwei oder Drei als Deutschnote. 76 Prozent der DeutschSommer-Kinder sagten, die Erfahrungen aus dem DeutschSommer hätten ihnen beim Wechsel von der Grund- auf die weiterführende Schule geholfen.

"Experten für Präpositionen und starke Verben"

"Die DeutschSommer-Kinder fühlen sich wie Stipendiaten", sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt. "Vor den drei DeutschSommer-Wochen gehören sie an ihren Schulen zu denen mit den größten Problemen in Deutsch. Danach kommen sie als Experten für Präpositionen und starke Verben wieder in die Schule zurück. Sie sind aufgeblüht in der Sprache, in der ihre Zukunft liegt."

Die 200 DeutschSommer-Kinder des Jahres 2016 - dabei handelt es sich um Drittklässler am Übergang zur 4. Klasse, kamen aus 40 Herkunftsländern und 44 Grundschulen aus 27 Frankfurter Stadtteilen. In Kleingruppen zu maximal 15 Teilnehmern trainierten sie täglich jeweils zwei Stunden lang Wortschatz und Grammatik sowie sprachintensives Theaterspiel. Workshops, Sport und Exkursionen rundeten das Programm ab.

Begleitet wurden die Schüler von insgesamt 50 Lehrkräften für Deutsch als Zweitsprache sowie Theater- und Sozialpädagogen. Ein Familienprogramm gewährleistet den Kontakt zu den DeutschSommer-Familien über die Ferienzeit hinaus.

Erfreuliche Ergebnisse

Die Ergebnisse des Frankfurter DeutschSommers 2016 bestätigen die Wirksamkeit des Programms. Im Laufe von drei Wochen sind viele Kinder aus den schwachen in die guten Leistungsgruppen mit unterrichtsfähigen Deutschkenntnissen gelangt. Ein Großteil der Teilnehmer wiesen nach Ende des DeutschSommers signifikante Verbesserungen in den Bereichen Wortschatz, Präpositionen, Artikel, Satzbau und Verbbildung auf. Am stärksten ist in diesem Jahr die Verbesserung in der Kategorie Satzbau mit 36,1 Prozent und bei den Präpositionen mit 34,7 Prozent gewesen. In der Kategorie Verbbildung ist das Ergebnis mit 25,0 Prozent gut. Ebenso das Ergebnis der Kategorie Wortschatz mit 21,5 Prozent. Das Ergebnis der Kategorie Artikel liegt mit 14,6 Prozent zurück. Erfreulich: Im Laufe der drei Wochen des DeutschSommers war bei allen Kindern festzustellen, dass sie sich mehr im mündlichen Sprachgebrauch beteiligten.

Über den DeutschSommer

Der DeutschSommer findet seit 2006 jährlich in den ersten drei Wochen der hessischen Sommerferien in Jugendherbergen und Schullandheimen rund um Frankfurt statt. Für Kinder aus Flüchtlingsfamilien wurde 2016 erstmals ein DeutschSommer-Standort in Frankfurt selbst eingerichtet.

Ermöglicht wird der DeutschSommer durch die Kooperation der Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit dem Dezernat für Integration und Bildung sowie dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main, dem Staatlichen Schulamt, der Frankfurter Volkshochschule und dem Deutschen Jugendherbergswerk – Landesverband Hessen e. V. Förderpartner sind weiterhin die Peter Fuld Stiftung, die Stiftung CITOYEN und die Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft Sterlepper.

Der Frankfurter DeutschSommer baut auf einem Pilotprojekt aus Bremen auf, das von der Jacobs Foundation initiiert wurde. Dank zahlreicher Partner in Kommunen außerhalb Frankfurts wird der DeutschSommer mittlerweile auch in Kassel, Münster, Offenbach und Schwalbach am Taunus angeboten.

Über den Kulturpreis Deutsche Sprache

Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird in der Kategorie "Institutionen" an solche Einrichtungen verliehen, die sich im Alltag von Wirtschaft, Politik oder Verwaltung um ein klares und verständliches Deutsch bemühen. Zu den bisherigen Trägern der undotierten Auszeichnung zählen das Sprachinstitut des Österreichischen Bundesheeres, die Schweizerische Post, die Stuttgarter Zeitung, das Lektorenprogramm der Robert-Bosch-Stiftung und die "Sendung mit der Maus".

Der dreiteilige Kulturpreis wird seit 2001 von der Eberhard-Schöck-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache e. V. für besondere Verdienste um die deutsche Sprache vergeben.

Die Dankesrede von Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt sowie die Laudatio von Prof. Dr. Walter Krämer finden Sie in der Mediathek, die Pressemitteilung zur Verleihung im Pressebereich. Impressionen der Veranstaltung haben wir in Form einer Bildergalerie für Sie aufbereitet.

(Text: Stephan M. Hübner, Bild: Dominik Buschardt (links), Verein Deutsche Sprache e. V. (rechts))

Die DeutschSommer-Ergebnisse des Jahres 2016 grafisch zusammengefasst


Nach den drei Wochen DeutschSommer wiesen ein Großteil der Teilnehmer signifikante Verbesserungen in den Bereichen Wortschatz, Präpositionen, Artikel, Satzbau und Verbbildung auf.

Am stärksten ist in diesem Jahr die Verbesserung in der Kategorie Satzbau mit 36,1 Prozent und bei den Präpositionen mit 34,7 Prozent gewesen.

In der Kategorie Verbbildung ist das Ergebnis mit 25,0 Prozent gut. Ebenso das Ergebnis der Kategorie Wortschatz mit 21,5 Prozent.

Das Ergebnis der Kategorie Artikel liegt mit 14,6 Prozent zurück. 


Das polytechnische Frankfurt: auf Spurensuche

200 Jahre Polytechnische Gesellschaft. Zu diesem Anlass konzipierten sieben Studierende des Historischen Seminars der Goethe-Universität einen spannenden und informativen Stadtrundgang durch Frankfurt am Main.

Dabei werden zehn bekannte Stationen wie etwa das Gesellschaftshaus oder der Römerberg aus einer neuen Perspektive betrachtet. Unter der Leitung der Lehrbeauftragten Dr. Markus Häfner und Dr. Torben Giese der Goethe-Universität übernahmen die Studierenden jeweils eine Station des Rundgangs.

So entstand eine Tour, die bekannte Orte der Frankfurter Innenstadt aus der Perspektive der Polytechnischen Gesellschaft beleuchtet. Das 200 Jahre währende Engagement der Polytechnikerinnen und Polytechniker für die Frankfurter Stadtgesellschaft steht im Mittelpunkt der zehn Stationen.

Zum Abschluss des Rundgangs finden Sie noch einen Exkurs zum Thema "Die Polytechnische Gesellschaft und ihre Tochterinstitute im Nationalsozialismus".

Sie finden den Stadtrundgang auf der Website der Polytechnischen Gesellschaft e. V.. 

(Bild: Polytechnische Gesellschaft)


Ausbildungsbotschafter ebnen den Weg ins Handwerk

Mit ehrenamtlichem Einsatz unterstützen junge Nachwuchshandwerker Hauptschulabsolventen bei der Berufsfindung.

Seit 2013 gehen Ausbildungsbotschafter in Frankfurter Hauptschulen, um deren Absolventen für den Weg ins Handwerk zu begeistern. Denn nur wenige Hauptschüler entscheiden sich trotz vorhandener praktischer Begabung und einer ausreichenden Zahl an Ausbildungsplätzen für eine Karriere als Tischler, Maurer oder Bäcker. "Deshalb möchten wir mit dem Projekt junge Menschen in Frankfurt für eine Ausbildung im Handwerk begeistern", erläutert Stefanie Römer von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Im Tandem treten die Ausbildungsbotschafter, die entweder selbst noch Azubis oder Jung-Handwerker sind, vor die Klassen und machen Werbung für Handwerksberufe und das duale Ausbildungssystem. Dabei berichten sie über die Anforderungen im Betrieb und in der Schule, gehen auf die erforderlichen Prüfungen ein, erklären Möglichkeiten der Weiterbildung und vieles mehr. Im Anschluss an diese Präsentation stellen die Schüler Fragen.

Schulungen für den ehrenamtlichen Einsatz im Feld

Für ihren mindestens einjährigen Einsatz werden die Ausbildungsbotschafter speziell geschult, optional gibt es noch ein Rhetorikseminar für die jungen Menschen.

Für die Teilnahme am Ehrenamtsprogramm werden die Ausbildungsbotschafter von ihren Betrieben freigestellt, eine finanzielle Vergütung gibt es nicht. Trotzdem profitieren alle von dem Programm, wie Stefanie Römer weiß: "Die Betriebe, weil sie so dafür sorgen, auch in den kommenden Monaten und Jahren neue Azubis zu haben, und die Teilnehmer selbst, da sie durch das freie Sprechen vor den Klassen an Selbstsicherheit gewinnen, die ihnen später im Betrieb im Umgang mit den Kunden und Kollegen zugutekommt."

Mehr als 1.600 Schüler erreicht

Seit seinem Start im Schuljahr 2013/14 hat das Projekt an zehn Schulen über 1.600 Frankfurter Schüler erreicht. Mit Erfolg: An den Schulen, an denen Ausbildungsbotschafter im Einsatz waren, nahmen vergleichsweise mehr Schüler handwerkliche Berufsausbildungen auf.

Und auch für die Ausbildungsbotschafter selbst ist die Teilnahme am Programm eine belohnende Erfahrung, berichtet Stefanie Römer: "Es kam ein Ausbildungsbotschafter zu mir und erzählte, dass bei ihm selbst vor zwei Jahren ein Ausbildungsbotschafter in der Klasse zu Besuch kam. Dieses Ereignis habe ihn bewegt, selbst an dem Programm teilzunehmen, da ihm diese Erfahrung persönlich eine Orientierung gegeben und ihn persönlich bereichert hätte. Dies möchte er jetzt anderen zuteilwerden lassen."

Über das Programm Ausbildungsbotschafter

Das Berufsbildungsangebot ist ein Förderprojekt der der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und wurde in Kooperation mit der Gesellschaft für Jugendbeschäftigung (gjb), der Hostato- und der Sophienschule sowie der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main entwickelt.

Einige Botschafter sind dabei Absolventen der Samstagsschule für begabte Handwerker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, eines Qualifizierungsprogramms für Frankfurts beste Nachwuchshandwerker.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth & Stephan M. Hübner, Bild: Uwe Dettmar)


Live-Diktate beim Tag der offenen Tür der Hessischen Landesregierung

Der in Deutschland einzigartige Sprachwettbewerb Der große Diktatwettbewerb ist am Samstag, 24. September, Gast beim Tag der offenen Tür der Hessischen Landesregierung. Es werden insgesamt drei Live-Diktate geschrieben, die Gewinner werden prämiert.

Interessierte und Sprachbegeisterte können sich um 10:30, 11:30 und 12:30 Uhr im Hessischen Kultusministerium im Raum A 115 (1. OG) dem Live-Diktat stellen. Pro Runde wird eine Gewinnerin oder Gewinner ermittelt und prämiert. Nach der Veranstaltung wird eine kommentierte Fassung des Diktattextes für alle Interessierten bereitgestellt. 

Über den Wettbewerb

Der große Diktatwettbewerb fördert die Sprachkultur in der sportlich-heiteren Atmosphäre eines öffentlichen Wettstreits. Im Fokus des Wettbewerbs stehen der Reichtum der deutschen Sprache und die Rechtschreibung. Zentrales Element ist ein anspruchsvolles Diktat mit zahlreichen Fallen, Schwierigkeiten und sprachlichen Kuriosa, das von Eltern, Lehrern und Oberstufenschülern gemeinsam geschrieben wird.


StadtteilBotschafterinnen machen sich auf die Suche nach dem Glück

Was ist Glück? Wie fühlt es sich an? Was macht die Frankfurter glücklich? Kann man dem eigenen Glück auf die Sprünge helfen? Die StadtteilBotschafterinnen Tamara Schwertel und Lorianna Koenneker gingen diesen Fragen in der Radiosendung "Main Glück" auf hr2-kultur auf den Grund.

Ein Jahr lang haben die beiden jungen Frauen recherchiert, Glücksexperten und einen Lach-Yogi getroffen, sie haben StadtteilBotschafter-Kollegen und BürgerAkademiker in ihren Projekten besucht und viele Gespräche mit Frankfurter Bürgern geführt, um herauszufinden, was sie glücklich macht, wie sie Glück erleben und was glücklich sein mit uns und unserem Körper anstellt.

In Kooperation mit hr2-kultur ist eine informative, anrührende Radiosendung rund um das Thema Glück entstanden, die unter dem Titel "Main Glück" im Rahmen der "Kulturszene Hessen" auf hr2-kultur zu hören war.

Die komplette Sendung finden Sie hier als Download. Ein Klick mit der linken Maustaste spielt die Sendung direkt im Browser ab. Zum Speichern drücken Sie die rechte Maustaste auf dem Link und wählen dann - je nach Browser - Link oder Ziel speichern unter.

Über die StadtteilBotschafter

StadtteilBotschafter sind junge Frankfurter zwischen 17 und 27 Jahren, die in ihrem Stadtteil eigene, gemeinnützige Projekte verwirklichen wollen. Erfolgreiche Bewerber werden 18 Monate lang finanziell und ideell gefördert. Bis zum 13. Januar 2017 läuft die Bewerbungsfrist für die VI. StadtteilBotschafter-Generation. Alle Informationen finden Sie dazu auf der eigenen Webseite des Projekts.

(Text: Miriam Mandryk, Bild: Michelle Spillner)


Alumni-Musikwerkstatt: wunderbare Vielfalt

Mit der Musikwerkstatt führte die Stiftung Polytechnische Gesellschaft für ihre Alumni und Ehrenamtler ein neues Format ein. In den Räumen der Musikschule Frankfurt haben an die 43 Teilnehmer an zwei intensiven Tagen in fünf Workshops viel gelernt, geprobt, und vor allem musiziert und getanzt.

Am Ende tönte "Auld lang syne" durch die Musikschule Frankfurt. Ein schöner, erhabener Moment, der so manchen nochmal innehalten und an das Geleistete zurückdenken ließ. Allerdings lief es in der Musikwerkstatt nicht immer so besinnlich ab.

Im Gegenteil: Keine fünf Minuten zuvor donnerten Riffs von drei Gitarristen, treibendes Bassspiel zweier Bassisten und dynamisches Trommeln von zwei Schlagzeugern aus dem Bandworkshop durch die Boxen, die Teilnehmer des Beatproduction & Rap-Kurses zeigten, was man mit Sprechgesang und einer Beat-Maschine auf die Beine stellen kann, die Mitglieder der Tanzgruppe legten eine erstaunlich-filigrane und detailverliebte Darbietung aufs Parkett, und die Hör-Gruppe berichtete von ihren Erlebnissen im Schallplatten-Schneidestudio Brüggemann und im Jazzkeller Frankfurt.

Tolle Lehrer, motivierte Alumni

Allen Kursen gemein waren hervorragende, versierte Dozenten und die Freude der Teilnehmer an der Musik. Die mitwirkenden Alumni rekrutierten sich aus den verschiedenen Angeboten der Stiftung: So saßen MainCampus-Stipendiaten zusammen mit StadtteilBotschaftern, Bürgerakademikern und StadtteilHistorikern in einem musikalischen Boot.

Jeder Musikwerkstatt-Workshop hatte einen anderen Schwerpunkt: In der Beatproduction unter der Leitung von Erin Sullivan wurde die Bedienung der Sample-Maschine Akai MPC1000 vermittelt, ein eigener Text geschrieben und natürlich untermalt von der passenden Beat-Untermalung eingeübt.

Vier Akkorde für ein Halleluja

Die Band unter Leitung der Musiklehrerin und Bass-Expertin Nina Hacker hingegen schnappte sich einen Klassiker der Musikgeschichte und ein weiteres bekanntes Poplied. Der große Vorteil: Beide Lieder können mit maximal vier Akkorden gespielt werden, was trotz der Unerfahrenheit der meisten Bandmitglieder an ihren Instrumenten am Ende zu einem überzeugenden Resultat geführt hat.

Improvisation wurde beim Tanzen großgeschrieben. Choreograph und Tanzvermittler Jason A. Jacobs räumte seinen Schützlingen viel Raum im kreativen Prozess ein, was zu einem ausdrucksstarken und überraschenden Resultat führte. Gleichzeitig war es die längste Aufführung aller Workshops.

Wie kommt Musik in die Platte

Tiefgehende Einblicke gewährte das Angebot "Musik hören und präsentieren" des DJs und Radiomoderators Matthias Westerweller. In Form eines Vortrags erläuterten die Teilnehmer den übrigen Musikwerkstattbeteiligten, wie aus einem Klumpen Vinyl die Platte und vor allem die Musik in die Plattenrillen kommt, und warum die internationale Jazz-Szene gerne im Frankfurter Jazzkeller spielt, jedoch auch mit Tücken zu kämpfen hat.

Kanon zur Einstimmung

Und der Chor? Holte bei seinem Abschlusskonzert erstmal mit einem Kanon die Beteiligten von den Sitzen, um mit einer mitreißenden Popnummer stark weiterzumachen. Bei der ganzen Dynamik ließ sich Chorleiterin Lisa Ochsendorf auch nicht aus der Ruhe bringen, als ein Windstoß ihr die Notenblätter vom Klavier zu fegen drohte. Und dass der Chor nicht nur mitreißend, sondern auch schön kann, bewies er mit dem finalen "Auld lang syne", das alle Beteiligten der Musikwerkstatt mit einem zufriedenen, stolzen Gefühl ins Wochenende entließ.

Hier finden Sie die Impressionen aus der Alumni-Musikwerkstatt.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Bilder: Philip Eichler)


Honorarprofessur für Stiftungschef Dr. Roland Kaehlbrandt

Dem Sprachwissenschaftler und Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main, Dr. Roland Kaehlbrandt, ist von der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft die Honorarprofessorenwürde verliehen worden.

Am 14. September 2016 überreichte ihm Prorektor Prof. Dr. Horst Philipp Bauer die Ernennungsurkunde. Kaehlbrandt vertritt fortan das Themenfeld "Sprache und Gesellschaft".

Nach dem Studium der romanischen und germanischen Philologie und der Völkerkunde in Köln und Paris wurde Kaehlbrandt mit einer linguistischen Arbeit in Köln promoviert. Es folgten Lehrtätigkeiten an der Pariser Sorbonne, an der Universität Dortmund und an der European Business School in Oestrich-Winkel.

Im Hauptberuf ist Kaehlbrandt Stiftungsmanager mit dem Schwerpunkt "sprachliche Bildung": Er war in leitenden Funktionen in der Bertelsmann Stiftung und in der Hertie-Stiftung tätig. Seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender der Stiftung Polytechnische Gesellschaft.

Kaehlbrandts wissenschaftlich-publizistischer Fokus liegt auf den vielfältigen Beziehungen zwischen Sprache und Gesellschaft, insbesondere auf den Themen Sprachgeschichte, Sprachkritik, Sprachpflege sowie Sprache und Zeitgeist. Seine jüngste Veröffentlichung, das "Logbuch Deutsch – wie wir sprechen, wie wir schreiben", ist ein Lob der Fähigkeiten der deutschen Sprache und eine kritische Bestandaufnahme des Gebrauchs, den die Sprachgemeinschaft von ihr macht.

Als Stiftungsmanager brachte Kaehlbrandt mehrere Sprachprojekte auf den Weg, so den DeutschSommer für Zuwandererkinder, den Bundeswettbewerb Jugend debattiert und den Großen Diktatwettbewerb.

Die Verbindung von sprachwissenschaftlicher Reflexion und praktischer Projekterfahrung in der Sprachförderung ist für die auf ganzheitliche Bildung ausgerichtete Alanus-Hochschule von besonderem Interesse, namentlich für den noch jungen Bachelor-Studiengang "Philosophie, Kunst und Gesellschaft". Das erste Blockseminar des frisch gebackenen Honorarprofessors wird sich mit dem Thema "Sprache in bewegter Gesellschaft" befassen.

"Sprache ist nicht sekundär", so Kaehlbrandt zu seinem Lehrgebiet. "Sie ist prägend. Sprache ist immer in gesellschaftlicher Aktion, in einem faszinierenden Doppelcharakter: beschreibend und beeinflussend. Deshalb sind Sprachkenntnis, Sprachbewusstsein, Sprachkritik und Sprachpflege so wichtig. Ich freue mich sehr auf einen anregenden Kontakt zu den Studentinnen und Studenten an der Alanus-Hochschule. Denn sprachlich bringt die junge Generation gerade sehr viel in Bewegung."

(Text: Stephan M. Hübner, Bild: Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft)

Prof. Dr. Horst Philipp Bauer (links) überreicht die Berufungsurkunde an Dr. Roland Kaehlbrandt.


Tag der offenen Tür: im Auftrag der Bildung

Anlässlich des bevorstehenden 200. Geburtstages der Polytechnischen Gesellschaft e. V, lud der Verein, der 2005 die Stiftung Polytechnische Gesellschaft gründete,  zum Tag der offenen Tür. An die 500 Gäste kamen bei schönstem Sommerwetter ins Casino der Goethe-Universität und erlebten ein buntes Programmpotpourri mit Wortforen, Musik und jeder Menge Mitmachgelegenheiten.

Zischend und mit Nebelschwaden unterlegt schwappte der minus 200 Grad kalte Flüssigstickstoff auf die lila-violette Joghurt-Beerenmischung. Mit dicken Schutzhandschuhen versehen rührte Erhan Cetiner, Stipendiat des MainCampus-Programms der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die Masse cremig, während seine Kollegin Julia Schweizer weiter den Stickstoff beimischte. "Man muss sich keine Sorge um die Gesundheit machen", erklärte sie dabei, "unsere Luft besteht zu 70 Prozent aus Stickstoff. Das Stickstoff-Eis ist für den Körper also nicht schädlich." Dafür sehr lecker.

Doch wurden beim Tag der offenen Tür den Anwesenden nicht nur Gaumenfreuden geboten. Nach der Eröffnungsrede von Polytechniker-Präsident Walther von Wietzlow, einem Willkommensgruß des Vizepräsidenten der Goethe-Universität, Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, und der Überreichung der Skulptur 'Grande Madame' als Geburtstagsgeschenk der Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte ging es im ersten Stock des altehrwürdigen Gebäudes richtig los.

Die Töchter stellten sich vor

Dort stellten sich die sieben Töchter des Vereins vor: Die Stiftung für Blinde und Sehbehinderte präsentierte beispielsweise Kommunikationshilfsmittel, die selbst ausprobiert werden konnten, und lud im Speckstein-Freiluftatelier auf der Terrasse zum munteren Klopfen und Gestalten ein. Das Institut für Bienenkunde lotste die Besucher  in einen begehbaren Bienenstock, in dem mit Filmbeiträgen und Erläuterungen das Leben in den Bienenbehausungen vermittelt wurde. Wer wollte, konnte außerdem am Stand nebenan Bienen füttern und die für die Nutztiere gefährlichen Varroa-Milben durch das Mikroskop begutachten.

DNA-Extraktion mit Haushaltsmitteln

Gegenüber stellten die Jungen Forscher und die Junior-Ingenieure der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Pralinen her, machten DNA aus der Mundschleimhaut mit einer Mischung aus Wasser, Kochsalz, Ethanol, Wasch- und Spülmittel sichtbar und zeigten anhand eines 1,20 mal 1,60 Meter großen elektrischen Modells aus Lego den Aufbau des Teilchenbeschleunigers FAIR in Darmstadt.

"Traditionell ist bei der Polytechnischen Gesellschaft der Bereich Bildung immer im Zentrum der Strategie", hob Präsident von Wietzlow in seiner Eröffnungsrede hervor. Dementsprechend drehte sich das Programm der Wortforen um Information, Bildung und Vermittlung von interessanten Einblicken, was auch bei den Gästen gut ankam. Es ging um Kunsthandwerk, den Campus-Architekten Hans Poelzig und die Bildungslandschaft von morgen: "Mir hat die Podiumsdiskussion 'Was wir morgen wissen müssen' sehr gefallen", lobte Gesellschaftsmitglied Hulisi Bayam das erste Wortforum, bei dem unter anderem IBM-Arbeitsdirektor Norbert Janzen und die Direktorin der Frankfurter Wöhlerschule, Renate Bleise, auf dem Podium saßen. "Verschiedene Generationen mit unterschiedlichen Perspektiven kamen zu Wort, was mir besondere Erkenntnisse beschert hat."

Vorträge und Diskussionsrunden als Publikumsmagnete

Für Psychologie-Doktorandin Magdalena Kuhn waren die Vorträge und Diskussionsrunden der MainCampus-Stipendiaten der Höhepunkt der Veranstaltung: "Ich fand das Thema 'Ob man aus der Geschichte lernen kann' sehr inspirierend, da ich selbst aufgrund meines Studiums einen persönlichen Bezug zu Historischem habe. Sehr schön fand ich außerdem die Campus-Führung. Ich studiere schon länger hier und fand es super, etwas über die Historie der Gebäude zu erfahren."

Generell trafen die Vorträge und Diskussionen auf gute Resonanz bei den zahlreichen Besuchern. So auch die Vorträge mit der Überschrift "Von blauen Minis, Flügeln und Kamelen", in denen Mütter aus dem Leitprojekt Diesterweg-Stipendium der Stiftung Polytechnische Gesellschaft von ihren vielfältigen Wegen nach Deutschland und ihrem persönlichen Ankommen sprachen.

Themenvielfalt für alle Geschmäcker

Auch Ines Birkner wusste die Themenvielfalt zu schätzen: "Ich finde es super, dass das Programm so vielfältig ist und einem so viel geboten wird. Die Inhalte werden gut dargestellt, und besonders schön fand ich, dass bei der Präsentation des DeutschSommers nicht nur über die Kinder geredet wurde, die an dem Sprachförderprogramm teilgenommen hatten, sondern dass die kleinen Teilnehmer auch in den Vortrag mit einbezogen wurden. Außerdem war das Essen sehr lecker. Gehört ja auch dazu."

Robert Volhard stimmte in das Loblied mit ein: "Hervorragendes Wetter, erfrischende Getränke, erfrischende Geister. Ich wünsche der Polytechnischen Gesellschaft weiter Strahlkraft, die polytechnischen Gedanken an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben und dafür zu sorgen, dass unser Fleckchen Erde weiter lebenswert bleibt."

Hier finden Sie Impressionen vom Tag der offenen Tür der Polytechnischen Gesellschaft.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Bilder: Dominik Buschardt)


Die Sprache des Mitgefühls

Die spanische MainCampus doctus-Stipendiatin Carmen Moreno Mínguez über die Willkommenskultur und das Ankommen in Frankfurt. Der Text stammt aus unserem aktuellen Stiftungsmagazin Polytechnik 2/2016. 

Im Frühling 2013, vor meinem Umzug nach Deutschland, hatte ich das Glück (dieses gelungene deutsche Wort, wo das Zufällige und die Freude sich treffen) das Buch "Die Angst vor den Barbaren" von Tzvetan Todorov zu lesen. In diesen Überlegungen über die kulturellen Begegnungen in heutigen Gesellschaften bietet Todorov uns einen neuen Blick auf die zwei alten Konzepte von 'Barbarei' und 'Zivilisation'.

Für ihn sind das Zivilisierte und das Barbarische nicht Merkmale bestimmter Kulturen, sondern potenzielle Wesenszüge des Individuums. Als menschliches Attribut definiert er 'das Zivilisierte' als die Erkenntnis des anderen als Seinesgleichen, als Menschen mit den gleichen Gefühlen und Sorgen. Hingegen heißt barbarisch für ihn, die Entfremdung gegenüber dem anderen und die daraus folgende Unfähigkeit mit ihm als Gleichen zu empathisieren.

Es sind genau diese Attribute, die Todorov zivilisierten Menschen zuschreibt, nämlich Empathie und das Verständnis gegenüber dem anderen, die ich als wesentliche Züge der Willkommenskultur verstehe. Menschen, die grölend Busse umringen oder Geflüchtete vor den europäischen Haustüren sterben lassen, verhalten sich als die neuen Barbaren.

Eine aus Mitgefühl bestehende Art von Zivilisation

Diejenigen hingegen, die bundesweit an den Bahnhöfen warteten, um geflüchteten Menschen mit Lebensmitteln und Spielzeugen zu begrüßen, die ehrenamtlich Deutsch unterrichten, die Familien betreuen, die, im Endeffekt, die Arme für andere offen haben, stellen eine aus Mitgefühl bestehende Art von Zivilisation dar. Mitgefühl: ein anderes deutsches Wort, das ich besonders schätze.

Anders als in romanischen Sprachen, weist das deutsche Wort auf ein auf Augenhöhe empfundenes Gefühl hin. In Wörtern des Schrifttellers Milan Kundera: "Mit-Gefühl haben bedeutet, das Unglück des anderen mitzuerleben, genauso gut aber jedes andere Gefühl mitempfinden zu können: Freude, Angst, Glück und Schmerz. Dieses Mitgefühl (…) bezeichnet also den höchsten Grad der gefühlsmäßigen Vorstellungskraft (…); in der Hierarchie der Gefühle ist es das höchste aller Gefühle."

Willkommenskultur: Standbein des Zusammenlebens

Willkommenskultur betrifft nicht nur die Beziehungen zu Flüchtlingen: sie bildet das Standbein des Zusammenlebens in einer höchst multikulturellen Stadt. Als Ausländerin habe ich seit meiner Ankunft  viel über das Gefühl der Zugehörigkeit nachgedacht.

Was macht uns zum Teil einer  Gesellschaft? Am Anfang glaubte ich, dass die Sprache der Schlüssel war, um soziale Beziehungen zu knüpfen und mit den eigenen Fähigkeiten zur Gesellschaft beizutragen. Insofern hatte ich Glück, denn ich erhielt die Unterstützung meines Betreuers und der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, um meine Doktorarbeit in Frankfurt anfangen zu können.

Dabei fing ich schon an zu merken, dass es nicht nur um Wörter ging: Zwei Menschen können dieselbe Sprache sprechen und sich nie verstehen. Es ist eher eine subtilere, universale Sprache, die uns dieses Zugehörigkeitsgefühl vermittelt.

Eine Tasse Kaffee als Anfang schöner Dinge

Ich habe sie besonders über die Teilnahme an sozialen Initiativen entdeckt: Vor einigen Monaten hatte ich die Chance, in der Kinderbetreuung einer Teestube für geflüchtete Frauen tätig zu sein. Die Idee war, dass Frauen sich treffen konnten, um Deutsch zu lernen und bei einer Tasse Kaffee in Kontakt mit anderen Frauen aus ihrer Nachbarschaft zu treten. Dieser Initiative folgten mehrere Projekte und alle Teilnehmerinnen vertieften die Verbindungen miteinander.

In der Begegnung mit Menschen, die mit ihrem Engagement eine Stadt für alle bauen möchten, die, im Endeffekt, mit Mitgefühl gegenüber anderen handeln, habe ich mich zu Hause gefühlt.

Carmen Moreno Mínguez, Autorin des Beitrags.

Über die Autorin

Carmen Moreno Mínguez ist MainCampus doctus-Stipendiatin der VI. Generation (2015/2016). Sie promoviert zum Thema "Die Solidaritätsbewegung mit Lateinamerika in den 1970er und 1980er Jahren: Ein europäisches Phänomen?" an der Goethe-Universität.

Die neue Ausgabe 2/2016 der Polytechnik, des Stiftungsmagazins der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, finden Sie ab sofort zum Download. Ein kostenfreier Postversand der Druckausgabe ist ebenfalls möglich. Schreiben Sie uns dafür eine E-Mail an info@sptg.de mit Angabe Ihrer Anschrift.

(Bild: Uwe Dettmar)


DeutschSommer 2016: "Das sind schöne Deutschlandferien"

Der DeutschSommer ist vorbei. An vier Standorten wurde spielerisch gelernt, die deutsche Sprache vermittelt und vor allem das Leben genossen. Wir haben uns auf Stimmenjagd begeben.

Schönstes Sommerwetter, eine malerische Umgebung und viel buntes Programm: Der DeutschSommer bot auch in diesem Jahr den Frankfurter Grundschülern jede Menge Abwechslung.

Doch es wurde nicht nur gespielt, das Vermitteln der deutschen Sprache stand in den drei Wochen klar im Vordergrund. Es wurde gelesen und gelernt, Theater gespielt und viel miteinander kommuniziert.

Der Freude tat dies jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, wie die Aussagen der DeutschSommer-Kinder und deren Eltern belegen:

Redona, 9 Jahre alt:

"Mir gefällt ganz besonders gut, dass wir ganz viel draußen sind. Und dass wir viel lesen, schreiben und Theater spielen. Das Buch ‚Geisterjäger auf eisiger Spur‘ finde ich spannend und ich mag, dass die Hauptfigur Tom auch mal einen Pech-Tag hatte. Und es freut mich, dass wir Sachen aus dem Buch im Theater-Unterricht spielen. Manche Sachen nehmen wir aus dem Buch, und manche denken wir uns auch selbst aus. Das macht sehr viel Spaß!"

Bianka, 9 Jahre alt:

"Ich finde es toll, dass wir ganz viel Freispielzeit haben und in den Workshops viele Sachen machen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Und das Essen ist sehr lecker. Am besten gefällt mir am DeutschSommer unser Deutschlehrer, Björn. Der erklärt immer alles so, dass ich es verstehe und wir machen lustige Spiele, bei denen wir auch Deutsch lernen."

Keren, 9 Jahre alt:

"Ich fand das Gedicht ‚Verwechslung‘ toll. Es macht Spaß, Sätze richtig zu machen, und in dem Gedicht war ganz schön viel falsch. Also, da war alles falsch. Und wir haben alle Sätze wieder richtig gemacht. Gestern habe ich mir im Bücherbus ‚Hanni und Nanni‘ ausgeliehen. Das wollte ich schon immer lesen. Ich lese schon, seit ich fünf bin. Deswegen finde ich es schön, dass wir das Geisterjäger-Buch geschenkt bekommen haben."

Auch bei den Eltern herrscht Begeisterung für die Wirkung des DeutschSommers und die Lernfortschritte, die die Kinder machen: "Mein Junge hat schon nach einer Woche immense Fortschritte gemacht. Früher hat er sich aufgrund seiner Deutschkenntnisse nicht getraut, mit Erwachsenen zu reden. Jetzt geht er selbstbewusst auf seine Mitmenschen zu und erprobt voller Tatendrang seine neuen Kenntnisse", berichtet ein Vater stolz.

Ein anderer sagt: "Ich liebe Deutschland, weil hier Frieden ist und ich mit meiner Familie ohne Angst leben kann. Ich danke Deutschland, dass mein Kind so gut betreut wird und dass es die Möglichkeit hat, Deutsch zu lernen und dabei gefördert wird. Mein Sohn kommt jeden Tag nach Hause und sagt: ‚Papa, wir müssen reden. Du musst Deutsch lernen.‘"

Zwei Mütter erzählen, dass ihre Töchter bei dem Geschicklichkeitsspiel Twister nur noch auf Deutsch miteinander kommunizieren - das war vor den drei Wochen noch undenkbar.

Ein schöner Erfolg des Programms, der auch bei Keren zu sehen ist. Auf die Frage, auf was sich das Mädchen am meisten freut, sagt sie: "Auf zu Hause. Weil ich dann meinen Eltern erzählen kann, wie schön es hier war und was ich alles gelernt habe."

(Text: Miriam Mandryk & Jens-Ekkehard Bernerth, Bild: Dominik Buschardt)


Kleine Stars in der Diesterweg-Manege

Ein Spektakel der besonderen Art erlebten die Gäste bei der Verabschiedung der vierten Generation der Diesterweg-Stipendiaten am 13. Juli im Kinder- und Jugendzirkus Zarakali. Neben viel bunter Show gab es auch Momente des Innehaltens und Besinnens.

"Ich war anfangs nicht die Beste in der Schule", berichtet die elfjährige Najiba, eines der 32 Stipendiatenkinder. "Durch das Stipendium habe ich Selbstvertrauen und tolle Freunde gewonnen, kann heute das Gymnasium besuchen. Ohne Diesterweg hätte ich das, glaube ich, nicht geschafft." Ähnlich äußert sich Kyle, ebenfalls elf Jahre alt: "Ich konnte mir meinen Erstwunsch erfüllen und das Goethe-Gymnasium im Westend als weiterführende Schule aussuchen. Außerdem habe ich neue Orte wie das Felsenmeer kennengelernt." Es sind Geschichten wie diese, die verdeutlichen, wie viel das Programm der Stiftung Polytechnische Gesellschaft bei den teilnehmenden Kindern und ihren Familien bewirkt.

Zahlreich sind sie zur Verabschiedung der vierten Generation auf das festlich herausgeputzte Gelände des Zirkus Zarakali in Ginnheim gekommen, haben Cousins und Cousinen, Brüder und Schwestern mitgebracht. Die Eltern strahlen, sie sind stolz auf ihren Nachwuchs, der, wie später bekanntgegeben wird, die Versetzung in die sechste Klasse gemeistert hat.

Buntes Rahmenprogramm

Ein schöner Erfolg, der alle Beteiligten, vor allem die Kinder selbst, reichlich belohnt. Auch in Form des Abschiedsfests, bei dem jede Menge geboten war: Dr. Musikus sorgte mit seiner Einmannshow mit Musik, Feuer, Seifenblasen und jeder Menge Tröten für eine bunte musikalische Untermalung vor, während und nach der Aufführung, es wurden Kinderschminken sowie ein prall gefüllter Mal- und Basteltisch angeboten, und diverse Leckereien sorgten für das leibliche Wohl der Gäste.

Der wahre Höhepunkt war jedoch die eineinhalbstündige Show im Zirkuszelt, in der Projektleiterin Gisela von Auer als Ringmeisterin Giulietta Elisabetta Auara galant durch den Nachmittag führte. Wunderbar humorig unterstützt von Requisiteur Marvin, der lieber Zauberer sein wollte und einige überraschende Tricks aus dem Zylinder zauberte. Es gab Musik, Filmeinlagen, Jonglagen, Zauberei und Luftakrobatik, immer wieder aufgelockert von kurzen Reden.

Ein Kunststück namens Bildung

Dr. Roland Kaehlbrandt, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, sagte in seinem Grußwort: "Unser Zirkus hat etwas, das andere nicht haben: Er hat viele Kinder und viele Eltern, die bei uns mitmachen. Ihr Hauptkunststück hat einen besonderen Namen: Es heißt Bildung. Ihre Manege heißt Schule. Ihr Applaus sind gute Noten und gute Nerven, Zufriedenheit und Zukunftsträume. Ihr Preis, den sie jetzt schon zur Hälfte gewonnen haben, heißt Zukunft in Deutschland." Der hessische Staatssekretär und Bevollmächtigter für Integration und Antidiskriminierung, Jo Dreiseitel, lobte das Engagement von Stiftung, Eltern und Schülern, und betonte, dass "niemand die Erfahrungen dieser zwei Jahre vergessen wird."

Lernen und Spaß haben

Das Diesterweg-Stipendium bedeutet nicht nur formelles Lernen. Es umfasst Ausflüge, Workshops und andere gemeinsame Unternehmungen: "Der Ausflug ins Felsenmeer war für mich am schönsten", erzählt Najiba, "jeder hat jedem geholfen, die Hand gereicht und Tipps beim Auf- und Abstieg gegeben. Das war so eine besondere Atmosphäre." Für Kyle war der Endspurt mit der damit verbundenen Reise in das Schullandheim Wegscheide der Höhepunkt der zwei Jahre: "Da haben wir ein Lagerfeuer gemacht, das war so toll", berichtet das Mädchen mit einem Funkeln in den Augen.

Doch auch nach der Abschlussshow geht es für die Diesterwegstipendiaten weiter: Diesterweg plus heißt das neue Programm, das nach den Sommerferien die Familien weiterhin begleitet und im Haus der Volksarbeit zu Gesprächen und Workshops einlädt.

Ende gut, alles gut also? Absolut, befindet auch Kyle am Ende der Veranstaltung: "Mir hat alles gefallen."

Ein Resümee, das stellvertretend für die vergangenen zwei Jahre stehen dürfte und hoffentlich auch für die kommende Generation, die im November startet, gelten wird.

(Text: Jens-Ekkehard Bernerth, Bild: Philip Eichler)